Von A bis Z: Die aktuellen Brexit-Pläne der Banken für Frankfurt

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Brexit

Längst nicht nur britische Banken schmieden Brexitpläne.

Der Countdown läuft. In rund acht Monaten will Großbritannien aus der EU aussteigen. Zwar wurde per Handschlag eine Übergangsfrist bis Ende 2020 vereinbart, juristisch belastbar ist das aber nicht. Daher müssen die Banken jetzt Gas geben, damit ab April 2019 das Geschäft mit den europäischen Banken reibungslos klappt. Um nicht den Überblick verlieren, haben wir hier die Brexit-Pläne sämtlicher Banken für Frankfurt zusammengestellt:

Barclays

Eigentlich wollte sich Barclays nicht am Auszug der Londoner Banker nach Frankfurt beteiligen. Wenn schon neue Jobs geschaffen werden müssten, dann in Irland, wo die britische Großbank anders als in Frankfurt eine Banklizenz besitzt. Doch mit dem Näherkommen des Austrittsdatums scheint ein Umdenken einzusetzen. Laut dem Guardian soll jetzt Frankfurt 40 bis 50 Investmentbanking-Jobs abbekommen. Mit 150 bis 200 Brexitjobs geht allerdings das Gros nach Dublin. Die deutschen Mitarbeiter sollen juristisch bei der irischen Tochtergesellschaft mit ihrer Banklizenz beschäftigt werden.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Barclays acht Managing Directors und zwei Executive Directors für ihr kontinentaleuropäisches Geschäft angestellt hat und auch einen neuen Head of Investment Banking für Deutschland such. Da die Einstellung von neuen Managern regelmäßig weitere Jobs für jüngere Mitarbeiter nach sich zieht, scheint ein kleiner Stellensegen vorprogrammiert.

„Das hat mit dem Brexit nichts zu tun“, sagte indes ein Unternehmenssprecher eFinancialCareers. Vielmehr wolle die Bank ihre zuletzt ausgedünnte Personaldecke für den kontinentaleuropäischen Markt wieder auffüllen.

CICC (China International Capital Corporation)

Nach London will die CICC ihre zweite europäische Niederlassung in Frankfurt eröffnen. Mit Michael Müller von Metzler haben die Chinesen im Juli ihren neuen Head of Investment Banking Germany bestellt. Weiter will die Bank Vice Presidents, Associates und Analysten einstellen.

Das Geschäft soll sich anscheinend zunächst auf M&A und Kapitalmarktransaktionen beschränken und nicht aufs Trading. „Es geht nicht um den Brexit. Wir werden uns auf das chinesisch-deutsche M&A konzentrieren und wir werden unsere Dienstleistungen sowohl chinesischen als auch deutschen Kunden anbieten", sagte der M&A-Chef der CICC Zilong Wang in Peking zu eFinancialCareers.de.

Citi(group)

Vor rund einem Jahr hat Citi angekündigt, im Zuge des Brexits 150 bis 250 Stellen in Frankfurt zu schaffen, wovon der Hauptteil auf Sales and Trading von Aktien und Aktienderivaten entfallen soll. Platz ist vorhanden, denn laut Insidern besitzt die US-Bank an der Frankfurter Welle bereits einen Handelssaal, der nur zu einem Drittel belegt ist.

Unterdessen baut Citi seine Konzernstruktur in Europa um. „Die Citigroup Global Markets Deutschland wird in eine Wertpapierhandelsbank umgewandelt und sich zukünftig auf diese Aktivitäten fokussieren“, heißt es etwa im Geschäftsbericht der deutschen Tochtergesellschaft. Umgekehrt sollten nachgeordnete Dienstleistungen wie „Securities Services“ sowie das Corporate Banking in der irischen Tochtergesellschaft gebündelt werden. Damit wird Frankfurt künftig das Rückgrat des Sales and Tradings von Citi in der verbleibenden EU darstellen.

