„Von den langen Handelstagen im europäischen Trading habe ich genug"

eFC logo
„Von den langen Handelstagen im europäischen Trading habe ich genug

Photo by Jordan Sanchez on Unsplash

Vor US-Tradern ziehe ich meinen Hut, denn sie befinden sich am rechten Ort. Wer jedoch wie ich in London arbeitet, dem gilt mein Beileid.

Derzeit beläuft sich die Marktkapitalisierung des S&P 500 auf rund 23 Billionen Dollar, während es beim STOXX 600 lediglich 13 Mrd. Dollar sind. Und dennoch dauert ein Handelstag in den Vereinigten Staaten nur sechseinhalb Stunden (von 9.30 bis 16 Uhr), während es in Europa üblicherweise achteinhalb Stunden sind (von 8 bis 16.30 Uhr).

Es ist schon reichlich unfair, dass wir Europäer jeden Tag zwei Stunden mehr arbeiten müssen. Dagegen fangen die US-Trader später an und hören früher auf.

Da die USA den Leitmarkt darstellen, macht es auch keinen Sinn. Viele Trader und Algorithmen finden am späten Morgen und am späten Nachmittag nicht genügend Handelsvolumen für kleine und mittlere Aktien – manchmal nicht einmal für große. Die Volumen legen erst zu, wenn die Märkte in den Vereinigten Staaten öffnen.

Wenn die Handelszeiten in Europa verringert würden, würden Volumen und Aktivität an den Märkten zunehmen, wovon Investoren profitieren dürften: Die Spreads der Aktien würden sinken und es fiele leichter, eine Position aufzubauen. Gleich wie klug die Algorithmen sind und wie viele Handelsplattformen es gibt: Wenn die Handelszeiten ausgedehnt werden, dann sinken die Volumen und steigen die Spreads unweigerlich.

Eine Ironie dabei ist, dass die Volumen zum Handelsende in Europa deutlich höher liegen als in den Vereinigten Staaten. Folglich müssen viele von uns mit ihren Trades auf die Schlussauktion warten, womit die übrigen Handelszeiten noch häufiger ungenutzt verstreichen.

Uns ist es gelungen, länderübergreifend Multilaterale Handelssysteme aufzubauen, wieso können wir uns dann nicht auf kürzere Handelszeiten einigen? Vielleicht können wir sogar einige Feiertage für europäische Aktienhändler einführen? Viele von uns arbeiten am 26. Dezember auf den kontinentaleuropäischen Märkten, während in Großbritannien der 26. ein Feiertag ist. Dabei geht es nicht allein darum, einen zusätzlichen freien Tag zu bekommen, wenn der größte EU-Markt geschlossen ist. Vielmehr sinken die Volumen dann zwischen 50 und 60 Prozent. Auch die Investoren würden profitieren.

Vielleicht denken Sie sich, ich sei lediglich auf kürzere Arbeitszeiten aus. Das stimmt zwar, aber es ist nicht der einzige Grund. Meine US-Kollegen haben mehr Zeit für Recherche und Analyse im Sinne ihrer Kunden. Sicherlich bringen die längeren europäischen Handelstage auch einige Vorteil mit. So können wir uns eine einstündige Mittags- sowie Kaffeepausen leisten. Es ist einfach nichts los, weil die Handelstage zu lang sind.

Bei Robert Jones handelt es sich um ein Pseudonym.

Ähnliche Artikel

Close
Loading...