Deutsche Bank: Zu wenig Leute wollen gehen

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Deutsche Bank: Zu wenig Leute wollen gehen

Die Deutsche Bank hat ein Problem: Im Juli 2019 wurde angekündigt, dass man 18.000 Stellen abbauen wolle. Im Mai 2020 waren 13.081 davon immer noch besetzt. Klar war von Anfang an, dass die Hälfte dieser 18.000 Stellen in Deutschland gestrichen werden, und zwar infolge der Fusion zwischen Deutscher Bank und Postbank. Weitere Stellen fallen dadurch weg, dass 20 Prozent der Bankfilialen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen werden. Bleiben 4.000 Stellen, die an anderer Stelle gestrichen werden müssen. Und diese könnten zum Problem werden, denn: Es möchte niemand gehen.

James von Moltke, CFO der Deutschen Bank, erklärte auf der jährlichen Financials Conference der Bank of America, dass man bei der Umsetzung der Sparpläne hinterherhinke. Dies liege zum einen daran, dass die Bank sich während der Frühphase des Lockdowns dazu verpflichtet hatte, keine Kündigungen auszusprechen. Ein weiterer Grund ist, dass man freiwerdende Stellen nicht nachbesetzt und damit gerechnet hatte, dass sich der Personalbestand so quasi von allein reduzieren würde. Aber: Es werden keine Stellen frei. Man werde, so von Moltke, die Abfindungsangebote hochschrauben müssen – ein schönes Wort für Stellenabbau.

Letztes Jahr haben nach Angaben der Deutschen Bank 8 Prozent der Mitarbeiter das Unternehmen aus freien Stücken verlassen. 8 Prozent – das sind, gemessen am gesamten Personalbestand 2019, 7.036 Stellen. Von Moltke und seine Manager-Kollegen wollten – so steht zu vermuten – einfach abwarten, dass Leute von selbst kündigen, die Stellen nicht nachbesetzt werden und so wegfallen.

Doch dann kam Corona – und plötzlich klammern sich alle an ihren Jobs fest und niemand wagt einen Stellenwechsel. Headhuntern zufolge ist dies nicht nur bei der Deutschen Bank der Fall. „Natürlich sind die Leute nicht mit der Deutschen Bank verheiratet. Das Problem ist allerdings, dass nicht klar ist, wohin sie stattdessen gehen könnten“, sagt einer.

Die Deutsche Bank könnte außerdem mehr oder weniger zufällig zu einem attraktiven Arbeitgeber geworden sein. CEO Christian Sewing betonte mehrfach, dass im Front Office des Investmentbankings keine Jobs mehr gestrichen werden, und Barclays-Erzfeind Edward Bramson bezeichnete Strategie der Deutsche Bank als Vorbild, dem andere Banken folgen sollten. In den USA gewann die Deutsche Bank zusätzlich an Attraktivität indem sie ihren Mitarbeitern freistellte, bis 2021 nicht zurück ins Büro kommen zu müssen, während andere Banken die Leute schon wieder an die Schreibtische beordert hatten.

Das eine oder andere ließe sich umkehren. Wenn von Moltke Leute loswerden will, könnte die Deutsche Bank beispielsweise anordnen, dass nun wieder alle zurück in die Büros in London und an der Wall Street müssen. Oder man könnte die Führungskräfte bitten, erneut aus Solidarität auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten (wobei unklar bleibt, wie erfolgreich das in der Vergangenheit war). Alternativ könnte man einfach jede Menge Mitarbeiter aus London in Vorbereitung des Brexit nach Frankfurt versetzen. Ein MD in Frankfurt berichtet, dass die Bank schon vor Jahren Büroflächen geräumt habe, um Platz für Kollegen aus London zu machen, die aber nie erschienen seien. „Ich habe den Eindruck, dass die lieber gekündigt werden und sich dann in London einen neuen Job suchen wollten“, erklärt er. Voilà!

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