Viraler Hit: Die Rücktrittserklärung einer 31-jährigen JPMorgan-VP

eFC logo
Viraler Hit: Die Rücktrittserklärung einer 31-jährigen JPMorgan-VP

Lucy Puttergill ist eine (ehemalige) Vice President of Delta One Sales bei JPMorgan – wer nicht völlig hinterm Mond lebt, dem wird der Name vermutlich etwas sagen. Puttergill gehört zu einer ganzen Riege an hochrangigen Frauen, die dem Banking dieses Jahr den Rücken kehren. Letzten Monat veröffentlichte sie auf Medium einen Beitrag, in dem sie erklärte, aus welchen Gründen sie nach einem Jahrzehnt aus dem Finanzwesen aussteigt, ohne etwas Neues zu haben.

Puttergill begann ihre Laufbahn mit einem Einser-Abschluss an der Bristol University im Jahr 2011 bei Citi. Sie sagt, dass sie nie die Absicht hatte, ins Bankwesen zu gehen. Durch Zufall sei sie an ein Vorstellungsgespräch bei einer großen US-amerikanischen Bank geraten, die auf der Suche war „nach jemandem, der Französisch konnte“.

Es folgte eine Karriere, in der sie ständig das Gefühl hatte, „als Betrügerin entlarvt zu werden“.

Am schlimmsten, so Puttergill, sei es gewesen, wenn Überflieger-Praktikanten sie auf Schritt und Tritt begleitet hätten. „Ich verstehe immer noch nicht, wie die das alles schaffen – Schnupper-Praktika im Frühling, Sommer-Praktika, Master-Degrees in Fächern wie ‚Financial Markets‘ oder ‚Quantitative Strategy‘ oder anderen, von denen ich noch nie gehört hatte – und gleichzeitig Geige spielen, Kindern lesen beibringen, Freiwilligendienste auf der ganzen Welt leisten und sieben Sprachen lernen“, sagt sie. „Ich habe gelächelt, genickt und so getan, als wäre es bei mir ganz genauso gewesen – bis ich gefragt wurde, wie ich an den Job gekommen bin.“

Letztendlich, so Puttergill, habe sie nie das Gefühl gehabt „wirklich dazuzugehören“ – im Finanzwesen geblieben sei sie, „weil ich den tief verwurzelten Wunsch hatte, zu zeigen, dass ich nicht dumm bin“. „Hinter der ‚high-power’-Fassade des Bankings konnte ich mich gut verstecken – ich habe mir (fälschlicherweise) eingeredet, dass keiner mich für dumm halten kann, wenn ich bei der Arbeit beeindrucke“, berichtet sie.

Und doch sagt Puttergill, dass sie zunehmend unzufrieden war. „Das Problem war, dass die Arbeit an sich mich nicht glücklich machte. Je besser und luxuriöser mein Leben als ‚Karrierefrau‘ wurde, desto größer wurde die innere Leere.“ Hinzu kam, dass sie keinen Partner hatte und von Freunden, die in Beziehungen waren und nicht im Banking arbeiten, ständig nach ihrem Liebesleben gefragt wurde.

Ihren Mangel an Erfüllung, so Puttergill, versuchte zu lindern, indem sie zur Karrierefrau wurde. Und durch Klamotten-Shopping: „Wenn die Pakete kamen, habe ich mich schuldig gefühlt und wieder diese innere Leere gespürt – und dann habe ich etwas Neues gekauft.“

Letztendlich merkte sie, dass es so nicht weitergehen konnte und dass sie etwas ganz anderes machen wollte. „Es gibt Dinge, die sehr viel schöner sind, als für 300 £ Kleider aus Frankreich zu kaufen“, so Puttergill, „und zwar, sich ehrlich und schonungslos mit jemandem zu unterhalten und zu merken, dass das Gegenüber wirklich zuhört. Oder im Park spazieren zu gehen, wenn der Herbst kommt, die Luft frisch ist und die Blätter sich färben. Oder sich so in einem Buch zu verlieren, dass man die Zeit vergisst und plötzlich merkt, dass man zwei Stunden am Stück gelesen hat.“

Puttergill hat im Juni 2020 bei JPMorgan gekündigt und hat sich jetzt daran gemacht, „eine Identität zu entwirren, die gespeist war aus einer Besessenheit davon, etwas zu erreichen, um sich den eigenen Wert zu beweisen“.

„Ich hatte nie geplant, ins Finanzwesen zu gehen – und ebenso wenig hatte ich geplant, mit 31 und mitten in einer Pandemie meinen Job an den Nagel zu hängen“, so Puttergill. „Aber tief in mir vertraue ich darauf, dass alles so läuft, wie es laufen soll und dass ich genau da bin, wo ich sein soll.“

Have a confidential story, tip, or comment you'd like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp / Signal / Telegram also available. Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will - unless it's offensive or libelous (in which case it won't.)

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close
Loading...
Loading...