Wie Goldman Sachs-Techis die Welt erobern wollen

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Wie Goldman Sachs-Techis die Welt erobern wollen

Im Januar 2019 hatte Marty Chavez verkündet, dass die Zukunft der Finanzbranche in APIs (Application Programming Interfaces) läge. Wer dachte, dass er Witze machte, sollte genauer hinschauen. „Wir sehen es so: Die Zukunft leigt in APIs”, hatte Chavez erklärt. „Ich kann es nicht oft genug sagen: Es geht alles nur noch darum, wer APIs produziert und wer APIs benutzt.“

Chavez hat Goldman Sachs im September 2019 verlassen, doch das Unternehmen hält an seinem Fokus auf APIs fest. Und möchte diese selbstredend nicht nur nutzen, sondern selbst produzieren.

Dass man es ernst meint, hat das Unternehmen nun erneut unterstrichen: Auf der Reinvent Conference von Amazon in Las Vegas hat CEO David Solomon sein neues Produkt Marquee vorgestellt, das Kunden über cloudbasierte APIs direkten Zugang zur SecDB Datenbank ermöglicht.

Für aufmerksame Beobachter kam dies nicht überraschend. Goldman Sachs hatte 2017 damit begonnen, einen API Store aufzubauen – Chavez hatte damals davon gesprochen, dass man „das gesamte Unternehmen um APIs herum strukturieren werde“. Letztes Jahr hatte man für das Entwicklerteam von Marquee 60 Mitarbeiter neu eingestellt.

Es geht jedoch nicht nur um Marquee. Auf der firmeneigenen Entwicklerplattform ist zu lesen, dass Goldman Sachs drei Haupt-APIs hat: GSQuant, PlotTool Pro und Marquee API Developer. Marquee ist vor allem darauf ausgelegt, Kunden direkten Zugang zur Pricing-und-Analytics-Plattform zu gewähren, also für alles vom Testen von Trading-Ideen über Index-Kreation und Portfolio-Ausgleich. GS quant bietet Tools im Bereich quantitative Finance, getragen von der bankeigenen Risikoplattform. PlotTool Pro bietet Zugang zur Historie von Derivatehandelsdaten und Modelle für Derivatemärkte.

Indem diese Tool Kunden als APIs zugänglich gemacht werden, die daraus dann eigene Produkte entwickeln können, dreht die Bank ihr Geschäftsmodell effektiv um. Nach eigener Aussage sind APIs vergleichbar mit Strompunkten: Sie ermöglichen es Usern, eigene Produkte zu entwickeln, die auf dem Standard-Interface laufen. Zwar wollte sich Goldman Sachs auf Anfrage hin nicht äußern, auf der Entwicklerplattform macht man jedoch deutlich, dass APIs im Finanzmarkt zum Standard-Interface werden sollen. „Wir glauben, dass die Zukunft des Finanzsektors von Entwicklern gestaltet wird“, so die Aussage. „Die Branche steht am Beginn einer Transformation: Was es heißt, eine Investmentbank zu sein, wird sich radikal wandeln.“

Natürlich sind auch andere Banken auf den API-Zug aufgesprungen, aber die meisten räumen ein, dass Goldman Sachs länger und intensiver dabei ist als der Rest. „Man möchte offenbar Blackrocks Alladin werden”, so ein Konkurrent mit Blick auf die Plattform, die mit ihren Risikoanalyse- und Trading-Tools aktuell von einem der Großteil der Vermögensverwaltungsbranche genutzt wird.

JP Morgan hat in Sachen APIs ebenfalls viel vor. Der Goldman-Sachs-Konkurrent entwickelt aktuell APIs für sein Risiko- und Pricing-System „Athena“. Außerdem wurde „Morgan Markets“ an den Start gebracht, ein System mit dem Kunden Aktien handeln und Kostenschätzungen einholen können. Die APIs von JP Morgan sind jedoch nicht via Cloud offen zugänglich und daher weniger interaktiv als jene von Goldman Sachs. Dies könnte sich als Fehler erweisen. In zehn Jahren könnte Goldman Sachs als der Marktversorger bekannt sein – JP Morgan jedoch weiterhin nur als Bank.

Photo by Lucian Alexe on Unsplash

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