Der Topjob bei Banken und Beratungen, den es ohne Brexit nicht geben würde

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Die Deutsche Bank hat ein neues Berufsbild, das sich vor zwei Jahren noch niemand vorstellen konnte: den „Brexit Programme Manager“. Zu einem solchen wurde im April Marc Griesche bei der Deutschen Bank ernannt. Vorher fungierte er als Head of Finance Deal Management, De-Risking, Doc & Monitoring im Global Transaction Banking des Konzerns. Griesche kann auf eine lange Karriere im Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank zurückblicken. 1997 begann er als Auszubildender beim damaligen Deutschen Branchenprimus, studierte nebenbei an der Frankfurter Fachhochschule und stieg sukzessive in diversen Middle Office Positionen auf. Jetzt ist Griesche für einen reibungslosen Ablauf des Brexits verantwortlich.

Big 4 ganz vorne mit dabei

Griesches Berufstitel ist zwar neu, aber keineswegs exotisch. Wenn irgendwo neuer Beratungsbedarf entsteht, sind die Big 4 sofort zur Stelle. So hat PwC bereits vor einiger Zeit mit Stephan Lutz einen „Brexit Leader Germany“ bestellt. Lutz hat Bankwirtschaft an der heutigen Frankfurt School studiert und 1999 als Analyst Corporate Finance bei Dresdner Kleinwort begonnen. 2006 wechselte er dann als Senior Consultant zur Strategieberatung und anschließend für fünf Jahre zur Deutschen Börse. Seit 2012 arbeitet Lutz in der Financial Services Practice von PwC.

„Die meisten Big 4 suchen Personal für die Brexit-Beratung“, bestätigt Headhunter Marcus Michel von der contagi Personalberatung in Frankfurt. „Die arbeiten bereits in London, Frankfurt und anderswo mit den Banken zusammen und ihre Kunden wollen, dass sie sie auch beim Brexit begleiten.“ Konkret sucht Michel Senior Consultants bis Senior Manager mit drei bis zehn Jahren Berufserfahrung. „Die müssen keine Erfahrung im Brexit mitbringen“, sagt Michel. Erforderlich seien indes Kenntnisse im Kapitalmarktgeschäft, im internationalen Banking, in Front bis Back Office-Prozessen, der Infrastruktur sowie in der Regulierung.

Brexit Manager gibt es überall

Auch die amerikanischen Banken sind bei der Erfindung des neuen Berufsprofis mit von der Partie. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hat die Bank of America Merrill Lynch Fiaz Premji zum „Brexit Program Manager“ ernannt. Fiaz steuert die Reaktion der US-Investmentbank auf den Brexit jedoch nicht von Frankfurt, sondern von London aus. Dies macht auch Sinn: Denn die Bank of America hat sich als einzige der großen US-Investmentbanken bei ihren Brexitplänen gegen Frankfurt und für Dublin entschieden. Ähnlich wie Griesche bringt Fiaz einige Erfahrung im Change Management mit und Veränderungsbedarf gibt es im europäischen Banking zuhauf. Er hat diverse Stationen in Global Markets von HSBC, Crédit Agricole, ABN Amro und JP Morgan hinter sich – zumeist im Management von Technologieprojekten.

Bei der Barclays Bank ist Britta Schlichter seit Anfang 2017 Director Brexit Response Program. Vorher war sie bei Barclaycard Head of Strategy and Business Transformation sowie Chief Operating Officer in Deutschland. Schlichter hat schon in den 80er Jahren Elektroingenieurswesen am Imperial College in London studiert und dort anschließend promoviert.

Während Trader, Sales und anderes Front Office Personal von einem Brexitstellensegen nur träumen kann, ist er offenbar im Middle und Back Office schon angekommen. Profitieren davon vor allem Führungskräfte und Projektmanager aus dem Middle und Back Office.

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