Neuer Commerzbank-Chef: „Ich bin nicht der beste Netzwerker“

eFC logo
Neuer Commerzbank-Chef: „Ich bin nicht der beste Netzwerker“

Manfred Knof heißt er, der neue Chef der Commerzbank – eine Personalie, die in der Frankfurter Finanzwelt erst einmal alle stutzig machte. „Das kommt vollkommen unerwartet, den kennt hier keiner“, verlautete aus Branchenkreisen. Die Mitglieder des Commerzbank-Vorstands waren am Sonntagvormittag zusammengekommen, um zu erfahren, wer ihr neuer Chef wird – und selbst sie mussten, so berichten Insider, „den Namen erst einmal googlen“.

Dem Vernehmen nach hat die Bundesregierung auf einem externen Kandidaten bestanden – im Hintergrund soll vor allem Jörg Kukies die Strippen gezogen haben. Kukies ist Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und will die Restrukturierung der Commerzbank forcieren – mit einem knallharten Sanierer an der Spitze. Und genau das scheint Manfred Knof zu sein: Auf die Interviewfrage, was ihn von anderen abhebe, kam seine Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Execution and delivery“. Knof gilt als Mann aus der zweiten Reihe – über sich selbst sagt er: „Ich bin nicht der beste Netzwerker und spiele auch nicht Golf“. Wer ist also der neue Coba-Chef und vor allem: Was hat er vor?

Digitalisierung und Turn-Around von maroden Geschäftseinheiten

Manfred Knof ist kein Banker, sondern hat den Großteil seines Berufslebens bei der Allianz verbracht. Auf verschiedenen Positionen hat der promivierte Jurist zahlreiche Auslandseinheiten wieder auf Spur gebracht und die Digitalisierung vorabgetrieben: „Bis 2017 war er Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG und hat das Geschäft des Versicherers umfassend digitalisiert, war für die Wachstumsinitiativen in allen Vertriebskanälen und die Steuerung des Turn-Around Programms der Allianz verantwortlich“, schreibt die Commerzbank in einer Pressemitteilung. Dass man bei der Bank gerade diese Errungenschaften hervorhebt, könnte ein Indiz dafür sein, was man sich vom neuen Chef erhofft.

Von der Allianz wechselte Knof zur Deutschen Bank und wurde dort mit seinen Digitalisierungs-Initiativen schnell ausgebremst. Medienberichten zufolge wollte er das Mitarbeitermagazin digitalisieren und Videokonferenzen mit Filialmitarbeitern initiieren – Vorhaben, die mit der veralterten Konzern-IT nicht machbar waren. An anderer Stelle lieferte Knof allerdings: Für die jüngste Ankündigung der Deutschen Bank, 100 der aktuell 500 Filialen zu schließen, zeichnete seine Abteilung verantwortlich. Bei der Commerzbank dürfte er genau dort weitermachen: Infolge von Corona wurden bereits 200 Coba-Filialen geschlossen, es verbleiben aktuell rund 800. Wie viele am Ende übrigbleiben, ist offen – im Umlauf sind Zahlen zwischen 200 und 500.

Come-back der Mittelstandsbank?

Offen bleibt auch, ob Knof neben dem Privatkundengeschäft auch im Firmenkundengeschäft – mit dem er bislang keine Erfahrung hat – sparen will. Spekuliert wird, ob die vor Jahren zerschlagene „Mittelstandsbank“ ein Revival erleben könnte: Die Börsen-Zeitung hatte unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, dass Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter das Geschäft mit kleinen Unternehmen und Selbstständigen aus der Privatkundensparte wieder zurück ins Firmenkundengeschäft holen will. Mit der Mittelstandsbank habe die Coba einen echten Wettbewerbsvorteil gehabt, sagt ein Managing Director der Deutschen Bank hinter vorgehaltener Hand – spannend sei, ob sie jetzt wiederbelebt würde.

Auch was Knof im Investmentbanking und Trading vorhat, wird sich zeigen: Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter soll die hauseigene Investmentbank, die nach der Finanzkrise 2008/2009 bereits stark geschrumpft worden war, weiter verkleinern wollen. Das Arbeitsprogramm ist groß – und Knof scheint bereit zu sein: Er stehe jeden Tag um 5:30 Uhr auf, es folgen Yoga und Meditation. „Und dann arbeite ich, von 8 bis 20 Uhr.“

Have a confidential story, tip, or comment you’d like to share? Contact: sbutcher@efinancialcareers.com in the first instance. Whatsapp/Signal/Telegram also available. Bear with us if you leave a comment at the bottom of this article: all our comments are moderated by human beings. Sometimes these humans might be asleep, or away from their desks, so it may take a while for your comment to appear. Eventually it will – unless it’s offensive or libelous (in which case it won’t.)

Close
Loading...
Loading...