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GASTBEITRAG: Wie meine Bankingkarriere das Leben meiner Eltern verändert hat

Help your parents working in banking

Auch wenn Sie das selten hören: Falls Sie in den Finanzdienstleistungen beschäftigt sind, dann betrifft das nicht nur Sie selbst. Es handelt sich um einen sehr fordernden Karrierewerg. Sie müssen also einen Partner finden, der sich mit Ihren langen Arbeitszeiten abfindet. Außerdem ist der Einstieg in die Finanzdienstleistungen sehr schwer. Ihr beruflicher Erfolg spricht also dafür, dass Ihre Eltern bei Ihrer Erziehung vieles richtig gemacht haben. Sofern Sie es also bis nach ganz oben bringen, haben Sie allen Grund dazu, etwas davon wieder gutzumachen. Auch ich habe das versucht.

Mein eigener Vater war nur ein einfacher Kraftfahrer. Er hat 40 Jahre seines Lebens damit verbracht, Leute von A nach B zu kutschieren. Anschließend hatte er weniger Geld gespart als ich nach sechs Jahren im Banking.

Er hat Leute bewegt und ich bewege Geld. Einmal dürfen Sie raten, was besser bezahlt wird.

Doch nach meiner Meinung steht dieses Geld nicht allein mir zu. Meine Eltern haben viel in mich investiert, weshalb ich es als Pflicht begreife, etwas davon an sie zurückzugeben. Als ich noch ein junger Investmentbanker war, handelte es sich nur um Kleinigkeiten. Ich stellte sicher, dass ich ihnen nicht mehr zur Last fallen würde. Ich bin frühzeitig ausgezogen und hatte immer ein Extrazimmer, so dass sie mich besuchen und bei mir übernachten konnten.

Nach einigen Jahren im Investmentbanking konnte ich mehr zurückgeben. So spendierte ich meinen Eltern einen Urlaub, den sie sehr genossen. Also habe ich sie auf einen zweiten besseren Urlaub geschickt. Wenn sie mich besuchten, habe ich sie in teure Restaurants ausgeführt, was ihnen ebenfalls gefiel.

Das erzählt Ihnen kaum jemand, aber einer der Vorzüge der Finanzdienstleistungen besteht in dem Glück, etwas zurückzugeben. Die Leute halten Banker für selbstsüchtig und materialistisch. Doch einige von Ihnen zählen zu den großzügigsten Menschen, die ich kenne. Meinen Eltern unter die Arme zu greifen, hat mir z.B. große Freude bereitet. Gleich wer wir auch sind: Wir haben es nur so weit gebracht, weil es jemanden gab, auf dessen Schultern wir stehen durften.

Damit will ich aber nicht sagen, dass Großzügigkeit immer leicht fällt. Denn in einer Finanzkarriere geht es oft steil bergauf, aber auch ebenso steil bergab. Im vergangenen Jahr litt ich unter viel Stress und lebte zwischen zwei Jobs. In meinem Leben lief nichts rund und meine Eltern wollten eine Wohnung in Kalifornien kaufen. Dafür besaßen sie allerdings nicht das erforderlich Geld und als Rentner haben sie auch keine entsprechende Hypothek erhalten. Da meine Eltern aus einem Schwellenland stammen, oblag es mir als ihrem ältesten Sohn, Verantwortung zu übernehmen – obgleich ich selbst Probleme hatte. Als ich ihnen das Geld überwies, war ich der Meinung, dass es der Bonus für ein ganzes Jahre wäre.

Doch ein Jahr später habe ich einen neuen Job und es fühlt sich großartig an, dass sich meine Eltern in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen und ich mich daran beteiligen konnte. Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, dass meine Erfolge nur zu 5 bis 10 Prozent auf mich selbst zurückgehen und zu 90 Prozent auf meine Eltern. Daher möchte ich ihnen etwas davon zurückgeben.

Natürlich haben meine Eltern keine Ahnung, womit ich mein Geld verdiene, aber darum geht es gar nicht. Wenn ich einmal 70 Jahre alt sein werde, verstehe ich wahrscheinlich ebenso wenig, was meine Kinder machen. Doch was zählt, ist allein, dass ich meinen Eltern geholfen habe und dass sie stolz auf mich sind.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street“ (WilowWallStreet.com).

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