Nach dem Ende der Pandemie: Bewerbungswelle im Finanzsektor erwartet

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Nach dem Ende der Pandemie: Bewerbungswelle im Finanzsektor erwartet

Noch immer gibt es in New York und London täglich hunderte von Toten, sodass klar ist: Vorbei ist die Coronavirus-Pandemie ist noch lange nicht. Und doch mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt der Neuinfektionen überschritten ist. Länder wie Deutschland denken darüber nach, die Maßnahmen zu lockern. Ein Zurück zur Normalität, oder zumindest zu einer Art Normalität, scheint sich abzuzeichnen, und dies, obwohl flächendeckende Tests in UK und den USA bislang fehlen.

Nach Ende der Pandemie könnte – so erste Anzeichen – auf Personaler in der Finanzwelt eine regelrechte Bewerbungswelle einstürmen. Viele Banken und Finanzunternehmen haben sich angesichts des Virus mustergültig verhalten, Jobsicherheit versprochen und ihren Mitarbeitern ermöglicht, im Home Office zu arbeiten. Einige Unternehmen jedoch haben auf die Krise – bewusst oder unbewusst – mangelhaft reagiert und damit Mitarbeiter verärgert. Diese Mitarbeiter geben an, sich wegbewerben zu wollen, sobald die Dinge wieder einigermaßen normal sind.

Laut unserer neusten Umfrage bei Angestellten in der Finanzbranche weltweit gilt ein signifikanter Anteil als „unglücklich“. 42 Prozent der 300 Befragten geben an, dass die Krise sie in ihrem Wunsch nach einem Jobwechsel bestärkt habe. „Meinem Arbeitgeber ist die Gesundheit seiner Mitarbeiter komplett egal“, so eine typische Aussage. „Das hätte mir schon früher auffallen können, aber jetzt ist es glasklar.“ Andere beklagen Überstunden, eine schlechte technologische Ausstattung und miese Stimmung. „Mein Team ist überarbeitet und bricht immer mehr auseinander“, erklärt einer der Befragten.

Die Reaktion ihrer Mitarbeiter auf das Virus führt Banken und Finanzunternehmen vor Augen, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf das Geschäft ist. So erklärte James Gorman, CEO von Morgan Stanley, heute, dass COVID-19 ein Jahrhundertereignis sei, das bei Mitarbeitern zu viel Leid führen könnte. Deren Wohlbefinden an erste Stelle zu setzen ist laut Gorman nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch wichtig, um das Unternehmen über Wasser zu halten: Nach dem Ende der Pandemie werden fähige Leute so gefragt sein wie nie – und darum sollte man diese nicht mit einer kurzfristigen Profitorientierung vergraulen.

Angesichts so vieler unzufriedener Angestellter in der gesamten Branche sollten Personaler im Finanzsektor am Ball bleiben und auch während des Lockdowns Kontakt mit Bewerbern halten. Gavin Christie, eine führende Headhunterin im Anleihe-Bereich in London, begleitet nun einige Banker, die im Home Office über neue Karrieremöglichkeiten nachdenken. Vor allem Mitarbeiter im Sales-Bereich, aber auch Händler, stellen aufgrund der neuen Arbeitsabläufe ihre Zukunft infrage. Christie berichtet: „Das sind Leute, die ihr Leben lang jeden Morgen um viertel nach Fünf aufgestanden und zur Arbeit gegangen sind. Jetzt von zuhause aus zu arbeiten und Zeit mit ihren Familien zu haben, hat vielen neue Perspektiven eröffnet. Viele fragen sich, ob sie nicht glücklicher wären, wenn sie zwar weniger verdienen, aber mehr Zeit mit ihrer Familie hätten – und kommen zum Schluss, dass dies in der Tat so ist.“

Einige Banken könnten Mitarbeitern auch nach dem Ende der Pandemie flexiblere Home-Office-Möglichkeiten einräumen. Der CEO von Goldman Sachs, David Solomon, erklärte diese Woche, dass man dadurch attraktiver für neue Mitarbeiter werden könne. Gleichzeitig äußerte Solomon den Wunsch, einige der Händler und Settlements-Mitarbeiter zurück ins Büro zu holen (98 Prozent der 38.300 Mitarbeiter arbeiten aktuell zuhause), sobald dies vertretbar sei. Dies wünscht sich nicht nur Goldman Sachs: Viele andere Banken haben bereits 20 Prozent ihrer Front-Office-Mitarbeiter zurück in die Büros geholt und würden diesen Anteil, sofern möglich, gern steigern.

Die Pandemie ist sowohl menschlich als auch wirtschaftlich eine Katastrophe – der Rückzug aus den üblichen Arbeitsroutinen und die Gelegenheit zur Reflexion könnte nachhaltig orientierten Finanzunternehmen und Headhuntern Chancen eröffnen. Wenn die Krise vorbei ist, werden einige nicht mehr in den gewohnten Trott zurückkehren wollen. Gut positionierte Arbeitgeber und Headhunter, die auch während der schwierigen Lockdown-Zeit aktiv geblieben sind und Kontakt zu Bewerbern gehalten haben, werden dann gute Karten haben.

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