Von wegen Praktika: Gebt den Studenten ihren Sommer zurück!

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Es nähert sich die Zeit, in der London vom alljährlichen Sommer-Sound erfüllt wird: Von WM-Jubel, dem Brutzeln der Grillwürste und den Seufzern piekfeiner Grünschnäbel in ihren nagelneuen Anzügen: „Ich weiß nicht, ob das meinem Studium wirklich angemessen ist.“ Genau: Die Sommerpraktikanten trudeln wieder ein.

Es handelt sich um eine Veranstaltung, von der absolut niemand profitiert. Eine große Zahl von Studenten verbringt, was der tollste Sommer ihres Lebens sein könnte, in London oder New York. Ihr Schweiß hüllt die Finanzzentren in einen ganz eigenen Geruch. Die Banken bezahlen Gehälter, die wenn sie aufs ganze Jahr gerechnet würden, ein recht gutes Strategieberatungsprojekt finanzieren könnten. Nur dass die Banken dafür beinahe nichts bekommen. Dutzende von Investmentbankern müssen sich zwischen drei gleichermaßen schlechten Optionen entscheiden: Entweder investieren sie Zeit und Anstrengung in ein Sommerprojekt, welches mit ihrer Arbeit kaum etwas zu tun hat, sie lassen die zwanzigjährigen Rugbyplayer auf ihre Multi Millionen schweren Kunden los oder Sie kommen mit einer halb ausgegorenen Idee aus dem vergangenen Jahr an und überhören das gelangweilte Stöhnen und einige bizarre Fragen vom anderen Ende ihres Desks. Letzteres ist sicherlich der gängigste Fall.

Der Himmel verhüte, dass sie diese Person mit einer zumindest geringfügig nützlichen Aufgabe betrauen wie etwa Photokopieren oder Tee holen. Denn in der schönen neuen HR-Welt stellt der Auftrag, Kaffee zu holen, geradezu ein Sakrileg dar.

Wie konnte es nur so weit kommen? Früher gab es einmal eine Veranstaltung, die unter dem Namen „Campus Recruitment“ bekannt war. Studenten führten in ihrem letzten Jahr an der Uni Vorstellungsgespräche für Jobs im Banking. Sobald sie ihre Abschlussnoten erhalten hatten, begannen sie als Angestellte zu arbeiten. Normalerweise gab es dabei eine sechsmonatige Probezeit. Falls Sie also eine falsche Personalentscheidung getroffen hatten, konnten sie sie einfach wieder vor die Tür setzen.

Allerdings hatten die Managing Directors und Directors es irgendwann einfach satt, von Uni zu Uni zu ziehen. Außerdem brillierten einige von ihnen bei den Auswahlgesprächen nicht gerade. Also wurde ein System entwickelt, bei dem die Kandidaten im Büro auftauchen und unsere Zeit vergeuden, wobei die Vorstellungsgespräche zu einem mehrwöchigen gegenseitigen Kennenlernen mutierten. Ich bezweifle, dass auf diese Weise Zeit und Aufwand gespart wird.

Darüber hinaus bringt dies für die Branche einige Nachteile mit. Seit das Rekrutierungs-Verfahren von Praktika dominiert wird, läuft es auf den immer gleichen Persönlichkeitstyp hinaus. Der Typ Mensch, der schon immer im Investment Banking arbeiten wollte und sich daher früh genug für Praktika in seinem zweiten Jahr bewarb.

Dies stellt jedoch keinen repräsentativen Durchschnitt der Gesellschaft dar. Denn die meisten 18jährigen haben noch niemals vom Investmentbanking gehört und sich schon gar nicht für eine Karriere darin entschieden.

Wer sich für die Praktika bewirbt, bringt meist beeindruckende akademische Noten und außeruniversitäre Aktivitäten mit. Allerdings besitzen alle eine ähnliche Lebenseinstellung, was die Folge der konkurrenzintensiven Praktika ist, was sie sämtlicher Erfahrungen beraubt, die Lebensläufe nicht aufhübschen. Die Einstiegsprogramme haben die Heldentat vollbracht, eine beeindruckend diverse Gruppe junger Leute zusammenzubringen, die alle exakt gleich denken.

Stattdessen sollten wir den jungen Leuten ihre Sommer zurückgeben. Es ist keinesfalls unmöglich, den Geist zurück in die Flasche zu stopfen. Da es sich mittlerweile um den normalen Recruitment-Prozess für Toptalente handelt, will keine Bank als erstes das Rad zurückdrehen. Es wäre allerdings möglich, die Praktika auf bis zu zwei Wochen zu verkürzen. Wir sollten die Praktika wieder zu dem machen, was sie eigentlich sein sollten: Kurze Arbeitserfahrung statt Sommerjobs. Alles was wir zu verlieren haben, sind gebundene Powerpoint-Präsentationen, die fünf Minuten, nachdem die Praktikanten das Unternehmen verlassen haben, ohnehin im Papierkorb landen.

Dan Davies ist Senior Research Advisor bei Frontline Analysts und hat früher als Bankenanalyst für Cazenove, Credit Suisse und BNP Paribas gearbeitet.

 

 

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