Das traurige Schicksal von Praktikanten, die kein Übernahmeangebot erhalten

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Die Praktikanten im angelsächsischen Investment Banking verbringen nahezu ihren gesamten Sommer mit 80-Stunden-Wochen. Sie haben ein klares Ziel vor Augen: Ihr Praktikum in eine Vollzeitanstellung zu verwandeln. Doch leider ist der Erfolg keinesfalls garantiert – selbst für Leute, die sich maximal anstrengen. Die Banken verraten ungern, wie viele ihrer Praktikanten ein Übernahmeangebot erhalten. Üblicherweise sind es jedoch zwischen 50 und 70 Prozent, je nach Unternehmen, Jahr und Abteilung.

Wer keinen Freifahrtschein für die Karriere erhält, versucht bei der Konkurrenz unterzukommen. Andere Banken wissen naturgemäß wenig über den Kandidaten, außer dass es ihm in zehn Wochen nicht gelang, ein Übernahmeangebot zu erhalten. Während Boutiquen gelegentlich gute Praktikanten aufgrund des Mangels an Arbeitsplätzen ablehnen, werden von Großbanken Kandidaten selten aus Platzgründen nicht eingestellt, sagen Recruiter. Sie stellen in einem Jahr auch zu viele Absolventen ein, sofern es Sinn machen sollte.

Die gute Nachricht lautet. Wer es geschafft hat, ein Praktikum bei einer erstrangingen Investmentbank zu erhalten, hat gute Aussichten bei einer weniger renommierten Bank unterzukommen, solange keine ernsthaften Gründe dagegensprechen. „Goldman Sachs pickt nicht die Reste auf, die von J.P. Morgan oder Morgan Stanley übriggelassen werden“, erzählt ein New Yorker Recruiter, der anonym bleiben möchte. Anders dagegen Banken aus der zweiten oder dritten Reihe, allerdings nur nach einem rigiden Auswahlverfahren.

Der Einstieg bei einer weniger renommierten Bank stellt ebenso wenig eine Katastrophe dar wie der Einstieg bei einer erstrangigen Bank eine Garantie für eine außerordentliche Karriere ist. Dennoch stellt es für viele Studenten schon eine herbe Enttäuschung dar, wenn sie ein Praktikum bei einer erstklassigen Adresse erhalten haben, aber kein Übernahmeangebot. „Einige Zeit habe ich mich gefühlt, als würde ich einen Blauen Brief mit mir herumtragen“, erzählt ein ehemaliger Praktikant von Goldman Sachs, der nachdem er kein Angebot erhielt, in der Consultingbranche angefangen hat. „Wenn Leute herausfinden, dass ich ein Praktikum bei Goldman Sachs absolviert habe, fragen mich einige, wieso ich dort nicht arbeiten wollte. Die meisten bohren aber nicht nach, denn sie kennen die Gründe.“

„Manchmal wünsche ich mir, ich hätte kein Praktikum bei Goldman absolviert“, sagt er, obgleich ihm die Erfahrung etwas gebracht habe. „Ich denke immer, die Leute sehen das als einen Mangel als, als ob es sich um ein Scheitern handle.“

Unterdessen ließt sich ein ehemaliger Praktikant von JP Morgan von einer ausbleibenden Übernahme nicht unterkriegen. Nach einer Phase der Frustration habe er sich weiterbeworben und ein Angebot von einer anderen Bank erhalten. „Wenn der Job einmal angefangen hat, wieso sollte ich zurückschauen?“, meint er.

Die meisten Probleme, die mit einer ausbleibenden Übernahme einhergehen, sind ohnehin kurzfristiger oder sozialer Natur. Es habe ihm schon schwergefallen, Mitpraktikanten zu treffen, die übernommen wurden, oder mitanzusehen, wie die Mitanalysten bei der neuen Bank bereits im vorgehenden Sommer Beziehungen geknüpft haben.

Hiring Manager der Banken tendieren dazu, sämtliche Studenten und Absolventen als erstes nach ihrem jüngsten Praktikum zu fragen. Sicherlich handelt es sich um keine Einbahnstraße. Einige Praktikanten kommen einfach nicht mit der Arbeit, der Abteilung oder dem Hiring Manager zurecht, lehnen ein Angebot ab und suchen sich anderswo etwas. Doch nur wenige wagen es, ein Angebot von einer erstklassigen Bank auszuschlagen. Institute wie Goldman Sachs und JP Morgan rühmen sich eine Annahmequote von 90 Prozent.

Dennoch rät der Headhunter Betroffenen von einer Lüge ab. Niemand solle erzählen, ein Angebot abgelehnt zu haben, wenn er keines erhalten hat. „Die Welt ist klein. Jemand von Bank A kennt jemand von Bank B.“ Stattdessen empfiehlt er Betroffenen, sich darauf zu konzentrieren, was sie gelernt haben und was sie davon verwenden können. Und niemals sollte man sich den Mund über ehemalige Arbeitgeber oder Vorgesetzte zerreißen.

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