Nachfrage akut: Headhunter suchen Digitalisierungsprofis sogar schon an Unis

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Die Balance von Angebot und Nachfrage ist bei IT-Jobs völlig auseinandergeraten.

Normalerweise werden Headhunter erst mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung eingesetzt. Absolventen müssen sich also direkt bei Banken und anderen Finanzdienstleistern bewerben. Doch im Zeitalter der Digitalisierung gilt diese alte Regel nicht mehr unumstößlich.

„Es werden mittlerweile auch Headhunter eingesetzt, um High Potentials aus den Bereichen Data Science, Cyber Security und Digital Business an den Hochschulen zu finden“, berichtet der auf Technology & Digital spezialisierte Headhunter Hans Mantell von FRED Executive Search in Frankfurt. Im Vordergrund stehen dabei die MINT-Fächer wie Mathematik, Physik und Informatik aber auch Wirtschaftswissenschaften. „Hinzu kommen die neuen Studiengänge wie Digital Innovation & Fintech oder Digital Strategy, wo die ersten Absolventen jetzt auf den Arbeitsmarkt drängen.“

„Viele dieser Absolventen wissen gar nicht, dass Banken mehr als Schalterbetrieb sind und es bei ihnen viele interessante Tätigkeiten gibt“, erzählt Mantell. Es handle sich damit auch um eine Maßnahme des Arbeitgebermarketings. Headhunter müssten Unitalenten erst die innovativen digitalen Projekte der Banken vorstellen. „Viele sind dann ganz erstaunt, welche vielfältigen Möglichkeiten es da gibt.“

Darüber hinaus habe sich bei den Absolventen mittlerweile eine gewisse Ernüchterung gegenüber der Start-up-Szene und den Fintechs eingestellt. Dort seien die Arbeitszeiten lang und die Projekte nicht immer spannend. „Ein Tischkicker ist nicht alles“, kommentiert Mantell. Umgekehrt stelle sich der Kulturwandel zumindest in den Digitalisierungsprojekten langsam bei den Banken ein, die überdies durch bessere Bezahlung und Arbeitsplatzsicherheit gegenüber Start-ups punkten könnten.

Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ist vor allem in vier Bereichen aus dem Gleichgewicht geraten:

1. Cyber Security

Längst beschränkt sich das Online-Banking nicht mehr auf die Zahlungsabwicklung. Vielmehr finden immer anspruchsvollere Produkte wie z.B. die Kreditvergabe oder zur Vorsorge ihren Weg ins Internet. Alle diese Lösungen müssen über Schnittstellen an die Kernbankensysteme angedockt werden. Damit steigen die Sicherheitsanforderungen ständig. Von daher wundert es wenig, dass laut Mantell Nachfrage und Angebot nach Cyber Security-Spezialisten immer weiter auseinanderklaffen.

„Wir suchen gerade IT Security-Experten für Banken, aber auch für Industriekunden. Die sind sehr schwer zu finden und verkaufen sich nicht mehr unter Wert“, bestätigt Headhunter Roland Lochte von Kimberlite Consulting in Frankfurt.

Ein Zeichen für das zunehmende Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage sind die mittlerweile horrenden Tagessätze. „Da gilt die alte Regel: Die richtig guten Leute arbeiten freiberuflich“, beobachtet Lochte. Tagessätze von 1000 Euro für gute IT Security-Experten seien längst keine Seltenheit mehr. „Aber auch diese Leute sind nicht kurzfristig verfügbar. Selbst hier gibt es Vorlaufzeiten von drei bis vier Monaten.“

2. Entwickler

Entwickler sind ebenfalls seit Jahren heiß begehrt. Besonders gefragt sind Experten für Java-Lösungen. „Java-Entwickler vom Front- bis Backend sucht jeder. Da hat sich die Nachfrage noch einmal verstärkt“, versichert Mantell.

„Software-Entwickler werden in der Banken- und Beratungsbranche immer gesucht“, meint Headhunterin Stefanie Storck von TF Executives in Frankfurt. „Entwickler für verschiedene Programmiersprachen sind heiß begehrt, aktuell vor allen Dingen in PHP, JavaScript, HTML, Bootstrap und CSS. Wobei der Bedarf bei Banken auch bei klassischen Programmiersprachen wie Java anhält“

„Weiterhin besteht Bedarf bei Banken zum Thema Kernbankensoftware (CBS). Dort suchen wir einerseits Mitarbeiter die Implementierung und Rollout der Kernbankensoftware übernehmen können - sowohl in der Beratung als auch inhouse - andererseits haben wir aktuell einen Kunden, der sogar mit seiner eigenen Kernbankensoftware auf den Markt kommen wird. Diese wird auf auch Basis von Java und SQL entwickelt", erzählt Storck.

3. Data Science und Data Engineering

Banken sammeln unzählige Daten. Da liegt es nahe, diese zu nutzen, um Kunden maßgeschneiderte Produkte anzubieten. Dabei stellen Marketing und Vertrieb nur eine Einsatzmöglichkeit für Experten für die Sammlung und Auswertung von Daten dar. Als Data Engineers werden Fachkräfte bezeichnet, die für Infrastruktur, Datenbanken und die technische Verarbeitung großer Datenmengen verantwortlich sind. Data Scientist wiederum entwickeln z.B. Algorithmen und statistische Modelle zur Prognostik, um die große Menge der Daten auszuwerten und in einem konkreten Business Case zu nutzen.

Auch hier herrscht ein dramatisches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, weshalb Finanzdienstleister verstärkt auf externes Personal und einschlägige Beratungen zurückgreifen. Mantell schätzt den Anteil an Externen auf 60 bis 70 Prozent. Laut dem Headhunter machen die Finanzdienstleister aber einen Lernprozess durch. „Mittlerweile sind sie immer häufiger bereit, englischsprachiges Personal namentlich aus Osteuropa einzustellen“, erzählt Mantell.

4. Architekten und Projektmanager

Neben der „digitalen Transformation“ stellt „agile Entwicklung“ das zweite Schlagwort der modernen IT-Landschaft dar. Längst sind die Zeiten passé, als einmal die Anforderungen an Softwarelösungen formuliert, dann umgesetzt und später nie mehr angerührt wurden.

Heute liegt der Fokus auf einer flexiblen „agilen“ Entwicklung in diversen kleinen Schritten, um die Systeme zu konsolidieren und in eine moderne (Microservice-) Architektur zu überführen. Dazu werden natürlich Experten benötigt, die die erforderlichen Konzepte und Strategien auf- und umsetzen. „Bis zu DevOps ist es meist noch ein langer Weg, aber durch Kooperationen mit innovativen Unternehmen haben sich schon gute Lösungen durchgesetzt, die nicht nur auf „Eye-Candy“ im Frontend setzen“, erläutert Mantell.

Heiß begehrt seien natürlich auch Projektmanager, die praktische Erfahrungen in der agilen Entwicklung oder digitalen Transformation gesammelt haben. „Dabei geht es auch um einen Wandel der Unternehmenskultur. Mittlerweile gibt es sogar ‚Agile Coaches‘ und ‚Agile Evangelists“, berichtet Mantell.

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