Was die Quartalszahlen der Banken zu Beschäftigung und Bezahlung verheißen

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Was die Quartalszahlen der Banken zu Beschäftigung und Bezahlung verheißen

Mittlerweile haben die meisten Banken ihre Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Demnach fallen die Aussichten für Beschäftigung und Bezahlung recht trüb aus. Doch es gibt auch Investitionen – sogar außerhalb der IT.

Bank of America: Stellt im Front Office ein und investiert in die IT

Die Bank of America hat das Jahr 2019 damit verbracht, ihr Investment Banking-Geschäft zu restrukturieren, was erfolgreich gewesen zu sein scheint. Nachdem die Bank bis Oktober 50 Führungskräfte – einschließlich 17 Managing Directors – angeheuert hat, haben die Erträge im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 72 Prozent zugelegt. Die Einstellungen sind noch nicht vorbei. So baut die Bank  ein neues Private Sales and Divestures-Team auf, was bereits um vier auf 17 Banker gewachsen ist. Bis Sommer 2020 soll es auf 30 Leute anwachsen.

Beim Analysten-Call hat Finanzchef Paul Donofrio angekündigt, weiter in Kundenbetreuer und IT zu investieren. Von einem Sparprogramm kann denn auch bei der Bank of America keine Rede sein. So befindet sich die Bank of America bei ihrem Kostenziel von 53 Mrd. Dollar für 2019 auf Kurs. Im kommenden Jahr soll es auf gleichem Niveau liegen. Laut Konzernchef Bryan Moynihan seien die Kosten für das „Rückgrat“ der Bank um etwa 40 Prozent oder 2 Mrd. Dollar gesunken.

Unterdessen hat die Bank eine eigene Cloud mit 70.000 Rechnern aufgebaut. Vor zwei Jahren waren es noch 200.000 Rechner gewesen. Die Zahl der Datenzentren wurde von 67 auf 23 verringert. Die Bank will demnächst auf externe Cloud-Anbieter zurückgreifen, sobald Effizienz und Sicherheit gewährleistet sind.

Zur Bezahlung wurde indes nichts bekannt.

Barclays: Stellenabbau scheint vorbei zu sein, Bezahlung dürfte sinken

Laut Medienberichten soll bei Barclays ein Stellenabbau im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren anstehen. Doch bislang ist davon wenig zu sehen. Vielmehr haben die Sales und Trader ein exzellentes drittes Quartal hinter sich, in dem die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent stiegen. Die Mitarbeiter der Investment Banking Division können sogar auf das drittstärkste Quartal überhaupt zurückblicken, wofür vor allem das US-Geschäft verantwortlich war. Dagegen schnitt der Aktienhandel weniger gut ab. Dennoch bekräftigte Barclays-Chef Jess Staley an dem Geschäft festhalten zu wollen. Dagegen wollen sich die Deutsche Bank und auch teilweise HSBC aus dem Geschäftsfeld zurückziehen.

Im laufenden Jahr hat Barclays bereits 3000 Stellen abgebaut und das Ende scheint noch nicht in Sicht zu sein. Obgleich es im Investment Banking vergleichsweise rund läuft, ist die britische Großbank doch von einer angestrebten Eigenkapitalrendite von 9 Prozent weit entfernt. In den ersten neun Monaten waren es vielmehr 5,7 Prozent. Von daher verwundert es kaum, dass auch die Boni unter Druck geraten. So wurden die Rückstellungen im ersten Halbjahr um 23 Prozent verringert.

BNP Paribas: Investitionen in das ungeliebte Aktiengeschäft der Deutschen Bank

Obgleich der Aktienhandel der französischen Großbank ein miserables drittes Quartal hinter sich hat, übernimmt BNP Paribas von der Deutschen Bank die Prime Brokerage und den elektronischen Aktienhandel samt 800 Mitarbeitern. Schließlich will es BNP Paribas schaffen, zu den vier führenden Prime Brokerage-Anbietern aufzuschließen und Hedgefondsanlagen über 300 Mrd. Dollar einzusammeln, wie Bloomberg schreibt. Diese Anstrengungen dürften das gesamte kommende Jahr beanspruchen.

Doch in anderen Geschäftsbereichen stehen die Zeichen auf Sparkurs. Schon im Februar kündigte die Bank an, die Kosten bis 2020 um weitere 350 Mio. Euro zurückzufahren. 100 Mio. sollen noch im laufenden Jahr eingespart werden. Keine Informationen gibt es bislang zu einem weitergehenden Personalabbau im Corporate and Investment Banking. Die Bonusaussichten fallen indes trüb aus. Noch steht die Automatisierung ganz oben auf der Agenda. So hat die Bank nach eigenen Angaben in 300 „Roboter“ investiert. Vor diesem Hintergrund dürften im kommenden Jahr nur wenige Neueinstellungen anstehen.

