GASTBEITRAG: Wieso ich jeden Banker davor warne, nach Paris zu gehen

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Persönlich hege ich eine ausgeprägte Allergie gegen Paris und damit zusammenhängend gegen Frankreich. Nachdem ich viele Jahre auf einem anderen Kontinent gelebt habe, beabsichtige ich nicht zurückzukehren. Nicht einmal meine Asche wird in Frankreich verstreut werden. Mit dem Land bin ich durch.

Warum? Zunächst und am wichtigsten: die Steuern. Als ich in Paris lebte, gingen 80 von 100 Dollar, die ich verdient habe, an den Fiskus. Wo ich heute lebe, tun es auch 20 Dollar. Denn in Frankreich herrscht immer noch eine kommunistische Einstellung.

„Doch wie sieht es mit Macron aus?“, fragen mich viele. Setzt er sich nicht höchst persönlich für den Umzug von Banken nach Paris ein? Das ist sicher richtig, aber zu kurzsichtig gedacht. Schließlich ist Macron von Beruf her Investmentbanker und als solcher ist er ein Meister der Lockvogelangebote. Jeder, der mehr als 1 Mio. Euro verdient und denkt, er werde dort in zehn Jahren weniger Steuern als in London zahlen, macht sich selbst etwas vor. Macrons Steuererleichterungen haben keine Zukunft. Denn das Haushaltsdefizit Frankreichs liegt nur knapp unter der in der Eurozone zulässigen Grenze von 3 Prozent und Macrons Stern verblasst bereits. In einem Land wie Frankreich wird ein Präsident wie Macron nicht lange durchhalten. Dabei hilft ihm auch nicht, dass er leicht als Banken-Egomane verunglimpft werden kann, der den Kontakt zur Realität verloren habe.

Von daher zweifle ich, dass Macron die Wahlen im Jahr 2022 überstehen wird. Und dann werden früher oder später die Steuern wieder mit einem Vergeltungszuschlag erhöht. Dabei habe ich gar nichts gegen Steuern, aber etwas gegen falsche Anreize. Bei Frankreich handelt es sich um ein Land, in dem den Leuten lange erzählt wurde, dass schon jemand anderes für sie aufkommen werde. Viele Franzosen können sich daher nicht mit dem Gedanken anfreunden, eine finanzielle Eigenverantwortung zu tragen. Die politische Losung Frankreichs ist denkbar einfach: „Die Reichen werden schon zahlen.“

Ein Großverdiener in Frankreich darf dafür keinerlei Dank erwarten. Nach meiner Erfahrung blicken die Franzosen neidisch auf alle Leute, die Geld haben. Das stellt einen riesigen Unterschied zu Kontinenten wie Asien dar, wo der Erwerb von Wohlstand respektiert wird. Als ich vor 20 Jahren im 16. Arrondissement von Paris wohnte, hat jemand mit seinen Schlüsseln meinen BMW zerkratzt, weil er neidisch auf den „reichen Kerl“ war. Wenn ich jetzt zum Urlaub nach Frankreich zurückkehre, bin ich immer argwöhnisch: Ich verschließe die Autotüren beim Anhalten an der Ampel. Ich fühle mich einfach unsicher. Anderswo in der Welt ist das nicht so.

Doch was sollten Sie unternehmen? Die Alternativen fallen nicht gerade rosig aus, obgleich ich Frankfurt favorisiere. Wer nach Spanien geht, hat eine bessere Lebensqualität. Auch wer nach Benelux geht, dürfte gut zurechtkommen, obwohl er sich langweilen dürfte. Doch die Wahrheit lautet: Jeder sollte sich das gut überlegen. Wenn Sie erst so spät über Ihre berufliche Zukunft nachdenken, dann verschlägt es Sie womöglich nach Paris. Viel Glück dabei.

Bei Philippe Ersatz handelt es sich um ein Pseudonym. Früher war er als Führungskraft im Geschäft mit Aktienemissionen (Equity Capital Markets) beschäftigt.

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