GASTBEITRAG: Ich bin Analyst bei einem Hedgefonds und mein Portfolio Manager sackt mein Geld ein

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Das Jahr ist fast vorüber. Für Leute, die in den Finanzdienstleistungen arbeiten, ist dies eine ganz spezielle Zeit. Wir schauen zurück und denken darüber nach, welche Lektionen wir gelernt haben, sind unseren Familien und unseren Kollegen dankbar. Eine Zeit … haha – ich mache nur Spaß. Die Bonussaison steht an! Das ist die Zeit, in der sich entscheidet, ob wir uns einen Corolla oder einen Ferrari zulegen oder ob wir uns eine dritte Ehefrau leisten können.

Auf der Buy-Side dreht sich die Bezahlung rund ums Team. Falls es dem Unternehmen gut geht, dann auch Ihnen. Falls es dem Team gut geht, dann auch Ihnen. Theoretisch geht es nur noch um die Aufteilung des Vermögens – zumindest wird Ihnen das so am Jahresbeginn erzählt.

Doch am Jahresende hört sich die Geschichte ganz anders an. Zwar ist kein „I in Team“, aber dafür eines in „compensation“ und sogar zwei in „getting paid“ und vier in „making it rain, bitches“ – ja so schön kann die englische Sprache sein.

Ich bin Analyst in einem Hedgefonds. Das Problem von Analysten wie mir lautet: Wir haben nichts zu sagen, wenn es um die Verteilung des Geldes geht. Diese Entscheidung obliegt dem Portfolio Manager und im „Portfolio Manager“ gibt es auf jeden Fall ein „I“, aber keines in „Analyst“.

Tatsächlich ist jeder auf der Buy-Side gierig. Doch am gierigsten sind die Portfolio Manager. Wann immer ich ein schlechtes Jahr hatte, hat mir kein Portfolio Manager jemals mehr als das nötigste gezahlt. Niemand hat jemals gesagt: „Du hattest kein tolles Jahr, dennoch zahle ich Dir mehr, weil wir ein Team sind.“

Doch umgekehrt gilt dies nicht. Wenn Sie als Analyst besser performt haben als der Rest des Teams, dann können Sie sich schon einmal auf die Team-Ansprache gefasst machen. „Sicher haben Sie den Großteil des Gewinns in diesem Jahr generiert, doch so dürfen Sie das nicht sehen. Schließlich sind wir ein Team und müssen ihn gleichmäßig verteilen. Keine Angst, wenn Sie einmal ein schlechtes Jahr haben, werden wir das nicht vergessen.“

Und genau das wird geschehen – es wird vergessen.

Wer diese Zeilen aufmerksam gelesen hat, wird festgestellt haben, dass er unterdurchschnittlich bezahlt wird, wenn er den Rest der Gruppe outperformt UND underperformt. Doch wo landet dann all das Geld??? Genau das ist der Grund, wieso Sie einen Corolla fahren und Ihr Portfolio Manager einen Ferrari.

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