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GASTBEITRAG: Niemand sollte zu einem Hedgefonds wegen des Geldes wechseln

buy-side pay

Endlich haben Sie es auf die Buy-Side geschafft. Sie konnten jemanden davon überzeugen, mit dem richtigen Kapital zu arbeiten. Ab jetzt lautet die Frage: Sollten Sie sich einen orangenen oder weißen Lamborghini zulegen.

Wie so viele andere, war ich einst naiv. Ich erinnere mich, wie aufgeregt ich war, als ich meinen ersten Job auf der Buy-Side erhielt. Ich dachte ernsthaft: Mein größten Probleme bestehe fortan darin, wie ich mein ganzes Geld ausgeben sollte. Und falls Sie mit dem Portfoliomanager gesprochen hätten, der mich eingestellt hatte, dann hätten sie ähnlich gedacht. Daher erzähle ich Ihnen, was Sie erst erfahren, nachdem Sie eingestellt worden sind.

Assets und Performance liegen immer unter den Erwartungen

Als ich anfing, wurde mir erzählt, mein Team würde Assets im Wert von 2 Mrd. Dollar verwalten und eine Performance von 5 Prozent erzielen. Das klang großartig für mich. Denn bei 2 Mrd. Dollar belaufen sich 5 Prozent auf immerhin 100 Mio. Dollar! Mir war allerdings unklar, welches mein Anteil an dem Geldsegen sein würde. Doch wenn ich nur 1 Prozent abbekäme, wären das schon 1 Mio. Dollar. Das würde mir genügen!

Vorher sollten Sie allerdings fragen: Wie konstant das Team 2 Mrd. Dollar verwaltet und wie konstant die Performance 5 Prozent beträgt? Meiner Erfahrung nach verwalten die Teams meist deutlich weniger als das allozierte Kapital. Denn sobald sie einen erfolgreichen Trade beenden, gibt es immer weniger Trades, die diesen ersetzen. 5 Prozent lassen sich mit einem Long-Only-Fonds leicht erzielen. Doch wenn Sie eine Strategie verfolgen, bei der nur ein geringes Volumen marktneutral investiert wird, dann fällt das schon deutlich schwerer.

Gebühren über Gebühren

Die Leute glauben, Banken würden die Leute zu Millionären und Hedgefonds sie sogar zu Milliardären machen. Dazu müssen Sie allerdings wissen: Sie gehören nicht dazu. Hedgefonds sind keine Wohltätigkeitseinrichtungen. Sie bezahlen die Gehälter von Ihnen  und Ihrem Team nicht aus Gefälligkeit. Die Trades sind auch nicht kostenlos; ebenso wenig sind es Kapital oder die hohen Reisekosten, um die Management-Teams zu treffen. All diese Kosten gehen von ihren Gewinnen ab. Plötzlich ist aus dem großen ein kleiner Gewinn geworden. Das hängt zwar vom jeweiligen Unternehmen ab, dennoch geht realistischerweise 1 Prozentpunkt allein für Gebühren drauf.

Risikoausgleich

Bevor ich angefangen habe, hat mir niemand vom Risikoausgleich erzählt. Angenommen Sie schaffen es zu einem Hedgefonds, dann stehen die Chancen gut, dass Sie in einem Team arbeiten, welches mehr als einen Sektor abdeckt. Falls aber einer der anderen Sektoren Geld verliert, dann kann das rasch Ihre sämtlichen Gewinne ausradieren. Plötzlich beläuft sich der Gewinn Ihres Teams auf 0 Prozent. Sie haben zwar erstklassige Arbeit geleistet, aber bei einem Gewinn von 0 Prozent bleibt wenig für Mitarbeiter übrig. Das gilt nicht nur für Ihr Team. Falls Ihr Team ein großartiges Jahr hatte, aber Ihr Unternehmen nicht, dann bleibt womöglich ebenfalls kein Geld für Sie übrig. Sie müssen also nicht nur Geld verdienen, was schon allein keinen Zuckerschlecken darstellt, Sie müssen auch noch in demselben Jahr wie Ihr Team und Ihr Unternehmen Geld verdienen, wenn Sie anständig bezahlt werden wollen.

Zuordnung

Über die Buy-Sie müssen Sie zwei Tatsachen wissen: 1) Jeder hält sich für einen besseren Investor als er wirklich ist. 2) Jeder ist gierig. Wenn Sie auf der Buy-Sie anfangen, dann rechnet sich Ihr Portfoliomanager ganz genau aus, welchen Wert Sie zum Team beisteuern. Was heißt das für den Trade, mit dem im vergangenen Jahr ein Haufen Geld verdient wurde? Ihr Portfoliomanager hat darüber nachgedacht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es sein Verdienst war. Sie haben einfach nur die Modelle gerechnet. Portfoliomanager tendieren dazu, Ihnen so wenig wie möglich zu zahlen, ohne dass Sie das Unternehmen verlassen. Auch wenn Sie viele Jahre auf der Buy-Side gearbeitet haben, werden Sie niemals mit ihrem Verdienst zufrieden sein, allerdings werden Sie auch nicht verarmen. Bis Sie Ihren Lamborghini bekommen.

Der Blogg Margin of Saving wurde von einem Analysten eines milliardenschweren Hedgefonds geschaffen, um anderen Leuten beim Investieren und Sparen zu helfen.

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