Mit dem Brexit kann man keinem deutschen Finanzprofi in London Angst einjagen

eFC logo
Angst-GettyImages-458103295.jpg

Von wegen...

„German Angst“: Für ihre Furchthaftigkeit sind die Deutschen in England und den USA ebenso bekannt wie für ihre „saussage based cuisine“ und ihre „beamer“ – worunter ein BMW verstanden wird. Doch vom Brexit lässt sich kein deutscher Banker in London Angst einjagen. „Mit dem anstehenden Brexit können Sie kaum einen deutschen Finanzprofi in London zu einer Rückkehr bewegen“, weiß etwa Headhunter Thore Behrens von Banking Consult in Frankfurt. „Die haben keine Bedenken wegen des Brexits. Wenn sich Leute zur Rückkehr nach Frankfurt entscheiden, dann spielen meist private Gründe eine Rolle.“ Behrens berichtet von einem deutschen Finanzprofi in London, der sich die dortigen Kindergartengebühren von 20.000 Pfund im Jahr nicht länger leisten wollte.

London bleibt weiter Mekka der M&A-Profis

Dabei spiele es nur eine untergeordnete Rolle, aus welchen Bereichen des Finanzwesens die angesprochenen Kandidaten stammen. Bislang sind im Sales & Trading Front Office in Frankfurt kaum neue Jobs aufgrund des Brexits entstanden. Hauptsächlich suchen Behrens und andere Headhunter in London nach M&A-Profis mit deutschem Background. „Wir schätzen die Zahl der deutschsprachigen M&A-Experten in Europa auf etwa 2700 Personen“, erzählt Behrens. „Davon befinden sich mindestens 500 in London.“ Zwar stehe beim bevorstehenden Brexit-Umzug derzeit der Handel mit Wertpapieren im Vordergrund, allerdings könnte auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, Aktien- und Anleiheemissionen verstärkt nach Deutschland abwandern.

Die negativen Aussichten scheinen niemanden abzuschrecken. Die besonders gesuchten jungen deutschsprachigen M&A-Experten zieht es sogar eher von Frankfurt nach London. „Aus den Gesprächen mit Kandidaten weiß ich, dass eigentlich jeder junge Investmentbanker bis drei Jahren Berufserfahrung nach London will“, erzählt Behrens. Junge Banker hätten noch keinen familiären Anhang und scheuten weniger das Risiko, das mit dem Brexit verbunden ist. Die Karriereperspektiven seien dagegen oft glänzend. „Wer als Junior zwei Jahre im Londoner Deal Team eines Bulge Brackets gearbeitet hat, dem stehen beruflich alle Türen offen“, meint Behrens.

Ganz ähnliche Erfahrungen hat Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt gemacht, der sich auf M&A, ECM und DCM spezialisiert hat. „Ich habe sogar junge Investmentbanker aus Frankfurt, die mir sagen: ,An einem Wechsel innerhalb Frankfurts bin ich nicht interessiert. Wenn Sie aber etwas in London haben, können Sie gerne auf mich zurückkommen‘.“ Eine Station in London im Lebenslauf zu haben, stelle immer noch ein großes Karriereplus dar. „Wir haben sogar Kunden, die sagen: ,Wir schauen uns niemanden an, der noch niemals im Ausland gearbeitet hat“, sagt Graffelder. Wenigstens ein Praktikum im Ausland werde vorausgesetzt.

Überdies sei die Branche an der Themse immer noch weitaus größer als am Main und die meisten Banken unterhielten ihre Sektor-Teams – wie für TMT – in London. „Da bieten sich jungen Investmentbankern oft noch bessere Entwicklungsperspektiven als in Frankfurt.“

Doch auch jenseits der Investment Banking Division kann von „German Angst“ im Lande der Royals keine Rede sein. Bei deutschsprachigen Compliance-Spezialisten, die in London allerdings rar sind, hat Behrens ebenfalls wenig Rückkehrdrang beobachtet. „Die Kandidaten sind sehr international ausgerichtet und in der Compliance werden auch in London immer Leute gesucht.“

Weiter hat Behrens für einen deutschen Kunden einen Experten für Quantitative Finance möglichst mit Deutschkenntnissen gesucht. „Da sind wir einen Kandidaten aus dem Hedgefonds-Umfeld angegangen“, berichtet Behrens. Auch hier blieb der Erfolg aus. „Die Gehälter in London liegen gerade in diesem Segment noch deutlich höher als in Frankfurt, die Karriereperspektiven sind glänzend und London eine spannende Stadt.“

Viele deutsche Finanprofis mögen Frankfurt zwar nicht, werden aber letztlich mitziehen

Und was sagen deutsche Finanzprofis in London dazu? „Generell wäre und bin ich immer bereit, für einen Job in ein anderes Land zu ziehen und habe dies auch schon mehrfach gemacht", erzählt ein Finanzprofi, der zwischen London und Nordamerika pendelt und auch schon in Asien gelebt hat. „Ich persönlich verstehe es als Teil meines Berufslebens in dieser Branche, ein hohes Maß an Flexibilität bezüglich des Jobs zu haben. Dementsprechend würde ich auch aufgrund von Brexit ohne Probleme in eine neue Stadt bzw. ein neues Land ziehen."

Die Anziehungskraft von Mainhattan beurteilt er allerdings abschlägig. „Ich persönlich finde Frankfurt als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nicht sehr attraktiv und ich glaube, von all dem, was ich von Ex-Kollegen und von Freunden weiß, dass eine große Anzahl von Menschen, die momentan in London im Front Office arbeiten, das ähnlich sehen."

Dennoch geht der Finanzprofi davon aus, dass viele Trader schließlich mitziehen werden. „Zum einen ist die Bereitschaft von Beschäftigten auf dem Trading Floor, persönliche Risiken bezüglich ihres Jobs einzugehen, nach meiner Beobachtung seit 2007/8 merklich gesunken. Zum anderen wird die Zahl der Front Office-Jobs insgesamt sicherlich weiter - und auch im Verlauf des Brexits - zurückgehen."

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close