Citi: Erste Anzeichen für steigende Boni

In August und September hat Citi hunderte von Jobs in ihrem Investment Banking sowie Sales and Trading abgebaut. Besonders bescheiden lief es im Aktienhandel, wo die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent nachgaben. Doch insgesamt zählte das Investment Banking von Citi zu den wenigen Beispielen, wo die Erträge tatsächlich leicht zulegten. Die Investmentbanker von Citi scheinen also noch einmal mit einem blauen Auge davonzukommen.

Laut Finanzchef Mark Mason will die Bank in seine Treasury and Trade Solutions (TTS) investieren. Der steigende Personalaufwand spricht übrigens für bessere Boni.

Credit Suisse: Restrukturierung von Global Markets abgeschlossen

Das Global Markets-Geschäft der Credit Suisse konnte mit einem exzellenten Ergebnis glänzen, was laut Finanzchef David Matters das Ergebnis einer dreijährigen Restrukturierung gewesen ist. Doch auch bei der Credit Suisse läuft nicht alles rund. So musste die Sparte Investment Banking and Capital Markets einen Verlust von 100 Mio. Franken in den ersten neun Monaten verkraften. Die Erträge fielen in M&A, ECM und DCM um 30, 19 bzw. 20 Prozent.

Laut Konzernchef Tidjane Thiam stehen vorerst keine weiteren Einsparungen im Investment Banking an. Vielmehr handle es sich um zyklisches Geschäft. Einstellungschancen gibt es in den Healthcare and TMT-Teams.

Deutsche Bank: 4000 Stellen im Corporate and Investment Banking abgebaut, hohe Einstellungszahlen bei Absolventen

Binnen Jahresfrist hat die Deutsche Bank 3800 Stellen in ihrem ehemaligen Investment Banking und 177 Stellen im Corporate Banking abgebaut. Allein in der neuen Capital Release Unit sind 2543 Front Office-Stellen verschwunden. Laut Finanzchef James von Moltke sind davon nur etwa 500 Leute unfreiwillig gegangen.

Theoretisch könnte der Stellenabbau im Investment Banking damit vorbei sein, wogegen das schlechte Geschäft im dritten Quartal spricht. Vielmehr sprechen die Bestellung eines neuen „Heads of transformation“ und die Aussage von Konzernchef Christian Sewing, wonach es sich bei der Restrukturierung eher um einen Marathon als einen Sprint handelt, für weitere Einschnitte. Bei einem Investorentag im Dezember wird hierüber hoffentlich mehr zu erfahren sein. Im Oktober gab es Berichte, wonach das Rates Trading-Geschäft um weitere 10 Prozent verkleinert werden könnte.

Bis dahin will die Deutsche Bank ihr Anleiheemissionsgeschäft stärken. Allerdings herrscht bei der Bank nahezu ein Einstellungsstopp. Sewing behält es sich sogar vor, jede Einstellung persönlich abzuzeichnen. Auf der anderen Seite scheint die Deutsche Bank verstärkt Hochschulabsolventen einzustellen.

Goldman Sachs: Warten auf den Investorentag im Januar, Investitionen in die Plattformen

Bei Goldman Sachs richten sich sämtliche Blicke auf den Investorentag am 29. Januar, wenn Konzernchef David Solomon seine Pläne für die kommenden fünf Jahre vorstellt.

Doch heute ist einiges absehbar: Solomons Plan besteht darin, „Plattformen“ zu schaffen, die zusätzliche Erträge zu minimalen Grenzkosten ermöglichen. Kurzfristig bedeutet dies, dass die Bank kräftig in IT-Talente und die Transaction Banking-Plattform investiert und versucht die Kosten in den Griff zu bekommen. Auf diese Weise soll sich die Eigenkapitalrendite der Bank um 60 Basispunkte verbessern. Langfristig sollen die Erträge deutlich schneller wachsen als die Kosten – doch das ist Zukunftsmusik.

Derzeit investiert Goldman Sachs kräftig in ihre Marquee-Plattform, womit dessen Risikomanagement- und Kursfindungs-Instrumente den Kunden direkt zur Verfügung gestellt werden soll. Schon 50.000 Nutzer weist sie auf. Weiter hat die Bank ein 18köpfige Multi Asset Sales-Team unter der Leitung von Kene Ejikeme in London geschaffen, die tausende weitere Kunden für die Marquee-Plattform gewinnen soll.

Der neue Ansatz von Goldman Sachs verspricht nichts gutes für die althergebrachten Boni. So ist der Personalaufwand pro Kopf im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf 246.000 Euro gefallen. Vielleicht liegt dies aber auch am Anheuern von günstigeren Retail-Mitarbeitern für ihre neue Marcus-Plattform.

