GASTBEITRAG: Wie ich im falschen Hedgefonds stecken geblieben bin

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Wer verzweifelt nach einem Job bei einem Hedgefonds sucht, akzeptiert wahrscheinlich das erstbeste Angebot. Warum auch nicht? In keines dieser Unternehmen kommt man leicht hinein. Doch nach meiner eigenen Erfahrung sollten Sie sich gründlich überlegen, ob Sie sich mit dem ersten Hedgefonds ins Bett legen, der die Bettdecke hebt.

Schon während meines Abschlusses bei einer Business School wollte ich immer auf der Buy-Side anfangen. Da jedoch ein Direkteinstieg keinen Zuckerschlecken darstellt, habe ich die Sell-Side als Sprungbrett gewählt. Auch wenn ich das bereits geschrieben habe, stellt der erste Job die größte Schwierigkeit für eine Karriere auf der Buy-Side dar. Denn die meisten Unternehmen setzen bereits Erfahrungen auf der Buy-Side voraus. Dummerweise ist mir nicht ganz klar, wie man Erfahrungen auf der Buy-Side ohne einen Job auf der Buy-Side sammeln kann. Doch wer es einmal in den Club geschafft hat, der ist plötzlich gefragt und jeder will ihn sprechen!

Ich selbst war so verzweifelt, auf der Buy-Side anzufangen, dass ich zu jedem Job bereit war. Sollte ich einen Hausmeisterposten bei einem Hedgefonds annehmen? Ich könnte mich doch hocharbeiten! Zwar habe ich immer Aktien bevorzugt, dennoch habe ich mich auch auf Kreditjobs beworben. Ich dachte: Wenn ich erst einmal einen Job auf der Buy-Side finden würde, dann würde mir der Wechsel auf einen Aktienjob schon irgendwie gelingen. Doch damit lag ich falsch.

Ich behaupte nicht, dass die Jobs im Kreditmarkt alle schlecht sind. So erhält man beispielsweise mehr Freizeit als bei Aktien. Investment Grade-Investoren sind Langweiler, die nur Zinskupons abschneiden, im Non Investment Grade wird es dagegen rasch kompliziert.

Ein Kreditinvestor muss sich genau die Kapitalstruktur anschauen, in der er investiert und ob er zu den nachrangingen Kreditgebern gehört. Sie müssen sich anschauen, was Sie zurückbekommen, wenn ein Kreditnehmer bankrottgeht. Sie müssen abschätzen können, wie lange ein Unternehmen noch seine Schulden bedienen kann. Ähnlich wie das Schachspiel setzt dies strategisches Denken voraus. Dagegen ist das Aktiengeschäft – ähnlich wie das Damespiel – deutlich leichter. Entweder geht es dem Unternehmen gut und die Aktie steigt oder eben schlecht und sie fällt. Man braucht sich über die Kapitalstruktur nicht den Kopf zerbrechen, weil sie sich ohnehin schon ganz unten befinden (nämlich unterhalb der nachrangigen Kreditgeber). Wenn ein Unternehmen bankrottgeht, brauchen Sie erst gar nicht nachzurechnen: Sie bekommen nichts zurück – ganz einfach.

Das eigentliche Problem besteht darin, dass Kredit und Aktien zwei ganz verschiedene Dinge darstellen. Es wäre etwa das gleiche, Softwareingenieure und Maschinenbauingenieure für das gleiche zu halten, weil sich beide Ingenieure nennen.

Wer also aktuell auf der Sell-Side arbeitet und verzweifelt auf die Buy-Side zu kommen versucht, sollte seine Wahl gründlich durchdenken. Denn wer erst einmal als Aktienperson gebrandmarkt ist, wird immer eine Aktienperson bleiben. Umgekehrt gilt natürlich für Kredit das gleiche. Obgleich das sicher schon einmal vorgekommen ist, kenne ich niemanden, der von Kredit zu Aktien oder umgekehrt gewechselt wäre.

Margin of Saving ist ein Blog, der von einem Hedgefondsanalysten gegründet wurde.

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