GASTBEITRAG: Fünf Tipps, wie Zen gestressten Investmentbankern hilft

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She's reached the end of her rope!

Investment Banking ist nichts für Leute mit schwachen Nerven. Vielmehr stellt dieser Sektor geradezu ein Biotop für Stress dar. Enge Deadlines, aggressive Vertriebsziele und ein wettbewerbsintensives Arbeitsumfeld – all das hat wenig mit der buddhistischen Meditationslehre des Zen gemein.

Doch Stress hat auch seine guten Seiten. Seit Jahren versuchen Banken die Belastbarkeit ihrer Mitarbeiter zu steigern. Denn wer mit Stress besser umgehen kann, ist für die wechselnden Herausforderungen des Lebens besser gerüstet.

Natürlich gibt es auch gewaltige Nachteile. Während meiner 14 Jahre im Investmentbanking habe ich die Auswirkungen des Stress selbst miterlebt: ein geschwächtes Immunsystem, hoher Blutdruck, Müdigkeit, Depressionen und Herzkrankheiten.

Doch ein Übermaß an Stress bedroht nicht allein Ihre Gesundheit, sondern auch Ihre Karriere. Es beeinträchtigt Ihre Denkleistung und fördert Ängste. Damit machen Sie sich weder bei Kunden, Kollegen noch Managern beliebt. Niemand möchte den Eindruck hinterlassen, er komme mit der Lage nicht zurecht.

Nachdem ich mich vom Investmentbanking verabschiedet habe, betreibe ich ein Unternehmen, welches Stärke und Selbstbewusstsein in Konfliktsituationen trainiert. Dabei habe ich eine Menge von Tricks kennengelernt, die die Stressbewältigung bei der Arbeit fördern. Ein Teil meiner Aufgabe besteht darin, jungen Berufstätigen zu zeigen, wie sie mit Stress umgehen. Ihnen bringe ich Folgendes bei:

Sorgen Sie für einen klaren Kopf und starten Sie Ihren Geist neu

Nehmen Sie sich eine Minute Zeit, um sich auf Ihren Körper zu konzentrieren. Wählen Sie irgendeinen Körperteil – gleich ob Ellenbogen, Knie oder was auch immer – und konzentrieren Sie sich voll darauf und denken Sie an nichts anderes. Manchem hilft es, dabei seine Augen zu schließen. Denken sie also nur an diesen Körperteil. Dies zwingt Ihren Geist dazu, alles andere auszuschließen und sich zu besinnen. Dieser Prozess stellt gewissermaßen einen Neustart für Ihren Geist dar. Dies fällt außerhalb der neugierigen Blicken eines Großraumbüros meist leichter. Toilettenkabinen haben sich hierfür bewährt. Denn dort herrscht Privatsphäre und sie ziehen dort keine Aufmerksamkeit der Kollegen auf sich.

Vermenschlichen Sie Ihren bellenden Boss

Von einem brüllenden Managing Director, der mir Aufträge erteilt oder mich wegen unerledigter Aufträge triezt, habe ich gelernt, dass man ihn vermenschlichen muss.

Versuchen Sie zu verstehen, wieso bei ihm eine Sicherung durchgebrannt ist. Fallen die Kommissionen? Stehen Kündigungen an? Stürzt sein Computer ständig ab? Oder hat er private Probleme? Psychologisch gesehen sollten Sie die Vogelperspektive einnehmen. Versuchen Sie einen höheren Ort einzunehmen und sich einen breiteren und objektiveren Überblick zu verschaffen. Dies hilft dabei, nicht zu emotional zu werden und rational zu denken.

Versuchen Sie eine überlegene Position einzunehmen

Dann gibt es da noch die „Parent-Adult-Child“-Perspektive. Wenn jemand einen anderen anschnauzt, dann hört sich das manchmal an, als ob ein Elternteil sein Kind schilt oder ermahnt. Es kann aber auch die Form eines Wutanfalls oder der Bockigkeit eines Kindes annehmen.

In einer solchen Situation neigen viele Leute dazu sich ähnlich zu benehmen. Auf dieses Spiel sollten Sie sich nicht einlassen. Das führt rasch zu Zerwürfnissen oder Streit, was wiederum zu einem Karriereselbstmord ausarten kann.

Die Lösung besteht darin, das Gespräch wieder auf Erwachsenenniveau zu heben. Bewahren Sie also Ruhe, versuchen Sie das Problem ruhig und unparteiisch anzugehen. Dann bleibt Ihrem Managing Director nichts anderes übrig, als auf dem gleichen Niveau zu antworten.

Verkneifen Sie sich Ihre Frustration nicht

Unsere Frustrationen an Untergebenen auszulassen, fällt besonders leicht, da dies weniger Konsequenzen nach sich zieht. Und abermals liegt der Grund für den Ausfall nicht in der Person, die ihn empfängt.

Sich schuldig zu fühlen und einen solchen Ausfall zu bedauern, fällt leicht. Wichtig ist jedoch, nicht ins Grübeln zu verfallen oder die Situation ungeklärt zu lassen. Vielmehr sollten Sie sich bei der erstbesten Gelegenheit entschuldigen. Dadurch erscheinen Sie womöglich sogar als großmütig, besonders wenn die Entschuldigung öffentlich erfolgt. Fassen Sie sich kurz, aber machen Sie klar, wofür Sie sich entschuldigen. Eine rechtzeitige Entschuldigung ist meist höchst effizient. Dies hilft Ihnen auch dabei, den Disput einzugrenzen, ihn zu beenden und weiterzumachen.

Suhlen Sie sich nicht in Misserfolgen

Ist ein Deal geplatzt? Entwickelt sich Ihre Aktienempfehlung in die entgegengesetzte Richtung? In einem solchen Misserfolg sollten Sie sich nicht suhlen. Vielmehr sollten Sie den Tag wieder optimistisch beginnen. Dies kann geschehen, indem Sie an etwas Aufmunterndes oder Schönes denken.

Dabei kann es sich um eine persönliche Erinnerung handeln wie ein Gedicht, eine Erinnerung oder eine Fotografie. Doch es kann sich auch um etwas aus Ihrem Arbeitsleben handeln wie z.B. eine gute Leistung. Es geht lediglich darum, negative durch positive Gedanken zu ersetzen.

Entscheidend ist weiterhin die Erkenntnis, dass so etwas jedem einmal passiert. Es gibt immer gute und schlechte Tage. Einen neuen Tag frisch zu beginnen, ermöglicht Ihnen, Ihr Gleichgewicht wiederzufinden und die guten Tage wiederbeginnen zu lassen. Letztlich geht es darum, ihren Stress zu managen und dies zu einem selbstverlängernden Prozess werden zu lassen. Damit sinkt auch Ihre Wahrscheinlichkeit in Stress zu geraten, was wiederum Ihr Selbstvertrauen stärkt. Dies stellt das Fundament einer erfolgreichen Karriere dar.

Heidy Rehman hat 14 Jahre lang als Aktienanalystin bei der Citigroup gearbeitet. Heute betreibt sie ein ethisches und feministisches Bekleidungsunternehmen namens Rose & Willard.

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