Die Boni sind heraus: Große Enttäuschung bei der Deutschen Bank

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Deutsche Bank bonuses

Nach einer Nullrunde im vergangenen Jahr zahlt die Deutsche Bank für 2017 wieder Boni. Doch nachdem die Mitarbeiter am gestrigen Mittwoch (7. März) die Höhe ihrer variablen Vergütung erfahren haben, scheint Enttäuschung vorzuherrschen. Allerdings beruht diese Einschätzung auf einer sehr kleinen Stichprobe.

„Auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich die 1 wählen, falls nicht sogar eine 0“, erzählt ein Vice President und Fixed Income-Trader. „Ich befinde mich im negativen Bereich“, meint ein anderer Associate und Fixed Income Trader. „Ich bin ziemlich enttäuscht“, bekräftigt ein Vice President und Trader von Aktienderivaten. „Ich würde die 5 wählen – also durchschnittlich, aber nicht gut. Der Bonus liegt weder über meinen Erwartungen, noch liegt er bei 0.“

Die Enttäuschung im Handel stellt allerdings auch eine Folge des bescheidenen Abschneidens 2017 dar. Die Performance ließ sowohl im Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) als auch im Aktiengeschäft zu wünschen übrig. Falls die Finanzierungserträge hineingerechnet werden, um die Ergebnisse mit denen der Konkurrenz vergleichbar zu machen, dann seien die Erträge im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um die Hälfte eingebrochen. Im gleichen Zeitraum seien die Aktienerträge um rund ein Viertel gepurzelt. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls die Analysten von KBW.

Abgesehen von den bescheidenen Ergebnissen ließ wohl auch das Erwartungsmanagement der Bank zu wünschen übrig. So hat die Bank mehrfach betont, für 2017 wieder zu den normalen Verhältnissen zurückzukehren. Laut einem Mitarbeiter aus Equities Sales habe der neue Head of Global Equities Peter Selman Hoffnungen genährt, dass die Mitarbeiter für die beiden mageren Vorjahre entschädigt würden. „Der allgemeine Eindruck ist, dass wir angelogen wurden. Das Vertrauen ist beschädigt. Es handelt sich um einen Gnadenstoß“, sagt er. Die Fixed Income Trader hätten zumindest erwartet, für den ausgefallenen Bonus im Vorjahr entschädigt zu werden. „Ich wurde auf Marktniveau bezahlt“, klagt einer. Dagegen sagt ein Strukturierer: „Die Stimmung im Handelssaal ist gut“. Ein junger Credit Trader berichtet sogar von „positiver“ Stimmung.

Die Enttäuschung im Handelsgeschäft scheint durch ausbleibende Gehaltserhöhungen verschärft zu werden. „Sie haben die Grundgehälter nicht wirklich angehoben und die Leute sind ein wenig frustriert“, klagt ein anderer Trader. „Jedes Jahr erzählen sie uns die gleiche Geschichte, dass wir befördert werden und unsere Gesamtvergütung steigen werde. Es passiert aber nichts.“

Während sich die Trader beklagen, scheint die Stimmung in der Investment Banking Division besser zu sein, also im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A), Anleiheemissionen (DCM) und Aktienemissionen (ECM). „Der Bonus ist besser als erwartet ausgefallen, wir sind wieder bei normalen Verhältnissen“, erzählt ein Vice President aus M&A. Er beziffert seine Zufriedenheit mit „einer neun oder einer acht.“ Ein Vice President aus DCM gibt seine Zufriedenheit sogar mit einer 10 an; ein anderer Analyst mit 7. „Und dies entspricht den meisten jüngeren Mitarbeitern in Corporate Finance.“

Unterdessen hat sich die Deutsche Bank kürzlich von einigen Führungskräften im M&A-Geschäft getrennt. Nachdem die Bank einige Managing Directors und Directors vor die Tür gesetzt hat, dürfte mehr Geld für die Mitarbeiter auf den niedrigeren Karrierestufen übrig bleiben.

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