Credit Suisse

Die Schweizer Großbank hält sich mit ihren Brexitplänen bedeckt. Laut Medienberichten will die Credit Suisse aber in einem ersten Schritt bis zu 250 ihrer rund 5500 Stellen in der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlagern. Als Standorte sind vor allem Frankfurt und Madrid im Gespräch.

Daiwa

Wie die meisten anderen japanischen Banken hat sich Daiwa bereits vor einem Jahr entschlossen, nach Frankfurt zu gehen und hier eine Banklizenz zu beantragen. „Dieses Arrangement wird sicherstellen, dass Daiwa seine Dienstleistungen auch weiterhin in den EU bereitstellen kann, wenn Großbritannien die EU verlässt“, hieß es seinerzeit von Daiwa. Bisher betreiben die Japaner hierzulande lediglich die Daiwa Advisory GmbH mit 31 Mitarbeitern. Künftig dürfte auch das Euro-Clearing nach Frankfurt kommen.

Goldman Sachs

Beim Brexit gilt Goldman Sachs als Vorreiter. Schon zu Jahresbeginn hat die US-Investmentbank ihren Managing Director Thomas Degn-Petersen aus Indien nach Frankfurt beordert, um hier die für den Wertpapierhandel erforderliche Infrastruktur aufzubauen. Unterdessen hat die Bank auch mit ihrem Executive Director Alexander Kretzberg einen der ersten Front Office-Banker von London nach Frankfurt umziehen lassen. Für die Financing Group soll er den kontinentaleuropäischen „Footprint“ ausbauen.

Zwischenzeitlich hat der Konzern mit der „Goldman Sachs Europe SE“ eine neue Konzerngesellschaft in Frankfurt gegründet, in der künftig das Sales and Trading in Kontinentaleuropa gebündelt werden soll. Bereits vor über einem Jahr hatten die Amerikaner angekündigt, ihre Mitarbeiterzahl am Main auf mindestens 400 Beschäftigte zu verdoppeln. Der Platz in den oberen Etagen des Messeturms- dem bisherigen Domizil der Bank – scheint dafür nicht auszureichen. So hat die Bank laut Medienberichten im neuen Marienturm bereits Flächen angemietet, die für bis zu 700 Mitarbeiter ausreichen würden. Goldman Sachs scheint in Frankfurt noch einiges vorzuhaben.

JP Morgan

Bereits vor einem Jahr hat JP Morgan-Europachef Daniel Pinto angekündigt, infolge des Brexits einige hundert Jobs von London in die Eurozone zu verlagern. „Wir nutzen drei Banken, die wir bereits in Kontinentaleuropa besitzen als Anker für unsere Tätigkeiten“, sagte Pinto. „Wir müssen kurzfristig hunderte von Jobs verlagern, um vom ersten Tag an einsatzbereit zu sein, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sein werden und dann schauen wir uns die langfristige Personalplanung an.“

Da JP Morgan wie die meisten US-Banken in Frankfurt eine Banklizenz besitzt, sahen viele Beobachter die Stadt lange in der Poleposition. Im April wurde allerdings bekannt, dass die Bank rund 200 Jobs nach Paris verlagern möchte. Zuletzt hat das Institut sogar wieder deutsche Sales-Experten in London angeheuert.

Morgan Stanley

Ähnlich wie Goldman Sachs hat sich auch Morgan Stanley für Frankfurt entschieden und will hierzulande ihre Beschäftigung auf 400 Mitarbeiter verdoppeln. Nach dem Brexit soll von hier aus Sales and Trading für die Eurozone erfolgen. Die US-Investmentbank hat bereits Einstellungen im Bereich Middle und Back Office vorgenommen. Die Morgan Stanley AG verfügt wie Goldman Sachs, JP Morgan und Citi über eine Banklizenz in Deutschland.

Nomura

Als eine der ersten Brexitbanken hat Nomura Anfang Juni eine Trading-Lizenz von der deutschen Finanzaufsicht erhalten. Damit wird der Standort Frankfurt zur Wertpapierhandelsplattform in Kontinentaleuropa ausgebaut. „Wir gehen davon aus, dass ein kleiner Teil der Angestellten – weniger als 100 – von London nach Frankfurt ziehen“, sagte eine Nomura-Sprecherin. Ein Teil der Stellen werde allerdings vor Ort besetzt.

