Finanz-Personaler in London nehmen Paris und Frankfurt in den Blick

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Finanz-Personaler in London nehmen Paris und Frankfurt in den Blick

Ein Hauch von leiser Verzweiflung weht durch die Coffeeshops der Londoner City und die Speckgürtel-Anwesen der Personalvermittler und Headhunter im Finanzwesen, die in diesen Coffeeshops früher ein und aus gingen. Das vierte Quartal ist angebrochen und für viele war 2020 kein gutes Jahr. Große Hedgefonds und Teams im Credit Trading haben Stellen geschaffen, doch ansonsten ist das Personalkarussell in London seit dem Lockdown nicht mehr wirklich in Fahrt gekommen.

„Es war schwierig, ich muss wirklich viele Gespräche führen und mich bei Leuten melden, die ich schon aus den Augen verloren hatte“, berichtet ein Headhunter, der auf systematisches Trading auf Käuferseite spezialisiert ist – ein eigentlich sehr gefragten Bereich. „Mandanten, die wir bereits hatten, konnten wir gut halten, aber neue Kunden zu akquirieren gestaltet sich ohne den persönlichen Austausch schwierig.“ Ein Makro-Headhunter sagt, die Lage sei „ok“, allerdings „sehr ruhig“. „Ich habe ein paar Kandidaten vermittelt“, fügt er hinzu, ohne den Zeitraum näher zu definieren.

Einige in London sind allerdings optimistisch – ein Headhunter sagt, dass es langsam „wieder aufwärts geht“ und dass es wieder Neueinstellungen geben dürfte, sobald die Banken sich dazu aufraffen, Minderleister loszuwerden – und genau das scheint nun bei Goldman Sachs & Co. zu passieren. „Eine Menge wurde auf das kommende Jahr verschoben“, sagt er. „Wenn die Kürzungen und Boni durch sind, könnte 2021 ein sehr gutes Jahr werden.“

Im Moment sind Personalvermittler allerdings noch mit Sparrunden konfrontiert. Und da sich am Horizont der Brexit abzeichnet, konzentrieren sich viele zunehmend auf andere Orte: Paris und Frankfurt sind das neue Cornhill und Canary Wharf.

Während die Geschäfte in den Finanzzentren der EU wieder laufen, ist in Finanzkreisen in Deutschland und Frankreich aufgefallen, dass London immer noch menschenleer ist: „Ich habe die Gegend noch nie so ruhig erlebt“, berichtet der Londoner Headhunter Piers Benbow diese Woche gegenüber Le Monde. „Die Leute sind nach dem Lockdown nicht wirklich zurückgekommen. Ich habe Kunden im Asset Management, die um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie ins Büro gehen wollen.“

In Frankfurt ist die Lage im Vergleich dazu fast wieder normal. „80 Prozent der Leute sind hier wieder im Büro“, sagt ein britischer Kapitalmarkt-Headhunter, der vor über einem Jahr nach Frankfurt umgesiedelt ist. Die Normalisierung sei das Ergebnis von Corona-Test-Stationen, die über die ganze Stadt verteilt seien und wo man beim Warten auf das Ergebnis sogar einen Kaffee trinken könne. „Wir lassen uns einfach jeden Montag und Freitag testen.“ Außerdem informiere die deutsche Regierung laufend über die Corona-Situation: „Heute haben wir beispielsweise eine Nachricht erhalten, die besagt, dass in Frankfurt 9,1 Infektionen auf 100.000 Einwohner kommen und wir uns daher frei bewegen können.“

Unter diesen Umständen schauen immer mehr Londoner Personalvermittler über den Tellerrand hinaus und haben den Eindruck, dass sich in der EU leichter Geld verdienen lässt. „Angesichts des drohenden Brexit-Problems konzentrieren wir uns wieder auf Paris und Frankfurt“, sagt ein Londoner Makro-Headhunter, „dort kommen wir leichter zum Abschluss“. Drei weitere Headhunter sagen hinter vorgehaltener Hand dasselbe. Paris konnte – laut Schätzung des dortigen Verbands Paris Europlace – infolge des Brexit bereits 4.000 Arbeitsplätze im Banking und Asset Management für sich gewinnen und es ist davon auszugehen, dass bis zu 20.000 zusätzliche Jobs folgen könnten.

Sowohl in Paris als auch in Frankfurt gibt es bereits Headhunter vor Ort. Der Vorteil von Londoner Headhuntern ist allerdings, dass diese in der Londoner City Europäer auftun können, die bereit sind, umzuziehen. Banken wie Goldman Sachs haben bereits Mitarbeiter aus New York nach Frankfurt verlegt – gleiches könnte mit Mitarbeitern auf der anderen Seite des Atlantiks passieren

Einem Personalvermittler zufolge sind Deutsche in London besonders heiß begehrt: „Niemand außer den Deutschen will nach Frankfurt ziehen“, sagt er. Im Vergleich dazu ist es einfacher, Briten, Italiener, Spanier und sogar Holländer dafür zu gewinnen, nach Paris zu gehen, wohin man von London aus mit dem Eurostar pendeln kann.

Soweit die Theorie. Insider bei JPMorgan sagen, dass rund 100 Sales-Mitarbeiter Bauchweh haben bei der Aussicht, im Dezember nach Paris geschickt zu werden und ihre Familien in London zurückzulassen. Die britische Regierung hat Leute, die im Wochentakt nach Frankreich ein- und ausreisen, von der Quarantänepflicht ausgenommen – befürchtet wird, dass sich das ändern könnte, sobald der Brexit eingetreten ist. „Einige wollen nicht nach Paris gehen, weil sie Angst haben, dass sie dann nicht mehr zurückkommen und ihre Kinder sehen können“, sagt ein Headhunter. „Uns gibt das die Möglichkeit, diese Stellen neu zu besetzen.“

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