Müssen Trader in Frankfurt heute programmieren können?

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Blick in den Handelssaal der Zukunft.

Der Brexit macht’s möglich. Während Vakanzen im Trading in den zurückliegenden Jahren in Frankfurt Seltenheitswert genossen, werden jetzt wieder Trader vor allem für den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Devisen gesucht. Denn nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU muss die Ausführung der Trades wieder in der Rest-EU und nicht länger in London erfolgen. So wollen es die Regulierungsbehörden.

Ausgerechnet die britische Großbank Barclays spielt hier eine Vorreiterrolle und hat gleich eine Reihe von Vakanzen ausgeschrieben. Gesucht werden sechs Rates- und drei FX-Trader. Auch die UBS hat drei erste Vakanzen auf ihrer Website veröffentlicht. Dort wird lediglich für einen Job die Excel-Sprache VBA verlangt. Kommen Trader heute trotz zunehmender Digitalisierung des Handels noch ohne Programmierkenntnisse aus?

„Keiner von unseren Tradern kann programmieren“, sagt etwa ein Manager einer großen US-Bank in Frankfurt. Doch dies scheint nicht überall der Fall zu sein. „Einige von unseren Händlern können programmieren bzw. kommen aus dem Strat-Bereich, der sich hauptsächlich damit beschäftigt. Letztlich ist die Programmierfähigkeit eher im Strat-Bereich relevant“, erzählt ein deutscher Trader einer großen europäischen Bank, der anonym bleiben möchte. Beim Strat-Bereich handelt es sich bei Banken um die Abteilung, in denen Quants z. B. Algorithmen entwickeln, wie sie für den automatischen Handel erforderlich sind. „Die Aufgaben rücken allerdings näher zusammen. Hauptsprachen sind Python, C++ und Java“, ergänzt der Trader.

„Grundsätzlich ist die Kenntnis einer Programmiersprache keine Grundvoraussetzung im Aktien-Trading von Berenberg, aber es wird immer wichtiger, dass man Marktstruktur und Algorithmen einer Programmierung versteht", heißt es von Berenberg. „Zu den wichtigen Programmiersprachen gehören unter anderem Java und Python."

„Wenn Sie heute Junior im Trading sind, dann stellen Programmierkenntnisse schon einen großen Vorteil dar“, meint indes Andreas Günther, der selbst 20 Jahre Aktienderivate u. a. bei der Citigroup, Lehman Brothers und Sal. Oppenheim gehandelt hat, bevor er im vergangenen Jahr zu FRED Executive Search in Frankfurt wechselte. Mit einschlägigen Kenntnissen würden sich Trader von Mitbewerbern absetzen, was besonders in einem schwierigen Arbeitsmarkt einen unschätzbaren Vorteil darstelle. „Wenn Sie zwei Kandidaten haben und einer kann programmieren und der andere nicht, dann wird in der Regel derjenige mit Programmierkenntnissen genommen.“

Laut Günther würden die Arbeitgeber dies immer häufiger in die Anforderungsprofile der Stellen aufnehmen. „Ich habe schon an Vorstellungsgesprächen teilgenommen, in denen es sehr technisch wurde“, erzählt der Headhunter.

Neben VBA würden die Statistik-Sprache R und das Mathematikprogramm Matlab gerade auch im Derivatehandel an Bedeutung gewinnen. Immer häufiger müssten große Datenmengen analysiert werden. „Wenn Sie 10 Mio. Datensätze analysieren wollen, dann können Sie das nicht mehr mit Excel machen“, kommentiert Günther. Daher seien leistungsfähigere Lösungen wie R oder Matlab gefragt. Auch Python werde immer häufiger verlangt.

Die Nützlichkeit von Programmierkenntnissen kennt Günther aus eigener Erfahrung. „Es stellt schon einen Vorteil dar, wenn man weiß, welchen technischen Aufwand ein Report oder etwas Ähnliches verlangt“, erzählt der ehemalige Trader. So mancher Trader könne immer noch nicht abschätzen, welchen technischen Aufwand so etwas nach sich ziehe. Die Folge: Sie müssen lange auf die Abarbeitung ihrer Aufträge warten. „Mit entsprechenden Kenntnissen können Sie kleinere Lösungen selbst programmieren und müssen nicht auf die IT warten“, betont Günther.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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