Der große Kampf der Brexitbanken mit den IT-Systemen

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Brexit

Vom Brexit profitieren vor allem die Nerds.

So mancher Finanzprofi in Frankfurt wartet sehnsüchtig auf die versprochenen Brexitjobs. Dabei stellt das Personalproblem gar nicht die Hauptsorge der betreffenden Banken dar. Denn wenn der Handel in Euro notierten Wertpapieren tatsächlich ab April 2019 in Frankfurt laufen soll, müssen diverse IT-Plattformen wie z.B. Handelssysteme hierzulande neu aufgesetzt werden. Das ist nicht nur schwierig, sondern teuer.

Personalberater Andreas Krischke von Indigo Headhunters in Frankfurt hilft u.a. Banken bei der Umsetzung ihrer Brexitpläne. Er beobachtet, dass alleine die IT-Kosten, die für eine Bafin-Lizenz erforderlich sind, mehr als ein Drittel des gesamten Brexitbudgets verschlingen können. „Wenn man dann noch die Kosten für die rechtliche Beratung von dem Budget abzieht, wird klar, dass die Kosten für Neueinstellungen von Personal gar nicht so ins Gewicht fallen.“

Es gibt zwar schon eine ganze Reihe offener Brexitjobs in Frankfurt, doch das Gros davon entfällt nicht etwa auf Trader, sondern auf Spezialisten für Regulierung, Compliance, Legal und Risikomanagement. Alles Jobs, wie sie zum Erhalt oder Ausbau einer Banklizenz erforderlich sind. Um den Aufbau zu bewältigen, haben einige Banken bereits hochrangiges Personal nach Frankfurt verlegt. So hat Goldman Sachs seit Februar mit Thomas Degn-Petersen einen neuen Head of federation in Frankfurt. „Federation“ ist Goldman Sachs-Jargon für das Middle und Back Office. Der dänische Managing Director hat zuvor das Back Office der US-Investment Bank in Indien mitaufgebaut. Die britische Bank Standard Chartered wiederum hat mit einem ähnlichen Aufgabenspektrum im Januar Managing Director Michael Hellbeck aus Singapur nach Frankfurt geholt. Hellbeck hat seit wenigstens 20 Jahren in Asien gearbeitet. Neben den Aufbau des besagten Middle Offices dürfte beiden vor allem die IT Kopfzerbrechen bereiten.

Daher erwartet Krischke, dass viele Jobs zum Aufsetzen und Betreuen der IT-Systeme geschaffen werden. Dies bestätigt Headhunter Hans Mantell von FRED Executive Search in Frankfurt, der auf die Bereiche Technology & Digital spezialisiert ist. „Für den Brexit werden vor allem Spezialisten für die Migration oder den Aufbau der erforderlichen Handels-, Kernbank- und Risikomanagement-Systeme benötigt. Neben Standardlösungen von SunGard, Calypso, Murex oder SAP betreiben die Banken aber auch zahlreiche Eigenlösungen wie etwa Autobahn von der Deutschen Bank. Durch die Verzahnung dieser Systeme in einer hoffentlich gut dokumentierten Systemlandschaft mit vielen Schnittstellen von Front-, Middle- und Backoffice steigt die Komplexität und Anfälligkeit, so dass weitere Experten für diese Systeme sowie Kollegen im Tech Risk, Cyber Security, Regulatorik und auch Legal benötigt werden.“, erzählt Mantell.

Insbesondere die Sicherheitsexperten und erfahrene Projektmanager aus diesem Umfeld seien derzeit besonders rar und gefragt. „Nicht zuletzt müssen die IT-Systeme unter den verschärften regulatorischen Vorgaben der EU nachweislich ‚immer‘ funktionieren – und genau diese stehen aktuell unter Beobachtung. All das ist kompliziert, personalintensiv und sehr teuer. Gleichzeitig werden aber auch Sales Leute und Händler benötigt. Die Aufsichtsbehörden werden dauerhaft keine Lösungen akzeptieren, in der in Frankfurt nur Junior-Händler sitzen und lediglich Geschäft zu den Seniors in London durchbuchen“, betont Mantell.

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