Der stressigste Job bei der Deutschen Bank

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Der stressigste Job bei der Deutschen Bank

Es ist schon reichlich unfair: Neben seinem eigentlichen Job als Deutsche Bank-Chef leitet Christian Sewing auch noch das Investment Banking, bekommt aber nur ein einziges Gehalt. Doch dies dürfte bald vorbei sein. Laut der Financial Times (FT) sollen die Aufsichtsbehörden die Vereinigung beider Funktionen kritisch sehen.

Anschließend hat sich die Europäische Zentralbank als oberste Aufsichtsbehörde zu einem lauwarmen Dementi veranlasst gesehen. Weiter zitiert die FT Investoren, wonach sich Sewing zu rar machen würde. Offenkundig gibt es hier ein Problem.

Dagegen könnte man einwenden, dass Barclays-Chef Jes Staley ebenfalls das Investment Banking direkt überwacht und auch JP Morgan-Chef Jamie Dimon sich in die Angelegenheiten seiner Investmentbanker einmischt. Doch diese Fälle sind nicht wirklich gleichgelagert. So geht Sewings Micromanagement weiter als bei allen anderen Vorstandsvorsitzenden – beispielsweise behält er sich vor, jede Neueinstellung selbst abzuzeichnen. Darüber hinaus herrscht auf den Führungsebenen darunter wenig Stabilität. Vielmehr hat die Deutsche Bank auf der Ebene der regionalen und produktspezifischen Führungskräfte mit einer regen Mitarbeiterfluktuation zu kämpfen, wodurch das hohe Management mehr Verantwortung übernehmen muss.

Obgleich etwa die Hälfte der risikobasierten Aktiva des Investmentbankings mittlerweile in die Capital Release Unit der Deutschen Bank überführt wurden, hat die Sparte doch immer noch eine Bilanzsumme von etwas unter einer halben Billion Euro, was groß genug für reichlich Ärger ist. Im Investment Banking entstehen regelmäßig dann Probleme, wenn Leute unter Stress falsche Entscheidungen fällen und die negativen Folgen davon nicht sofort auffallen. Tatsächlich stehen derzeit die Risikoträger der Bank unter beträchtlichem Druck. Von daher bereitet es schon Sorgen, wenn Schlüsselkennzahlen an Leute gehen, die einfach nicht die Zeit haben, ihnen die nötige Aufmerksamkeit zu gewähren.

Noch bedenklicher dürfte der Eindruck sein, den dies hinterlässt. Als Sewing die Aufgaben des ehemaligen Deutsche Bank Investment Banking-Chefs Garth Ritchie übernahm, wollte er eigentlich die Restrukturierung der Sparte vorantreiben und sicherstellen, dass die Widerstände gegen Sparmaßnahmen überwunden werden. Aus diesem Grund ist das Investmentbanking auch nicht eigens im Vorstand vertreten. Doch im Laufe der fortschreitenden Umsetzung und mit der neuen Vorstandsfunktion eines „Head of Transformation“ überzeugt dieses Argument immer weniger. Vielmehr sieht es danach aus, als ob die Deutsche Bank nicht in der Lage wäre, entsprechende Talente anzuziehen und dass es niemanden in der Bank gäbe, der für eine solche Beförderung in Frage komme. Auch beginnt man den Eindruck zu gewinnen, dass es jenseits der Sparmaßnahmen keine Strategie für das Investment Banking gibt. Und verpasste Chancen und schlechte Geschäfte können mehr Kosten als Mitarbeiter und Bloomberg-Terminals verursachen. Der Versuch, ein Geschäft mit hunderten von Mrd. Euro von risikogewichteten Aktiva ohne einschlägiges Führungspersonal zu betreiben, könnte sich als hochgefährlich erweisen.

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