Welche Hedgefonds sich ihre Bewerber aussuchen können

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Welche Hedgefonds sich ihre Bewerber aussuchen können

Wer aktuell mit dem Gedanken spielt, von einer Bank zu einem Fonds zu wechseln, sollte Acht geben. Seit 2015 werden mehr Hedgefonds geschlossen als neue entstehen und die Lage scheint sich weiter zu verschlechtern. 2019 haben Investoren 87,9 Milliarden $ von Hedgefonds abgezogen – doppelt so viel wie 2018. Wer jetzt zu einem Fonds geht, sollte sichergehen, dass dessen Vermögenswerte dicht sind.

Ein Weg könnte sein, zu einer der Branchengrößen zu gehen. Ein ehemaliger Hedgefonds-Headhunter sagt, dass genau dies passiert. Gescheiterte Fonds wie Moore Capital Management schließen wegen des „knallharten Wettbewerbs um die Trading-Talente”, so Gründer Louis Bacon. Top-Analysten und Portfolio-Manager gingen eher zu „Multi-Strategy- Marktführern“, die wiederum von immer besser qualifizierten Mitarbeitern und immer beeindruckenderen Renditen profitierten.

„Die Top-Leute gehen zu Unternehmen wie Citadel und Millennium“, so Headhunter Claude Schwab, ehemaliger Talent-Stratege bei Bridgewater Associates und Gründer der Website Hedge Fund Observer. „Diese Firmen können sich die Bewerber komplett frei aussuchen. Andere Unternehmen können kaum mithalten.“

Citadel hat sich dieses Jahr besser entwickelt. Bis November wurden Renditen von 16,7 Prozent generiert, bei Point72 waren es 13,3 Prozent, bei Balyasny 9,1 Prozent (diesen Wert hat man nach einem schwierigen Jahr 2018 allerdings erst unlängst erreicht) und bei Millennium 7,6 Prozent.

Bei Millennium in London war das Recruitment besonders augenfällig. Zwischen Januar und Oktober 2019 stellte das Unternehmen von Israel Englander 32 Analysten und Portfolio-Manager ein, ein Anstieg um 20 Prozent. Zu den Neueinsteigern gehören Karim Cellier, ehemals Managing Director im Delta-One-Trading bei Morgan Stanley, und Pierre Vernet, der zuvor Ökonom bei Goldman Sachs war.

Auch bei Citadel wurden neue Mitarbeiter eingestellt, unter anderem Pablo Salame und Michael Graham von Goldman Sachs. Allein im August wurden in London sechs Leute von Banken und konkurrierenden Fonds abgeworben.

Citadel wollte sich zu seinen Neueinstellungen nicht äußern und bei Millennium wurde auf eine Anfrage per E-Mail nicht reagiert. Schwab sagt, beide Fonds profitierten von einem sogenannten „Pass-Through-Expense“-Modell, das sich von der traditionellen „Two-and-20“- Gebührenstruktur bei Hedgefonds unterscheidet. Beim „Pass-Through“-Modell werden Investoren die Kosten für das Verwalten des Fonds, darunter auch Mitarbeitergehälter und Boni, automatisch in Rechnung gestellt.

Hierdurch könnte man, so Schwab, bessere Gehälter zahlen. „Unternehmen ohne ‚Pass-Through‘-Modell senken weiter Gebühren, ihre verwalteten Vermögen sinken und sie können es sich nicht leisten, gut zu bezahlen.“ Während Fonds wie Citadel und Millennium von der positiven Wechselwirkung profitieren, ist die Konkurrenz in einem Teufelskreis gefangen.

Citadel und Millennium sind nicht die einzigen Fonds mit einem „Pass-Through-Expense“-Modell. Branchenkenner sagen, dass starke Performer wie Point72 und Balyasny ähnlich operieren. Wenn Investoren ihre Gebühren selbst übernehmen, können Fonds nicht nur ihre Mitarbeiter besser vergüten, sondern auch Portfolio-Manager besser ausstatten und mehr in Technologie und Infrastruktur investieren.

In einer Welt, in der Hedgefonds-Mitarbeiter rar und wählerisch sind ist dies laut Schwab ein großer Vorteil. „Für Fonds wird es immer schwerer, gute Leute zu finden. Auf der Verkäufer-Seite gibt es kaum noch einen Schreibtisch, der nicht abgegrast wurde. Und auf der Käufer-Seite haben viele nicht die gewünschte Leistung gezeigt.“

Gleichzeitig seien Top-Talente laut Schwab immer mehr daran interessiert, wie die Beziehung zwischen Fonds und Investoren aussieht. Niemand möchte erleben, dass die verwalteten Vermögen plötzlich abgezogen werden. Fonds, die nicht gut abschneiden, können jedoch nicht ohne weiteres zu einem „Pass-Through“-Modell wechseln. „Das ist ein Luxus, den sich nur leisten kann, wem es gut geht“, so Schwab.

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