INTERVIEW mit PwC-Vorstand: Digitalisierung wird uns dramatisch verändern

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Digitalisierung

Als Organisationsvorstand ist Harald Kayser bei PwC Europe für die Digitalisierung zuständig.

Harald Kayser ist bei PwC Chief Operating Officer Europa und Chief Digital Officer Deutschland. In einem Interview erläutert der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, wie die Digitalisierung das Geschäft von PwC verändern wird, welche Auswirkungen das auf die Beschäftigung hat und welches die Profile der Zukunft sein werden.

Sie haben die Digitalisierung Ihres Geschäftsmodells angekündigt. Was bedeutet das?

Im Rahmen der Digitalisierung unterscheiden wir drei Bereiche: Wir helfen unseren Mandanten bei ihrer Digitalisierung. Zweitens verändert die Digitalisierung, wie wir unsere Dienstleistungen bei unseren Kunden platzieren. Drittens wollen wir unsere eigenen Prozesse digitalisieren. In unseren Kernbereichen Jahresabschlussprüfung und Steuerberatung gibt es immer noch viele Arbeitsschritte, die manuell erfolgen.

Können Sie ein paar Beispiele nennen, wie Sie Ihre eigenen Prozesse automatisieren wollen?

In der Wirtschaftsprüfung haben wir früher beim Mandanten in einem Interview aufgenommen, welche Kontrollen dort vorhanden sind und haben das stichprobenartig getestet und daraus unsere Schlüsse gezogen. Dagegen gibt es heute im SAP-Umfeld Analysesoftware, die diese Prozessschritte aus den Belegflüssen im System automatisch erkennt und visualisiert, die dann auch sämtliche Kontrollen aufnimmt und diese Kontrollen vollautomatisiert testet. Damit sind Interviews und Strichproben heute nicht länger nötig.

Wir haben auch vielfältige Analysetools zu Anomalien oder unstrukturierten Daten im Einsatz. Beispielsweise enthalten Leasingverträge immer eine Vielzahl von Informationen, deren Bilanzierung uns oft vor große Herausforderungen stellt. Mittlerweile besitzen wir ein Tool, das mit Hilfe von Machine Learning die notwendigen Informationen aus den Verträgen sammelt und zu eigenen Schlussfolgerungen kommt.

Im Steuerbereich geht es um die Problematik: Wie bekommen wir die Mandantendaten, die zum Teil unstrukturiert sind, in unser System, was machen wir mit den Daten, welche Algorithmen setzen wir zur Datenaufbereitung ein und wie erstellen wir dann daraus die Steuererklärung.

Als Karriereportal interessiert uns natürlich besonders, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf Beschäftigung und Profile hat. Wird PwC künftig mit weniger Personal auskommen?

Die Frage treibt uns extrem um. Fest steht, dass die Digitalisierung die Art und Weise, wie wir unsere Leistungen erbringen – besonders in den klassischen Geschäftsfeldern Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung – dramatisch verändern wird.

Mit weniger Personal werden wir nicht auskommen, die Arbeit wird sich aber umverteilen. Künftig werden wir im Kerngeschäft weniger Mitarbeiter beschäftigen und auch mit anderen Profilen. Selbstverständlich werden wir auch künftig Absolventen der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften einstellen, wir sind aber vermehrt auch auf der Suche nach Absolventen aus den sogenannten MINT-Fächern. Im Geschäftsjahr 2017/18 sollen 550 von insgesamt 1300 Absolventen aus diesen Fächern stammen.

Daneben stellt sich uns die Frage, wie bilden wir auch unsere bestehenden Spezialisten fort, um sie in den neuen Technikbereichen einzusetzen. Das fachliche Know-how wird auch zukünftig gebraucht. Ein MINT-Absolvent ist kein Experte in Steuern und Wirtschaftsprüfung. Beide Seiten müssen sich Hand in Hand weiterentwickeln.

Neben den zertifizierten Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern beschäftigen Sie in beiden Bereichen auch viele junge Leute, die diese Qualifikationen noch nicht haben, aber viele der noch manuellen Arbeitsschritte erledigen. Wird es künftig weniger davon geben?

Bei den absoluten Fachkräften wie Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern benötigen wir künftig nicht weniger. Bislang war es Teil unseres Ausbildungskonzeptes, junge Talente zu Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern auszubilden. Viele sind diesen Weg nicht bis zum Ende mitgegangen. Jetzt stellt sich für uns eine neue Herausforderung: Wenn wir künftig weniger Juniors benötigen, wie halten wir dennoch die Anzahl der absoluten Spezialisten auf heutigem Niveau? An diese neuen Anforderungen müssen wir unser Karrieremodel anpassen.

Wir werden aber auch neue Dienstleistungen wie z.B. im stark wachsenden Bereich Cyber Security anbieten, weshalb es insgesamt keinen Stellenabbau geben wird. Die Beschäftigung wird sich allerdings verlagern- hin zu mehr Beschäftigten in unseren neu entstehenden Wachstumsbereichen.

Schon seit Jahren beobachten wir, dass sämtliche Big 4 in ihrem Consulting-Geschäft deutlich stärker wachsen als im traditionellen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgeschäft. Mit der Digitalisierung wird sich doch die Beschäftigung weiter in diese Richtung verschieben?

Tatsächlich ist Consulting derzeit der Geschäftsbereich mit dem größten Wachstum, wobei wir heute annähernd eine Drittelung des Geschäfts zwischen Consulting, Wirtschaftsprüfung und Tax/Legal haben. An sich ist das ein gesunder Mix. Im Zuge der Digitalisierung fallen die Wachstumsaussichten im Consulting allerdings am besten aus.

Wie können Einsteiger direkt von der Uni, aber auch junge Leute mit wenigen Jahren Berufserfahrung sich beruflich auf das neue Umfeld einstellen und die richtigen Kompetenzen erwerben?

Bei uns gibt es zwei Einstiegsmöglichkeiten: Einmal kann man bei uns nach seinem Bachelor einsteigen und wird aus- und weitergebildet. Dabei besteht unter Umständen auch die Möglichkeit, berufsbegleitend einen Master zu absolvieren, der das Thema Digitalisierung berücksichtigt. Allein in Deutschland haben wir im vergangenen Geschäftsjahr 141 Mio. Euro in Aus- und Fortbildung investiert und wollen uns damit die neuen Profile heranziehen.

Wer nach seinem Bachelor gleich einen Master aufnehmen möchte, sollte darauf achten, dass dieser Studiengang das Thema Digitalisierung berücksichtigt. Dies gilt besonders für BWL-Studenten. Umgekehrt können auch Bachelor aus den MINT-Fächern Master-Studiengänge wählen, die betriebswirtschaftliche Komponenten enthalten wie z.B. Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurswesen.

Alle wollen digitalisieren. Haben Sie keine Schwierigkeiten, gute MINT-Absolventen zu gewinnen?

Wenn man sich die Rankings der beliebtesten Arbeitgeber für Betriebswirte anschaut, dann stehen wir überall ganz oben. Bei den MINT-Fächern haben wir zwar große Sprünge nach vorn gemacht, wir haben aber noch nicht die Ränge erreicht, um auch hier die besten Talente anzuziehen.

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