INTERVIEW mit Baader Bank-Vorstand: Welche Befürchtungen zu MiFID II wahr geworden sind

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Christian-Bacherl

Seit Januar gilt die neue Regulierung MiFID II, die in der Branche für große Beunruhigung gesorgt hat. Christian Bacherl, der im Vorstand der Baader Bank die Bereiche Capital Markets und Research verantwortet, erläutert in einem Interview, welche Befürchtungen sich bislang bewahrheitet haben und welche nicht.

Sechs Monate MiFID II. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Nach dem ersten halben Jahr befinden wir uns immer noch in den frühen Tagen von MiFID II. Es ist aber schon wahr geworden, was die Investorenseite angekündigt hat: Die neue Regulierung wird dazu genutzt, die Brokerliste noch einmal genau zu durchleuchten. Indem der ein oder andere Name von der Liste gestrichen wird, werden Kosteneinsparungen erzielt. Doch da auch die Preise auf die Produkte unter Druck geraten, hat die Konsolidierung in der Tiefe noch nicht stattgefunden.

Durch die geringeren Gebühren musste sich die Buy-Side also nicht unbedingt von einzelnen Brokern trennen?

Es war ja schon in den Zeitungen zu lesen, wie die Sell-Side bei den Preisen abgeschichtet hat. Dadurch musste die Entscheidungsfindung auf der Buy-Side noch nicht in der Härte getroffen werden. Dennoch waren die Listen hart umkämpft. Alle wollten auf den Listen bleiben.

Deswegen handelt es sich auch um die „Early Days“. Die Buy-Side wird sich die neuen Verhältnisse unter MiFID II im ersten Jahr ganz genau anschauen und dann ihre Entscheidung treffen und weitere Einschnitte vornehmen.

Als Broker, der auf die DACH-Region fokussiert ist und hier eine tiefe Marktabdeckung besitzt, auch was die Marktkapitalisierung betrifft, wird unser Produkt von den Marktteilnehmern sehr gut aufgenommen. Darüber hinaus sehen wir, dass Investorenkonferenzen für die Buy-Side an Bedeutung gewinnen. Die Buy-Side wünscht sich einen besseren Zugang zum Management der jeweiligen Unternehmen.

So viel zur Brokerage, doch wie sieht es im Research aus? Jetzt müssen die Kunden für das Research gesondert zahlen. Springen da nicht viele ab?

In der „unbundled Welt“ gibt es eine separate Vereinbarung für den Bezug von Research, den Zugang zu Analysten und die Handhabung von „Corporate Access-Dienstleistungen“ wie Konferenzen und Roadshows.

Davon getrennt ist der Marktzugang, Trading und Execution. In der Vergangenheit wurde das Handelsvolumen unter den Partnern aufgrund der wahrgenommenen Dienstleistungen verteilt. Heute kann der Handelstisch auf der Buy-Side selbständig entscheiden, wo er seinen Aktienhandel hingibt und wo er die seines Erachtens beste Ausführung und den besten Preis erhält.

Also können Fonds heute ihr Trading von Bank I und ihr Research von Bank II beziehen?

Das ist so. Allerdings fällt nicht die ganze Welt unter MiFID II.

Wie fällt die Wirkung auf das Research aus? Sind die Kunden bereit, dafür zu zahlen?

Tatsächlich ist die Buy-Side durch MiFID II selektiver geworden. Sie muss sich entscheiden, wo es sich ergänzende und wo es überlappende Angebote gibt und ob sie sich das leisten kann und will. Als Anbieter muss ich gegenüber anderen einen Mehrwert beim Research bieten. Dabei kann es sich um die Marktabdeckung, die Qualität des Researchs und den Zugang zu Unternehmen wie etwa durch Konferenzen handeln.

Sie versuchen sich zu differenzieren, indem Sie sich auf Deutschland, die Schweiz und Österreich konzentrieren und dort besonders Mid und Small Caps abdecken, Unternehmen also, die nicht jede Großbank auf ihrem Zettel hat?

Wir sind zwar auf die DACH-Region fokussiert, wir sind aber auch sektoral und unabhängig von der Marktkapitalisierung organisiert. Wir decken also sehr wohl Nestlé, Bayer und BASF ab. Allerdings gehen wir bei der Marktkapitalisierung deutlich tiefer als das bei einer globalen Investmentbank üblich ist. Damit bieten wir ein ergänzendes Angebot zu einer solchen Bank. Dagegen dürfte es bei den Angeboten von zwei globalen Brokern beträchtliche Überlappungen geben.

Welche Folgen hat MiFID II aus Ihrer Sicht für die Kostensituation auf der Buy-Side?

Um das abzuschätzen, ist es noch zu früh. Meine These lautet aber weiter, dass diese Art der Regulierung Größe und passive Strategien bevorteilt. Denn die Research-Kosten fallen ja nicht proportional zu den Assets under Management an. Dadurch haben kleinere Anbieter mit höherem Kostendruck als größere zu kämpfen. Selbst große Anbieter werden sich fragen, wie weit sich aktive Strategien rechnen, die naturgemäß mit einem relativ hohen Researchbedarf einhergehen. Tatsächlich beobachten wir, dass die großen Anbieter ihre passiven Strategien – seien es ETFs, Smart Beta oder andere – weiter forcieren. Ob das tatsächlich eintritt, lässt sich nach einem halben Jahr aber noch nicht wirklich beurteilen.

Was hat Sie im ersten halben Jahr von MiFID II überrascht?

Unsere Strategie, auf die Nische zu setzen und in der Nische gut zu sein, hat sich als richtig erwiesen. Wir haben schon im Vorfeld unsere Personalplanung angepasst. Und wir haben uns darauf konzentriert, einen sehr guten und mit Service unterlegten Marktzugang zu bieten. Wir profitieren unter MiFID II im Handel, weil die Buy-Side jetzt ihre Aufträge dorthin geben kann, wo sie eine gute Ausführung erhält. In dieser Erwartung sind wir positiv bestätigt worden.

Zweitens haben Konferenzen an Bedeutung gewonnen. Unsere Konferenz im September in München haben wir auf vier Tage ausgebaut, auf der sich in diesem Jahr mehr als 190 Unternehmen präsentieren werden. Das firmiert unter dem Titel: Unternehmen aus der DACH-Region und Investoren von der ganzen Welt.

Welche Auswirkung wird MiFID II auf die Beschäftigung haben? Vor einem Jahr haben Sie einen branchenweiten Abbau von 20 bis 30 Prozent prognostiziert.

Bei dieser Einschätzung bleibe ich. Auch wir haben unseren Personalstand bereits im Vorfeld angepasst. Ein Analyst muss heute mehr Unternehmen als in der Vergangenheit abdecken. Im diesem Zusammenhang überlegen wir uns, wie wir Technologie einsetzen können, um das Research zu unterstützten. Wir sehen schon heute erste Banken, die ihr Research zentralisieren, um dadurch Synergien zu heben. Der Druck auf die Branche wird weiter hoch bleiben.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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