HSBC: Böse Gerüchte, Warten auf den Stellenabbau

Die Mitarbeiter und vor allem die Trader von HSBC warten auf die Ankündigung einer revidierten Strategie, die wahrscheinlich recht schmerzhaft ausfallen wird. Interimschef Noe Quinn hat „substanzielle Einschnitte“ und „entschiedene Schritte“ angekündigt, die bei den Ergebnissen für das Jahr 2019 verkündet werden sollen.

Was die konkreten Maßnahmen betrifft, ist Quinn bislang im Vagen geblieben. Zuletzt gab es Berichte, wonach sich die HSBC aus dem Aktienhandel in Europa und den USA zurückziehen könnte. Stattdessen will Quinn Ressourcen nach Asien verlagern.

JP Morgan : Erträge und Gewinne im Investment Banking purzeln

Bislang hat JP Morgan keine Einschnitte angekündigt. Dennoch könnte die Sparte wohl eine gewisse Restrukturierung vertragen. In den ersten neun Monaten sind die Erträge um 1 Prozent und der Vorsteuergewinn sogar um 8 Prozent gefallen.

Unterdessen hat Konzernchef Jamie Dimon angekündigt, in automatische Trading-Algorithmen für den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Aktien zu investieren. Darüber hinaus hat die Bank Quants mit Trading-Lizenzen ausgestattet, womit es künftig weniger Arbeit für herkömmliche Trader geben dürfte. Stattdessen wird kräftig in das Künstliche Intelligenz-Team im Silicon Valley investiert.

Morgan Stanley: Vorerst kein Streichkonzert geplant

Morgan Stanley befindet sich in einer ähnlichen Situation wie JP Morgan. Die Erträge sinken und die Profite ebenso – nur schneller.

Während die Erträge im Geschäft mit institutionellen Kunden um 8 Prozent sanken, brach der Vorsteuergewinn um ein Fünftel ein. Dies macht Kostensenkungen immer wahrscheinlicher, obgleich sich Konzernchef James Gorman hierzu noch nicht geäußert hat.

Doch beim jüngsten Analysten-Call hat er geklagt, dass die Kosten schneller als die Erträge stiegen. Dies könne nicht so weitergehen. Ähnlich wie Goldman Sachs will Morgan Stanley durch die Nutzung von Skaleneffekten Erträge generieren – namentlich im Aktienhandel.

Wer im Geschäft mit institutionellen Kunden von Morgan Stanley arbeitet, sollte auf Rob Rooney achten, der seit 2018 die neue IT-Strategie umsetzt. „Rob Rooney leitet eine größere Reform unserer internen IT-Plattform“, sagte Gorman bei dem Analysten-Call. Dabei will die Bank Altsysteme unter Rooney durch neue ersetzen.

Auch wenn es Gorman nicht gesagt hat, dürfte ein Sparprogramm anstehen, falls die Erträge der Bank nicht rasch zulegen.

UBS: Heftiges Sparprogramm steht an

Nach einem miesen dritten Quartal steht bei der UBS ein Sparprogramm an. So will die Bank 90 Mio. Dollar in ihrem Investment Banking einsparen, was laut Finanzchef Kirt Gardner hauptsächlich zulasten des Personals gehen soll. Die tatsächlichen Einsparungen dürften noch höher ausfallen, denn bei den 90 Mio. Dollar handelt es sich um eine Nettozahl. Die Bank will weiter in ihre IT investieren.

Unterdessen verlassen immer mehr Führungskräfte die UBS. In der vergangenen Woche sind der Chef des Aktienemissionsgeschäfts Javier Martinez-Piqueras und der Chef des Schweizer Investment Bankings Philippe Pillonel gegangen. Auch in der Londoner Investment Banking Division gab es Einschnitte. Schon im September hat die Bank angekündigt, die Co-heads der Geschäftseinheiten zurechtzustutzen.

Angesichts des Einbruchs des Vorsteuergewinns im Investment Banking von 63 Prozent im dritten Quartal könnten sich Einsparungen von 90 Mio. Dollar als zu gering erweisen. Vorsorglich hat UBS-Chef Sergio Ermotti angekündigt: „Nichts ist unantastbar“.

Wie die meisten Banken sucht die UBS ihr Heil im Kostenabbau und in IT-Investitionen. Laut Ermotti erlaube das 90 Mio. Dollar-Sparprogramm Investitionen in die Digitale Transformation.

Unterdessen ist der Personalaufwand pro Kopf in den ersten neun Monaten von 484.000 im Jahr 2018 auf 400.000 Dollar 2019 gefallen.

 

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