Neue Banking-Jobs in Deutschland – und was reiche Männer mittleren Alters damit zu tun haben

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Neue Banking-Jobs in Deutschland – und was reiche Männer mittleren Alters damit zu tun haben

Es ist eigentlich verwunderlich: Die Deutschen sind berühmte Sparer und trotzdem ist der ETF Markt nicht besonders groß. Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank gibt es in Deutschland über 2 Billionen € an Privatkundenspareinlagen, 600 Milliarden € an Investmentfonds, allerdings nur 144 Milliarden € an ETFs – und nur ein kleiner Teil davon (30-35 Milliarden €) wird von Privatkunden gehalten. Zum Vergleich: In den USA sind 4 Billionen $ in ETFs angelegt. Europaweit hat der ETF-Markt einen Umfang von rund 1,1 Billionen $; deutsche Anleger investieren wesentlicher seltener in ETF-Produkte als man angesichts ihrer Bedeutung für den europäischen Spareinlagenmarkt vermuten würde.

Das geringe Interesse an ETFs hat dazu geführt, dass Frankfurt nicht gerade ein Zentrum für Aktien-Delta-One-Desks und ähnliche Handelsgeschäfte ist. Dies könnte sich jetzt ändern. Wie die Deutsche Bank feststellt, starten Robo-Advisor in Deutschland gerade durch. Deren typische Kunden entsprechen denen, die im FinTech generell ganz vorn mit dabei sind – zu 80 % männlich, recht jung (verglichen mit dem restlichen Spareinlagenmarkt) und sehr wohlhabend (das Monatseinkommen von Robo-Advisor-Kunden ist durchschnittlich dreimal höher als das von normalen Bankkunden). Vielleicht hat es mit dem Song „We are the robots“ von Kraftwerk zu tun, dass sich 45-jährige deutsche Männer hier besonders angesprochen fühlen. Aktuell ist der Robo-Advice-Sektor mit gemanagten Anlagen im Wert von 4 Milliarden € noch recht klein – und dennoch schon zehnmal größer als noch 2016.

Robo-Advisor neigen dazu, auf kostengünstige Produkte wie ETFs zu setzen. Die Deutsche Bank schlussfolgert, dass „eine teilweise Verlagerung von offenen Publikumsfonds zu passiven Anlagealternativen in Deutschland nicht überraschend wäre [...] Die Präferenzen der derzeitigen Robo-Beratungskunden sind eine gute Annäherung an die Kunden der Zukunft“. Die Trading-Desks in Frankfurt könnten also bald etwa mehr wie die in New York und London aussehen.

Was die Jobaussichten angeht, wird nicht jeder von diesen Entwicklungen profitieren. Dass deutsche Sparer ihr Geld vor allem über Banken anlegen, hat für gute Geschäfte gesorgt – nicht nur bei Banken, die eine preisgünstige Einlagenfinanzierung erhalten, sondern auch bei aktiv verwalteten Investmentfonds, sofern diese in der Lage sind, die Vorteile eines extrem starken und nicht besonders preis-sensitiven Vertriebskanals zu nutzen. Es ist in vielerlei Hinsicht interessant, dass sich gerade die Deutsche Bank mit der Zukunft von Robo-Advice befasst: Ihre (wenn auch nicht exklusive) Vertriebsbeziehung zur teilweise börsennotierten Tochter DWS ist durchaus entscheidend für den Marktanteil und die Rentabilität des Unternehmens.

Wenn Robo-Advisor Kunden in Richtung ETFs schieben und wenn die Deutsche Bank recht damit hat, dass reiche Männer mittleren Alters hier die Trendsetter sind (auch wenn genau sie in keinem anderen Bereich als Trendsetter gelten), dann könnte dies Jobs kosten, es könnten aber auch neue entstehen. Die Zunahme von ETFs hat auf anderen Märkten zu einem brutalen Margendruck im aktiven Fondmanagement geführt, was in der Folge zu teils mehrfachen Konsolidierungsrunden und Entlassungswellen geführt hat.

Blickt man auf die nächsten fünf Jahre, fährt man in Deutschland vermutlich im Fintech am besten, zudem sollte man sich mit algorithmischem Trading auskennen, auf das ETF-Kunden angewiesen sind. Dies gilt solange, bis auch diese Jobs von Robotern übernommen werden.

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