Das unbezahlbare Leben von Praktikanten an der Wall Street

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Praktikum an der Wall Street.

Die Praktikanten-Vergütungen fallen an der Wall Street hoch aus. Allerdings bleibt davon selten viel übrig.

Ein Praktikum in New York zitiert jeden Lebenslauf ungemein – besonders wenn der Praktikant aus Deutschland angereist ist. Doch neben der Schlacht um die begehrten Plätze und die erforderliche Arbeitserlaubnis herrscht ein wesentlich materielles Problem: die hohen Kosten. Denn nach den Recherchen des New Yorker Korrespondenten von eFinancialCareers Beecher Tuttle fallen allein die Übernachtungskosten horrend aus.

Dabei werden ebenso horrende Vergütungen bezahlt. Je nach Unternehmen und Position sind Praktikantenvergütungen – auf Jahresbasis umgerechnet – von 60.000 bis 80.000 Dollar möglich. Schon die Mitte davon bedeutet 1346 Dollar pro Woche – wahrlich keine Peanuts. Allerdings zählen die Einkommenssteuern in New York zu den höchsten in den USA. Nach Steuern sind das oft noch 924 Dollar pro Woche – je nach individuellen Faktoren. Angesichts der Mieten schmilzt dieses immer noch ansehnliche Sümmchen allerdings rasch dahin.

Laut der Website Rent Jungle beträgt die durchschnittliche Monatsmiete in New York City immer noch 3375 US-Dollar. Bei den Wall Street nahen Bezirken Midtown und Financial Disctrict sind es sogar 3800 Dollar.

„Du kannst Dir so gut wie nichts leisten“, erzählt ein ehemaliger Praktikant von Goldman Sachs, der bereits zwei Sommer in New York verbracht hat. In seinem ersten Sommer haben ein Freund und er sich gemeinsam ein Zimmer zur Untermiete in irgendeiner Dreizimmerwohnung in Soho geteilt, die sie über Craiglist gefunden haben. Sie haben gemeinsam 1800 Dollar für zwei Betten in einem vollgestellten Schlafzimmer gezahlt. Das war allerdings bereits 2011, als die Mieten noch deutlich günstiger waren.

Im Folgejahr mussten die beiden nicht nur das Zimmer, sondern auch das Bett in einer Vierzimmerwohnung teilen. Sie mussten zusammen 2200 Dollar für ein „wahres Ghetto-Apartmenthaus“ auf der Lower East Side berappen, erzählt der Ex-Praktikant, der immerhin auf Jahresbasis berechnet jeweils zwischen 60.000 und 70.000 Dollar verdiente. „Drei Zimmer für vier Kerle, die Zeiten waren hart“, lacht er heute.

Nachdem die Lebenshaltungskosten in immer schwindelerregende Höhen steigen, haben sich viele Wall-Street-Praktikanten von ihren Wohnträumen längst verabschiedet und schauen sich nach günstigeren Alternativen um. So berichtet ein Praktikum von JP Morgan, dass er einen Platz in Jersey City – in der Nähe von New York – angenommen hat, da er auf diese Weise zuhause wohnen kann. Ein anderer Praktikant von Goldman Sachs berichtet, wie er kostenlos in der Wohnung eines Freundes der Familie in Brooklyn untergekommen ist, der ein Zimmer übrighatte.

Doch wer wie ausländische Praktikanten keine Verwandtschaft oder Freunde in der Stadt hat, muss sich etwas Kreativeres einfallen lassen oder sich mit einem Bett in einem Schlafsaal begnügen. So gibt es Anbieter wie NYCIntern, die sich auf Praktikanten spezialisiert haben und ihnen für die Dauer ihres Praktikums – meist zehn Wochen – Plätze in möblierten Apartments bereitstellen. So gibt es im westlichen Finanzdistrikt eine Einzimmerwohnung, in der drei Leute in einem Raum schlafen. Hinzu kommen eine Küche und ein Bad. Etwas teuer ist ein ganz ähnliches Apartment, in dem es noch zusätzlich ein Wohnzimmer gibt. Die Kosten betragen pro Kopf und den Zeitraum von zehn Wochen 3550 und 3750 Dollar. Hinzu kommt noch eine Gebühr von 175 Dollar und eine Kaution von 50 Prozent. Selbst wenn sich vier Leute ein 40 Quadratmeter-Zimmer teilen, wird es mit 3500 Dollar kaum günstiger. Allerdings sind sämtliche Behausungen dieses Anbieters in Manhattan für diesen Sommer bereits ausgebucht.

Bei dem gleichen Anbieter in Brooklyn können Praktikanten sogar ihr eigenes Zimmer in einer Dreizimmerwohnung bekommen. Für diesen Luxus müssen sie allerdings 5500 Dollar für zehn Wochen berappen, was auf gut zwei Drittel des Verdienstes hinausläuft. Unterdessen sind bei diesem Anbieter weder Alkohol noch Besuche des anderen Geschlechts erlaubt. Und wer es genau wissen will: Selbst Schlachten mit Rasiercreme werden auf der Website ausdrücklich untersagt.

Einen Trost gibt es jedoch für angehende Praktikanten an der Wall Street: Je länger sie arbeiten, desto weniger Zeit müssen sie in einem überfüllten Apartment verbringen.

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