Wie es ist, uber Zoom gefeuert zu werden

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Wie es ist, uber Zoom gefeuert zu werden

„Ich habe fast fünf Jahre lang im Banking gearbeitet und das ist das erste Mal, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere. Ich bin allerdings lang genug in der Branche um zu wissen, wie sowas im Büro vonstatten geht: Man sammelt seine Sachen ein und läuft dann mit einem Karton in der Hand aus dem Büro raus. Dann setzt man sich mit Kollegen in Verbindung, denen dasselbe passiert ist, und tauscht sich darüber aus, wie furchtbar der Arbeitsplatz war.

Wenn man allerdings im Home Office sitzt und dort über Zoom erfährt, dass man gekündigt wird, sieht die Lage anders aus. Ich habe keine Ahnung, wer außerhalb meines Teams noch entlassen wurde. Es ist alles seltsam.

Die ersten Anzeichen, dass es zu Kündigungen kommen könnte, gab es letzten Sommer, als uns gesagt wurde, dass das Business in neue Gruppen überführt werden sollte. Kollegen, die schon länger als ich bei der Bank sind, meinten dass das üblicherweise der Auftakt für Sparrunden sei – das führte zu etwas Unmut, aber dann ging das Leben weiter und wir hatten den Warnschuss schon wieder fast vergessen.

Plötzlich bekam ich dann aber eine E-Mail vom Head der Geschäftseinheit, in der gewarnt wurde, dass einige Leute „gefährdet seien“. Es folgte ein Termineintrag, nicht von meinem Vorgesetzten, sondern vom Vorgesetzten meines Vorgesetzten, für ein Meeting eine halbe Stunde später. Zu diesem Zeitpunkt war mir die bittere Wahrheit schon klar.

Die 30 Minuten vorher waren schlimmer als der Call selbst. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich putzte meine Zähne, machte Kaffee und setzte mich wieder hin, aber es waren immer noch zehn Minuten totzuschlagen, also ging ich raus und pflückte abwesend ein paar Blumen.

Dann ging der Zoom Call los – mit dabei waren mein Vorgesetzter, sein Vorgesetzter und jemand aus der HR-Abteilung. Mein Vorgesetzter sagte kaum was – sein Vorgesetzter ergriff das Wort und ich hatte den Eindruck, dass er das Gesprochene ablas. Es ging darum, dass man das Business refokussieren wolle und dass meine Aufgabe nicht mehr benötigt werde, dass ich mich aber intern für andere Stellen bewerben könne usw. Es ging alles sehr schnell – es schien, als ob er noch andere auf seiner Liste hatte. Und dann war ich wieder allein in meinem Home Office.

Am schrägsten ist: Gerade eben war ich noch jemand, der im Home Office arbeitet, und jetzt war ich plötzlich nur noch jemand, der zuhause vor einem Computer und einer Menge Bildschirmen sitzt. Ich rief einen Freund an und ging spazieren. Als ich eine Stunde später zurückkam, hatte ich schon keinen Zugriff auf die Banksysteme mehr. Während ich spazieren war, wurde mein Arbeits-Handy aus der Ferne rekonfiguriert – bisher hatte ich lediglich Zugriff auf Bloomberg, Symphony und die Blackberry App und ganz plötzlich konnte ich zugreifen, auf was ich wollte. Vermutlich werde ich mein Handy irgendwann abgeben müssen – wann genau das sein wird, habe ich noch nicht erfahren.

Ich arbeite nicht bei der Deutschen Bank, das heißt, ich werde sofort freigestellt und muss nicht bis zum letzten Tag meiner Beschäftigung arbeiten. Ich bin jetzt einfach nur ein Typ, der zuhause abhängt und sich fragt, was er als nächstes machen soll. Ich denke immer wieder darüber nach, ob mein Vorgesetzter wusste, dass da was im Busch war – in den Tagen vorher hat er mir ein paar extrem detaillierte E-Mails geschickt und im Rückblick denke ich, dass das seltsam war. Ich vermute, dass die HR-Abteilung einfach alle Teams durchgegangen ist und Kreuzchen gemacht hat, wie viele Leute auf welchem Karrierelevel weg müssen – zumindest hoffe ich das.

Wie auch immer – ich stehe jetzt ohne Job da und ich denke, dass es jetzt in der Krise vielen so geht wie mir. Das einzig Gute: Ich bin gleich zu Beginn der Krise rausgeflogen. Jetzt muss ich nur so bald wie möglich etwas Neues finden.

Frank Girard ist ein Pseudonym.

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