Standard Chartered

Die britische Bank zählte zu den ersten Banken, die sich im Zuge des Brexits für Frankfurt als neuen Sitz innerhalb der EU entschieden und eine Banklizenz beantragt haben. Laut der Nachrichtenagentur Reuters führt Standard Chartered seit März Vorstellungsgespräche für die ersten 20 Brexitjobs in Frankfurt. Tatsächlich hat die Bank im Dezember Managing Director Michael Hellbeck nach über 20 Jahren in Asien aus Singapur nach Frankfurt geholt, um hier die Infrastruktur die Post-Brexit-Ära zu schaffen. Darüber hinaus hat die Bank im April Stephan Schrameier als neuen Head of Financial Markets Kontinentaleuropa von der Deutschen Bank abgeworben, eine Position, die im Zuge des Brexits neu geschaffen wurde. Schrameier ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch Brexitjobs im Front Office nicht unbedingt aus London heraus besetzt werden müssen.

Sumitomo

Sumitomo bemüht sich ebenfalls um eine Lizenz für ihre Kernbank sowie um eine Wertpapierlizenz für die Tochtergesellschaft SMBC Nikko Capital Markets, wie der Konzern vor einem Jahr mitteilte. Damit reagiere die Bank auf den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU, sagte Konzernchef Takeshi Kunibe. Bislang haben die Japaner ihr Europageschäft von London aus betrieben. „Der Zweck dieser Expansion ist die Steigerung der Flexibilität der Marketing- und Ausführungs-Strukturen der Sumitomo Financial Group, so dass sie weiterhin die Finanzdienstleistungen für ihre Kunden erbringen kann, ohne dass es zu Unterbrechungen aufgrund des geplanten Rückzugs Großbritanniens aus der EU kommt“, heißt es von Sumitomo. Bereits im Oktober sollen die Japaner im Main Tower Büros für bis zu 100 Leute angemietet haben.

UBS

Die UBS will bis zu 200 Jobs von London nach Frankfurt verlagern. Die Mehrheit davon dürfte allerdings auf Middle und Back Office-Jobs für die erforderliche Infrastruktur entfallen. Denn die Bank will die Front Office-Positionen über verschieden EU-Standorte verteilen. „Nach eingehender Analyse, was Ihr Feedback einschließt, haben wir uns für ein dezentrales Modell entschieden und planen unsere bestehende UBS Europe SE und ihr umfassendes Niederlassungsnetzwerk zu nutzen“, sagte UBS-Investment Banking-Chef Andrea Orcel in einem Mitarbeitermemo.

Die Schweizer haben bereits vor zwei Jahren ihre gesamten Aktivitäten in der Eurozone in der UBS Europe SE mit Sitz im Frankfurter Opernturm gebündelt. Unter den fast 1700 Mitarbeitern dieser Tochtergesellschaft waren 2016 allerdings lediglich 51 Front Office-Investmentbanker. Dagegen beschäftigt das Unternehmen rund 1000 Mitarbeiter im Wealth Management.

Unterdessen ist der Investmentbanking-Chef der UBS Europe SE Stefan Winter auch Vorsitzender des Auslandsbankenverbandes. Als solcher rechnet er damit, dass rund 20 Auslandsbanken in den kommenden zwei Jahren jeweils etwa 100 bis 200 neue Stellen schaffen, was sich auf eine Gesamtzahl von 3000 bis 5000 Stellen summiere.

VTB

Die russische Bank hat ihr Europageschäft in Frankfurt gebündelt. Obgleich die VTB nicht aus London, sondern aus Wien kommt, hat der Brexit bei der Entscheidung zugunsten von Mainhattan eine Rolle gespielt. Die VTB hat schon vor einiger Zeit Trader für den Standort angeheuert. Eine deutsche Banklizenz ist ebenfalls vorhanden.

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