GASTBEITRAG: Wie man ohne Vitamin B ins Investment Banking gelangt

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GASTBEITRAG: Wie man ohne Vitamin B ins Investment Banking gelangt

Photo by 青 晨 on Unsplash

Ich studiere an einer britischen Top-Uni und möchte ins Banking. Weder arbeitet jemand aus meiner Familie in Banking oder Finance noch kannte ich – bis vor kurzem – jemanden aus der Branche. Auch heute noch stellt dies ein Problem dar.

Als ich herumtelefoniert habe, um einen Platz in den Sommer- bzw. Spring-Programmen der Investmentbanken zu bekommen, wurde mir von einer führenden europäischen Bank gesagt, ich müsse einen Managing Director oder einen Vice President kennen, damit meine Anfrage bearbeitet werde. Ich kannte niemanden, nicht einmal einen Analysten bei der Bank, schon gar nicht eine Führungskraft.

Das war schon höchst entmutigend. Es sah so aus, dass mein familiärer Hintergrund mir einen Einstieg ins Investment Banking unmöglich machen würde. Damit lag ich falsch. Zwei Jahre später habe ich Praktika bei Hedgefonds Caxtons und der Bank of England hinter mir und einen Platz im Sommerprogramm 2020 des Barclays-Investmentbankings.

Das ist mir aber nicht leicht gefallen. Einige der Verhaltensmuster und Eigenarten sind Leuten wie mir schon etwas fremd. Etikette und Dresscode können schon eine Herausforderung darstellen, vieles bleibt ungesagt.

Doch die Leute sind hilfsbereit. Es gibt eine Menge Ressourcen, die unterprivilegierten Studenten helfen, die in den Finanzdienstleistungen anfangen wollen. In Großbritannien helfen z.B. upReach, SEO London und RARE recruitment unterrepräsentierten Studenten weiter. Ihre Trainings und Tipps stellen für Studenten wie mich eine Chance dar, ein Praktikum oder weitere Beschäftigung im Banking zu finden. Das solltet Ihr nutzen.

Darüber hinaus gibt es viele kostenlose Quellen, um sich über die Finanzbranche zu informieren. So habe ich Bloomberg auf Youtube gesehen, habe das Podcast der Financial Times auf Spotify abonniert und habe Newsfeeds wie Fiminize verfolgt. Banken sehen es gerne, wenn Ihr Euch anstrengt, etwas über die Märkte zu lernen. Weiter könnt Ihr auch Programmieren und fortgeschrittene Excel-Anwendungen lernen. Beides wird von Banken intensiv gesucht.

Auch kann man Kontakte zu Bankern aufbauen, wenn man keine besitzt. Bei Vorträgen und Campusveranstaltungen konnte ich ein breites Netzwerk zu Bankern aufbauen, das mir weitergeholfen hat. Darunter verstehe ich nicht einfach, Linkedin-Kontakte zu Bankern hinzuzufügen, sondern sie proaktiv anzusprechen und ihr Wissen zu nutzen, um mich auf die Herausforderungen eines Praktikums vorzubereiten. Besonders glücklich bin ich, dass ich eine Mentorin bei der Bank of England finden konnte. Von ihrem großen Wissen profitiere ich, was in einer so brutalen Branche schon wichtig ist. Ihre Ratschläge haben mir auch bei der Bewerbung um Praktikumsplätze und beim Besuch von Assessment Centers weitergeholfen, wofür ich ihr dankbar bin.

Wer nicht zu den Privilegierten zählt, hat in den Finanzdienstleistungen wie auch in anderen Branchen einen klaren Startnachteil. Dennoch kann man einen Fuß in die Tür bekommen. Dazu müsst Ihr am besten eigene Türen schaffen, bis sich eine davon für Euch öffnet. Es kostet zwar viel Arbeit, aber es ist möglich.

Trevon Scott-Geohaghon studiert Wirtschaftswissenschaften an der University of Warwick in England.

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