Die gesuchtesten Profile 2019 bei Schweizer Finanzdienstleistern

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Zurich

Foto: Getty Images

Das Jahr nähert sich dem Ende. Damit ist der Zeitpunkt gekommen, um auf den Recruitmentmarkt in der Schweiz 2018 zurückzublicken und einen Ausblick auf das neue Jahr zu wagen. „Das Jahr 2018 lief besser als 2017“, meint etwa Headhunter Christian Atkinson von Robert Walters Schweiz. „Erstens sind die Kandidaten wieder wechselwilliger und zweitens stellen die Banken trotz des anhaltenden Drucks der wachsenden Regulierung und der Branchenkonsolidierung verstärkt ein.“ Da jeder Abgang bei dem alten Arbeitgeber eine Lücke reiße, die besetzt werden müsse, sorge dies für Bewegung auf dem Recruitmentmarkt. „Wir gehen davon aus, dass sich das 2019 fortsetzen wird.“

Transformationsexperten

Den Hauptreiber für Neueinstellungen sieht Atkinson in der Transformation der Banken. Immer mehr Arbeitsabläufe würden automatisiert und digitalisiert. Das Wort „Digitalisierung“ lade allerdings zu Missverständnissen ein, denn dabei würden nicht allein reine IT-Fachkräfte wie Software-Entwickler benötigt, sondern eine Vielzahl an Profilen. „Es geht nicht nur um die Core-IT-Jobs. Die meisten Jobs in Compliance, Finance oder Accounting usf. haben heute einen IT-Bezug.“

Java-Entwickler

Die Zeiten als Schweizer Finanzdienstleister ihr Heil im Off- und Near-Shoring suchten, scheinen zumindest in der Softwareentwicklung der Vergangenheit anzugehören. Immer mehr wird wieder hierzulande entwickelt. „Das hätte ich vor fünf Jahren nicht erwartet“, kommentiert Headhunter Mark Dowsett von The Stamford Group in Zürich. „Mittlerweile ist es schwierig in Polen gute Entwickler zu finden und auch dort haben sie mittlerweile ihren Preis.“

Darüber hinaus würden die neuen agilen Entwicklungsmethoden eine Nähe zum Kerngeschäft verlangen, was sich mit Near-Shoring kaum vertrage. Gefragt seien Entwickler für C++, C#, Python, .Net und vieles mehr. „Die größte Nachfrage herrscht aber nach richtig guten Java-Entwicklern“, betont Dowsett.

Schweizer Juristen

Juristen gehören in Zürich zu den Profilen, die vom ungebrochenen Trend zur Regulierung profitieren. „Juristen mit einem Schweizer Studienabschluss sind sehr schwer zu finden“, beobachtet Headhunterin Karin Signer von Signer Beratungen in Zürich. Besonders jüngere Juristen würden lieber bei internationalen Rechtsanwaltskanzleien oder sogar den Big 4 anfangen. Banken zählten hingegen selten zu ihren Traumarbeitgebern. „Sie erhoffen sich anderswo offenbar bessere Karriereperspektiven.“

Know Your Customer- und Geldwäsche-Experten

Immer noch haben Privatbanken mit schwarzen Schafen unter ihrer wohlhabenden Klientel zu kämpfen. Aus diesen Gründen hat sich Julius Bär beispielsweise vor kurzem von ihrem Venezuelageschäft getrennt und das sogenannte Atlas-Projekt initiiert, um problematische Kunden ausfindig zu machen.

„Privatbanken suchen viele gute Know Your Customer-Experten. Sie werden oft nur für ein Projekt und befristet eingestellt“, erzählt Signer. „Allerdings bekommen dort auch ältere Kandidaten noch Chancen.“ Die Kandidaten kämen oft selbst aus dem Wealth Management und hätten dort als Client Relationship Manager oder als Private Banking Assistenten bereits Kundenerfahrungen gesammelt.

„Die Nachfrage nach Experten für Compliance-Themen wie Geldwäsche-Bekämpfung bleibt weiter auf einem konstant hohen Niveau“, bestätigt Atkinson.

Client Relationship Manager und Assistenten im Wealth Management

„Assistenten im Private Banking werden wieder gesucht. Vor einige Zeit lief dort fast nichts“, erinnert sich Signer. „Das ist ein gutes Zeichen. Es spricht dafür, dass sich auch bei den Client Relationship Managern wieder etwas bewegt.“ Normalerweise würden Assistenten eingestellt, um die Kundenbetreuer im Private Banking zu unterstützen. Oft handle es sich um jüngere Kandidaten mit einer kaufmännischen Ausbildung und erster Kundenerfahrung oder um erfahrene Assistenten mit Erfahrung und Sprachkenntnissen für den jeweiligen Markt.

Laut Atkinson seien auch gute Client Relationship Manager gesucht, wobei ein Wechsel des Arbeitgebers zunehmend schwerfalle. Schon seit Jahren gilt in der Branche die Faustregel, wonach ein Client Relation Manager bei einem Arbeitgeberwechsel allenfalls jeden fünften Kunden mitziehen könne. „Mittlerweile stellen 20 Prozent schon das absolute Maximum dar“, meint Atkinson. Wachsende Regulierung, Geldwäsche- und Know Your Customer-Bestimmungen erschwerten einen Wechsel zunehmend. „Sie müssen einfach einen beträchtlichen Papierkrieg erledigen“, sagt Atkinson. Dies schrecke viele vermögende Kunden ab. „Daher wird auch der Prozentsatz der Kunden, die mitwechseln, weiter sinken.“

Im Asset Management sind besonders Investment-Spezialisten und Portfolio Manager gefragt

Headhunter Thomas Bossard von Bianchi & Partner rechnet mit weiteren Neueinstellungen im Schweizer Asset Management. Die Anforderungen an neues Personal, vor allem bei der Performance, lägen allerdings hoch. „Somit wird weiter in Erfahrung, Talente und Spezialisten investiert. Wir beobachten, dass die Banken und Asset Manager ihre Investmentexpertisen beispielsweise mit Investment-Spezialisten und Portfolio Managern verstärken“, erzählt Bossard. „Parallel sind auch Profile in der Kommunikation mit den Kunden wie Sales Manager, Marketing Manager oder im Bereich der Investmentkommunikation gefragt.“

Frauen haben beste Chancen u. a. im Asset Management

„Weiter wird in der Rekrutierung auch darauf geachtet, dass bei Schweizer Finanzunternehmen Positionen vermehrt mit Frauen besetzt werden. Schlüsselpositionen beispielsweise im Portfolio Management oder im Sales werden jedoch erst von wenigen Frauen gehalten“, berichtet Bossard. „Der Frauenanteil in Führungspositionen der Finanzbranche wächst weiterhin nur langsam, da in der Schweiz weniger Frauen eine Karriere in Finanzinstituten anstreben als im weltweiten Durchschnitt. Hier besteht großes Aufholpotenzial. Die Schweizer Finanzunternehmen tun bereits einiges dafür, weibliche Führungskräfte zu stärken und so auch zu einem kulturellen Wandel beizutragen.“

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