Brexit kommt langsam in Frankfurt an: US-Banken schreiben reihenweise Jobs aus

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Brexit

JP Morgan versucht Talente mit Würsten nach Frankfurt zu locken.

Auf den Karriereseiten der US-Banken in Frankfurt wimmelt es nur so von Jobs. So hat Morgan Stanley 19 Positionen, JP Morgan 15, Goldman Sachs neun und Citi sieben Jobs ausgeschrieben – ohne Praktika und Studentenjobs. Nur bei der Bank of America gibt es keine Vakanzen. Es handelt sich aber auch um die einzige der großen US-Banken, die sich für Dublin und gegen Frankfurt entschieden hat. Die Mehrheit dieser Vakanzen befindet sich im Middle Office. Es handelt sich zumeist um Jobs in Regulatorik, Compliance und Legal.

US-Banken müssen ihr Middle Office für den Brexit ausbauen

Die Pointe dabei: „Es handelt sich genau um diejenigen Jobs, die Sie brauchen, um ihr Geschäft in Frankfurt infolge des Brexits auszubauen“, sagt Martin Hellmich, Prof. an der Frankfurt School for Finance & Management. Die Banken müssten sicherstellen, dass es genügend Personal im Risikomanagement bzw. Risikocontrolling, in Internal Audit und in der Compliance gibt, um nach einem Brexit mit einem größeren Front Office einen ordnungsgemäßen Betrieb sicherzustellen.

„Dabei gilt das Proportionalitätsprinzip“, sagt Hellmich. „Wenn Sie also mehr Geschäft nach Frankfurt bringen, dann müssen Sie auch mehr Stellen im Middle und Back Office schaffen.“ Zwar könnten die Banken entsprechende Aufgaben an andere Konzerngesellschaften z.B. in London auslagern, allerdings sei dies mit hohen regulatorischen Hürden verbunden, was es unattraktiv mache.

Hellmich geht jedoch nicht davon aus, dass der Brexit der einzige Grund für den Stellensegen ist. „Der Trend zu einer schärferen Regulierung ist noch nicht vorbei“, kommentiert Hellmich. Von daher müssten die Banken unabhängig vom Brexit ihre Stellen im Regulierungsumfeld ausbauen. Als Beispiel nennt er die Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Demnach müssen die Banken Daten des Risikomanagements zunehmend elektronisch zur Verfügung stellen, was für mehr IT-Jobs sorgen dürfte.

Ausschreibungen zeugen von ersten Brexitjobs

Dabei scheuen die Banken das Wort Brexit bei ihren Einstellungsplänen wie der Teufel das Weihwasser. Doch so ganz können sie ihre Pläne nicht verhehlen. So sucht beispielsweise JP Morgan einen „Regulatory Reporting Associate“. Seine Kernaufgabe: „Die Unterstützung des Head of Reg[ularoy] Reporting in den oben genannten, mit dem Brexit vebundenen Aufgaben.“ Dabei geht es vor allem um das Reporting rund um Kapitalausstattung und Liquidität der JP Morgan (Deutschland) AG. Daneben werden ein „Legal Entity Controller“, ein „Regulatory Reporting Associate“, ein „Audit Manager“ und ein „Legal Entity Risk Vice President“ gesucht.

Kein Einzelfall: Goldman Sachs wiederum sucht einen „Regulatory Controller“, einen „Regulatory Affairs Analyst“ und einen „Operational Risk Vice President FICC“. Besonders der letztgenannte Job dürfte einen Brexitbezug haben. Denn unter FICC wird der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen verstanden, der bei Goldman Sachs bislang in London angesiedelt ist, während von Deutschland aus vor allem das Advisory-Geschäft wie M&A, Aktien- und Anleiheemissionen betrieben wird.

Bei Morgan Stanley wiederum wird ebenfalls kräftig im Risikomanagement eingestellt. In Frankfurt sind nicht weniger als sechs Vakanzen im Risikomanagement offen, die Hälfte davon auf dem Niveau eines Executive Directors.

Banken buchen immer mehr Plätze an internationalen Schulen in Frankfurt

All dies spricht dafür, dass die Zeiten näher rücken, in denen die US-Banken auch Front Office-Jobs von der Themse an den Main verlagern. Die meisten Beobachter erwarten, dass die ersten Front Office-Jobs im Sommer von der Themse an den Main umzuziehen. Laut Schuldirector Peter Ferres haben sich Investmentbanken bereits reihenweise Schulplätze für die Brexit-Kinder an seiner Metropolitan School gesichert. Ähnliche Buchungen hat die Deutsche Bank laut dem Branchenfachblatt Financial News bei anderen internationalen Schulen getätigt.

JP Morgan versucht Talente mit Würsten nach Frankfurt zu locken

Die Vorbereitungen für den Brexit treiben zuweilen recht sonderbare Blüten. So preist JP Morgan den Standort Frankfurt neuerdings auf ihrer Karrierewebsite als „The financial heart of Europe“ an. Konkret lobt die US-Bank den Lebensstil, die Internationalität und – man höre und staune – die kulinarischen Vorzüge Frankfurts:

„Deutschland ist berühmt für seine Würste. Frankfurter Würste werden mit Senf in einem Brötchen serviert. Es handelt sich um eine traditionelle Delikatesse, die so beliebt ist, dass ein Gesetz aus dem Jahr 1860 vorschreibt, dass nur Würste, die in Frankfurt hergestellt wurden, Frankfurter genannt werden dürfen.“

Vielleicht sollte JP Morgan auch noch einen deutschsprachigen Webdesigner anheuern. Denn das Foto zeigt „Lucanicae“, die mit Pinienkernen, Pfefferkörnern, frischen Kräutern und Liebstöckel gewürzt sind. Ziemlich peinlich, weiß doch jeder Wurstgourmet, dass „Lucanicae“ aus Süditalien stammen.

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