Banker über Corona-Lockdown: 70 Prozent des Gehalts kommen auf die hohe Kante

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Banker über Corona-Lockdown: 70 Prozent des Gehalts kommen auf die hohe Kante

Die Bonuszahlungen für 2020 dürften fast unausweichlich deutlich niedriger sein als 2019 – und zwar obwohl einige Trader sich schon anderweitige Hoffnungen machten. Früher hätte dies zu regelrechten Wutausbrüchen geführt. Und dies ist auch jetzt durchaus möglich – allerdings sind bei den meisten Leuten im Finanzsektor die Lebenshaltungskosten durch die Coronakrise deutlich gesunken.

In einer Umfrage unter 530 Befragten gaben fast alle an, während des Lockdowns weniger Geld auszugeben – häufig sogar deutlich weniger. Viele sagen, dass sie dies möglicherweise dauerhaft beibehalten.

„Ich gebe fast kein Geld aus“, so ein europäischer Risk Manager von Credit Suisse. „Neben meiner Miete gebe ich jetzt im Monat vielleicht 600 € aus. Man kann nicht mehr in Restaurants und Bars gehen, ich brauche keine neuen Klamotten und verreisen geht auch nicht mehr. Es gibt einfach nichts, wofür man Geld ausgeben kann.“

Sogar Junior-Banker sind dazu übergegangen, ihre Gehälter und Boni nicht mehr zu verprassen, sondern allein von ihrem Gehalt zu leben: 95 Prozent der Unter-24-jährigen, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, finden dass ihre Gehälter mehr als ausreichend sind, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Bezogen auf alle Altersgruppen sagten dies 87 Prozent.

„Ich lebe wieder wie kurz nach dem Studium“, gibt ein Aktienderivate-Verkäufer mittleren Alters aus London an. Ein Risk Manager bei der Citi in New York City erklärt, er habe bisher jeden Monat 400 $ für das Pendeln ausgegeben, plus 400 $ für das Essen außer Haus – beides fällt nun nicht mehr an. Ein Makro-Trader in London erklärt, er hätte nie gedacht, dass man mit so wenig auskommen könne. „Das einzige, wofür ich außer Essen und Wohnen Geld ausgegeben habe, war eine neue Kaffeemaschine.“ Ein Tech-Mitarbeiter der Deutschen Bank sagt, dass er nicht mehr bei Waitrose, sondern bei Tesco einkaufen geht und dort die Produkte der Eigenmarke nimmt.

Dies führt dazu, dass viele in der Finanzwelt, die bisher nicht groß gespart haben, plötzlich viel Geld zur Seite legen. „Ich lege 70 Prozent meines Monatsgehalts auf die hohe Kante“, erklärt ein Compliance Manager bei der französischen SocGen. Ein Researcher bei Credit Suisse gibt an, nun jeden Monat 2.000 $ zu sparen und ein Aktienderivate-Händler bei Goldman Sachs berichtet, von seinem Gehalt jeden Monat 3.000 £ (3.700 $) zur Seite zu legen.

Wird dieser Trend anhalten? Viele Befragte rechnen damit, nach dem Lockdown wieder mehr auszugeben. Und dennoch wollen viele auch weiterhin Geld zu Seite zu legen – auch weil 37 Prozent um ihre Jobs fürchten. „Ich möchte mich daran gewöhnen, mit weniger auszukommen und ein Polster haben für den Fall, dass es mich trifft“, so ein Trader bei Goldman Sachs. „Ich werde die nächsten zwei Jahre nicht verreisen und weiter sparen, für den Fall, dass es eine zweite Virus-Welle gibt oder ich meine Stelle verliere“, so ein Compliance-Profi. „Bei mir wird es keine großen Ausgaben mehr geben“, fügt er hinzu.

Bleibt zu hoffen, dass Banken diese Entwicklung nicht zum Anlass nehmen, ihre Vergütungen entsprechend zu kürzen.

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