Die kuriose Karriere der neuen UBS Europe-Chefin

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Die kuriose Karriere der neuen UBS Europe-Chefin

So mancher Kunsthändler war vorher Banker. Photo by Jared Poledna on Unsplash

Karrieren in Deutschland und der Schweiz müssen normalerweise geradlinig verlaufen – Karriereschlenker sind tabu. Wer also aus der Branche ausgestiegen und nicht in verwandten Bereichen wie Private Equity oder Financial Services Consulting untergekommen ist, taucht in der Branche selten wieder auf.

Doch jede Regel kennt eine Ausnahme – und in diesem Fall ein prominente: Christine („Christl“) Novakovic, die laut dem Handelsblatt den Kampf um den Chefposten der UBS Europe SE gewonnen hat und ihren Posten am 1. September antritt. Sie war zwischenzeitlich vier Jahre lang im Zürcher Kunsthandel tätig, bevor sie 2011 ins Banking zurückkehrte.

Ein Karriereschritt, der auch in der Schweiz unüblich ist. „Das sieht man hier so nicht. Frau Novakovic ist schon ein sehr spezieller Fall“, erzählt ein aufs Wealth Management spezialisierter Headhunter aus Zürich.

Ihr Karriereweg ist umso erstaunlicher, als sich Novakovic 2005 lautstark aus der Branche verabschiedete, nachdem sie gerade einmal ein Jahr im Vorstand der HypoVereinsbank in München gesessen hatte, wo sie u.a. fürs Private Banking, Asset Management und Retail Banking zuständig war. Zwar gebe es Vorstände, mit denen sie gerne zusammenarbeite… „Aber häufiger sind die anderen, die sich im Job aufbrausend und herrschsüchtig geben, die echte Kotzbrocken sind.“ In vielen Banken herrsche „Zockerei“.

Stattdessen zog Novakovic nach Zürich, heiratete erneut und betätigte sich an der Limmat als Kunsthändlerin. Zunächst arbeitete sie zwei Jahre beim Zürcher Kunsthandelshaus Barr & Ochsner, um sich anschließend mit der CNB AG als Kunsthändlerin und Beraterin selbständig zu machen. „Ich fühlte mich endlich frei“, sagte die dem Handelsblatt.

Dabei hatte Novakovic eigentlich eine klassische Banking-Karriere hinter sich. Nach einem BWL-Studium an der Wirtschaftsuni Bocconi in Mailand, hat die gebürtige Südtirolerin ihre Karriere 1990 als Traderin bei der Dresdner Bank begonnen. Schon 1992 folge der Wechsel zur UBS (Deutschland) AG nach Frankfurt, wo sie u.a. im Treasury tätig war. 1996 wechselte sie dann in ähnlicher Funktion zur damaligen Citibank in Frankfurt, wo sie bereits 1998 in den Vorstand einzog. Von 2001 fungierte sie sogar als Vorstandschefin der damaligen Privatkundenbank des Citi-Konzerns in Deutschland.

Umso erstaunlicher ist, dass ihr nach der kurzen Station im Vorstand der HypoVereinsbank und mehreren Jahren im Zürcher Kunsthandel 2011 die Rückkehr ins Banking gelang. Sie zog sogleich in den Vorstand der UBS Schweiz ein, war erst Head of Corporate & Institutional Clients und ab 2014 Head of Investment Banking in der Schweiz. Laut dem Handelsblatt hätte ihre gute Vernetzung in Zürich ihr bei der Beförderung auf den Chefposten geholfen.

Welche Auswirkung die Beförderung von Novakovic aufs Investment Banking der UBS Europe SE hat, ist noch ungewiss. Laut einem Unternehmenssprecher sei sie als CEO der Bank zwar formell dem neuen Investment Banking-Chef Tobias („Toby“) Vogel übergeordnet, doch fachlich leite er – ebenfalls Vorstandsmitglied – das Investment Banking in Deutschland. Überdies Vogel Head of Equities für Europa, Afrika und den Mittleren Osten.

Von einer Leitung des gesamten Investment Bankings der Rest-EU (ohne Großbritannien und die Schweiz natürlich) kann also keine Rede sein. Dabei hatte die UBS ihre Londoner Gesellschaft im März rechtlich in die UBS Europe SE integriert. Mit einem Umzug von Mitarbeitern sei dies nicht notwendigerweise verbunden. Nach dem Geschäftsbericht 2018 waren in Frankfurt Ende 2018 gerade einmal 43 Front Office-Banker beschäftigt. Ein Brexit-Stellensegen sieht irgendwie anders aus.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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