GASTBEITRAG: Als ich im Banking anfing, war ich keine nette Person

eFC logo
Arrogant young banker

Finance stellt schon ein sehr schmutziges Spiel dar. Ellenbogen werden beherzt eingesetzt. Stets liegen Messer griffbereit, um sie in die Rücken von Kollegen und Vorgesetzten zu rammen. Sensiblere Geister werden einfach plattgewalzt. Jeder in der Branche Beschäftigte weiß, worüber ich spreche. Und es wird auch nicht leichter, wenn man die Karriereleiter hinaufklettert. Eigentlich geht es an der Spitze noch rauer zu. Je höher Sie klettern, desto wichtiger wird die Politik neben der harten Arbeit.

Junge Menschen, die ins Banking einsteigen, werden rasch von dieser Kultur überwältigt. Wer bei einer führenden Bank anfängt, fühlt sich oft als Herr des Universums – schließlich haben sich bis zu 500 Leute um ihren Job beworben. Sie halten sich also für etwas Besonderes. Sie glauben, Sie könnten sich alles leisten und die Welt würde Ihnen zu Füßen liegen. Dieses Gefühl wächst mit dem Aufstieg.

Bei mir spitzte sich die Angelegenheit zu, als ich zum Vice President befördert wurde. Wenig bekannt ist, dass es sich beim Vice President (VP) um eine der politischsten Rollen im Banking handelt: Sie müssen all die Juniors unter Ihnen managen und gleichzeitig alle Forderungen der Managing Directors über Ihnen erfüllen. Das kann schon schwerfallen. Rasch unterlaufen Ihnen Fehler. In meiner VP-Zeit begannen die Probleme.

Von politischen Spielchen hatte ich keine Ahnung. Nachdem ich einige Jahre dachte, ich sei etwas Besonderes, besaß ich ein ausgewachsenes Ego. Ich sprang also ins kalte Wasser, begann mich auf eine Seite zu schlagen, meine Meinung zu äußern und die Macht an mich zu reißen, wo immer mir das möglich erschien. Ich habe mich nicht darum geschert, in dem Großunternehmen Freunde und Alliierte zu finden. Wozu brauchte ich auch Verbündete, wenn meine Strategie aufzugehen schien? Ich wurde befördert und meine Karriere kam voran. Ich war selbstzufrieden.

Und plötzlich begann alles schiefzulaufen. Langsam bekamen die Leute mit, was ich hinter ihrem Rücken über sie sagte. Die Partner, die mich unterstützten, gingen und ließen mich schutzlos zurück. Der MD, über den ich mich abfällig geäußert hatte, stellte mich zur Rede. Die Sache eskalierte, als meine abfälligen Bemerkungen für alle offensichtlich wurden. Mir begann die Kontrolle zu entgleiten. Es war als ob ich in einen Schneesturm geraten wäre und mir das Auto zu entgleiten drohte. Ich versuchte verzweifelt das Lenkrad herumzureißen und meine abfälligen Bemerkungen ungeschehen zu machen. Doch das Auto entglitt mir nur umso schneller und es kam zur Kollision.

Ich hatte einen veritablen „CLM“ begangen – einen „career limiting move“. Dieser darf jedoch nicht mit einem „CYA“ verwechselt werden, dem „cover your ass“. Vielmehr hatte ich meinen Hintern völlig ungeschützt gelassen und plötzlich war er der Kälte ausgesetzt. Nach langen Jahren als ich mich für etwas Besseres gehalten hatte, wurde ich plötzlich mit der Realität konfrontiert. Obgleich es mir schlecht erging, hat dies mir doch eine wichtige Lektion erteilt.

Mein Hauptfehler war: Wer im Banking arbeitet, muss sein Ego in Zaum halten. Sich in der Politik zu verstricken, bringt einen nirgendwohin. Wenn Sie vorankommen wollen, müssen Sie sauber bleiben. Ziehen Sie also Ihren Kopf ein und verdienen Sie Geld. Wer Freunde gewinnt, wird auch schneller Geld verdienen. Daher sollten Sie sich immer positiv über Ihre Kollegen äußern. Sie wollen, dass die Leute zu Ihnen aufschauen. Und Sie wollen stolz auf sich sein.

Damit will ich nicht sagen, dass Sie sich nicht um die gesamten politischen Spielchen scheren sollten. Vielmehr sollten Sie sich nur aus den negativen Aspekten heraushalten. Hören Sie also mit der schlechten Nachrede auf. Damit fühlen Sie sich zwar nicht mehr wie ein cooler Typ, als Herr des Universums, aber mit dem Heraushalten aus der Politik behalten Sie die Kontrolle über Ihr Leben und Karriere anstatt mit 100 Stundenkilometern von der Straße abzubekommen. Ich weiß wovon ich spreche, ich musste meine Lektion auf die harte Tour lernen.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close
Loading...