Künftiger Stellenabbau: Die düstere Vision einer deutschen Bank

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Künftiger Stellenabbau: Die düstere Vision einer deutschen Bank

Der Vorschlag, dass europäische Banken sich fundamental neu aufstellen sollten, tritt immer wieder auf – in ähnlicher Wucht wie eine Methanblase, die aus dem Permafrost hervorbricht. Jerry Del Missier, Ex-COO von Barclays, hat die Debatte nun neu entfacht. In einem Artikel in der Financial Times schreibt Del Missier, dass schwächelnde europäische Banken nicht miteinander zusammengehen sollten. Die europäische Bankenlandschaft sei voll von „unterkapitalisierten, unprofitablen und nicht wettbewerbsfähigen Institutionen“, die nicht funktionieren könnten. Stattdessen solle man, so Del Missier, ganze Geschäftsbereiche aufgeben, was möglicherweise schon nach der letzten Finanzkrise fällig gewesen wäre.

Wer wissen will, wie das konkret aussehen könnte, sollte sich den Niedergang der IKB ansehen, der unlängst detailliert im Handelsblatt beschrieben wurde. Die IKB, die sich an den Deutschen Mittelstand richtet, fuhr in der letzten Finanzkrise große Verluste ein und befindet sich seitdem in einer Umstrukturierungs-Spirale, die selbst die Deutsche Bank und deren Aufgabe des Aktien- und Trading-Geschäfts weit in den Schatten stellt.

Nach Angaben des Handelsblatts hat die IKB ihre Kosten um 50 Prozent gesenkt, ihren Standort im noblem Frankfurter Bankenviertel aufgegeben und in ein gesichtsloses Bürogebäude im Industriegebiet umgesiedelt. In den letzten zehn Jahren hat die IKB alles über Bord geworfen, was nicht unmittelbar zu ihrem Kerngeschäfts gehörte, darunter Derivatestrukturierung und -handel, M&A-Beratung und das Darlehensgeschäft mit Private Equity Unternehmen. Ganze IT-Systeme wurden aufgelöst. CEO Michael Wiedmann erklärt, dass cross-selling nicht funktioniere („Da wurden Träume geträumt, die nie wahr werden“). Dank des Ausmaßes der Restrukturierung ist die IKB wieder profitabel. Und nicht nur das: Die Cost-Income-Ratio liegt dieses Jahr bei 56 Prozent. Man müsse sich darauf besinnen, was man könne, so Wiedemann. „Man muss sich auf das konzentrieren, worin man besser ist als der Wettbewerb.“

Andere schwächelnde Banken könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Eine weitere europäische Bank hat indes erneut versichert, größere Umstrukturierungen erst anzugehen, wenn die Pandemie überstanden sei. Axel Weber, Chairman von UBS, sagte am Wochenende, die Schweizer Bank habe zu Beginn der Pandemie beschlossen, „keine neuen Umstrukturierungsprogramme“ umzusetzen – und das gelte nach wie vor. Ob es in Zukunft zu Kürzungen kommen könnte, ließ er offen: „Wir werden die Lage weiter beobachten“, fügte er hinzu.

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Photo by Craig Whitehead on Unsplash

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