☰ Menu eFinancialCareers

Jeden Tag erhalte ich E-Mails von Bankern, die zu Fintechs gewechselt sind und zurück wollen

Fintech

Vielleicht ergeht das nur mir so, aber ich erhalte täglich etwa fünf E-Mails von Finanzprofis, die zu Fintechs gewechselt sind und zurückwollen.

Was kann ich dazu sagen? Es handelt sich um Leute, denen das Banking zu hart war. Es ist zweifelsohne ein harter Job. Wenn Sie in einem derart fordernden Beruf wie im Investment Banking arbeiten, dann verfällt man schnell den Verlockungen von z.B. Fintechs, eben jenen Dingen, die zu schön klingen, um wahr zu sein.

Doch worum handelt es sich bei Fintechs überhaupt? Eigentlich nur um die Verbindung von zwei Wörtern. So ließen sich Plastik und Finance zu Plasfin verbinden. Wie aufregend wäre so etwas?

Der Haken dabei: Wenn wir heutzutage irgendetwas mit IT, neudeutsch Tech, kombinieren, dann klingt das verführerisch. So ist es mit AdTech, FinTech, EdTech, RegTech, InsurTech… Die Liste ließe sich fortsetzen.

Aber was stellt Fintech wirklich dar? Es handelt sich bloß um den Einsatz von IT, um Probleme aus der Finanzwelt zu lösen. Wie lässt sich Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, die sich an Kunden in den Finanzdienstleistungen verkaufen lassen? Und anschließend: Wie lassen sich diese Produkte und Dienstleistungen tatsächlich gewinnbringend verkaufen? Sie versuchen etwas Geld zu machen – was aber nur mit Glück gelingt.

Erstens: Da man schnell von der Erstellung von Excel-Tabellen und Verkaufspräsentationen genug hat, verfällt man leicht der vermeintlich magischen Welt des Fintech, in der sich auf wundersame Weise Millionen von Dollar verdienen lassen.

Doch leider entspricht dies nicht im Entferntesten der Realität. Wenn Sie in Fintech arbeiten oder ihre eigene Fintech-Firma gründen wollen, dann müssen Sie erst einmal ein Problem in den Finanzdienstleistungen finden, welches Sie lösen können. Wollen Sie vielleicht ein Instrument zum besseren Porftoliomanagement entwickeln, eine bessere Lösung zur Erstellung von Präsentationen oder den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei Excel-Tabellen? Falls das für Sie cool klingt und Sie eine Idee für eine bessere Lösung haben, dann kann der Wechsel die goldrichtige Wahl darstellen. Allerdings sollten Sie nicht wechseln, ohne zu wissen, welches Problem und wieso Sie lösen können.

Zweitens sollten Sie bei der Entwicklung eines neuen Produkts vorsichtig sein. Denn eine solche Entwicklung kostet Zeit und selbst erstklassige Produkte verkaufen sich nicht von selbst. An diesem Punkt scheitern die meisten Fintechs. Sie lösen ein wichtiges Produkt mit einem großartigen Produkt, aber sie können es nicht verkaufen. Selbst wenn Sie nur von einer drittklassigen Bank anrufen, kommen Sie sehr viel schneller zu einem Meeting, als wenn Sie von einem gerade einmal ein Jahr bestehenden Fintech anklingeln.

Also lassen Sie uns zu meinem E-Mail-Eingang zurückkommen. Normalerweise erhalte ich diese E-Mails, nachdem jemand anderthalb bis zwei Jahre in einem Fintech verbracht und es satt hat, von seinen Ersparnissen zu leben, kein Geld hereinzubekommen und keine Reaktion von potenziellen Kunden zu erhalten.

An diesem Punkt beginnen die Leute, ihre PowerPoint-Sitzungen zu vermissen. Ich bestreite nicht, dass man in Fintech sehr erfolgreich sein kann, allerdings dauert das lange. Wer die Reise wagt, dem wünsche ich viel Glück.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier