Wieso viele Londoner Trading-Jobs niemals in Frankfurt ankommen

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Wieso viele Londoner Trading-Jobs niemals in Frankfurt ankommen

Trader, die von einem Umzug von London nach Frankfurt oder Paris betroffen sein könnten, erhalten womöglich eine Galgenfrist. Zwar haben die Banken bereits ihre Niederlassungen in Kontinentaleuropa auf die Ankunft Londoner Trader vorbereitet, doch die Kunden scheinen dabei nicht mitzumachen.

Davon sprechen zumindest Rechtsanwälte, die Banken bei ihren Brexit-Plänen beraten. „Die Banken befinden sich unter dem Druck der Aufsichtsbehörden, die auf einen Umzug bestehen. Aber die Kunden sind nicht bereit, das Geschäft mit London aufzugeben“, sagt Chris Bates von der auf Regulierung spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Clifford Chance. „Obgleich die Aufsichtsbehörden es gerne gesehen hätten, dass die Banken die Verschiebung [des Brexits] weise genutzt hätten, ist dies nicht möglich gewesen, weil die Banken auf die Kunden angewiesen sind, die eigene Präferenzen setzen.“

Keine Bank hat bislang behauptet, dass die Kunden nicht mit ihren kontinentaleuropäischen Gesellschaften handeln wollten, räumte zumindest Barclays bei den jüngsten Quartalszahlen ein Problem damit ein. „Wir haben alle erforderlichen Kontrollsysteme aufgebaut. Wir haben die erforderlichen Leute eingestellt. Und dann sind wir in den zurückliegenden Monaten zur Migration übergangen. Wir haben es dabei weitgehend den Kunden überlassen, von einer zur anderen Plattform zu wechseln“, sagte Barclays Chef Jes Staley bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen. Laut Staley sei die Kundenmigration ziemlich gut gelaufen, was für keinen großartigen Erfolg spricht.

Schon lange hat sich Rechtsanwalt Barnabas Reynolds von der Kanzlei Shearman & Sterling  gegen die düsteren Brexit-Prognosen gewandt. „Letztlich werden die Kunden zu dem Markt kommen, wo sie die besten Preise erhalten“, sagt Reynolds. „So lange Großbritannien wettbewerbsfähig bleibt und die beste Liquidität, die besten Spreads und die besten Kurse anbietet, kommen die Leute zu uns. Nur das zählt.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission dürften dies anders sehen. So dürfen Schweizer Banken und die Schweizer Börse nicht so einfach Schweizer Werte an Kunden in der EU verkaufen – inklusiv der SMI-Schwergewichte Novartis oder Nestlé.

Das heißt jedoch noch lange nicht, dass die Jobs sofort auf den Kontinent verlagert werden. So hat die EZB die Möglichkeit eines sogenannten „Back to back-tradings“ noch nicht völlig ausgeschlossen, womit die Trades in der EU in London dupliziert werden und das Hauptrisiko in London angesiedelt ist.

„Die EZB sagt immer noch, dass sie keine Geschäftsmodelle begrüßt, die auf ‚Back-to-back-trading‘ basieren und dass die Banken in der EU in der Lage sind, ihre Risiken vor Ort zu managen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das ‚Back-to-back-trading‘ vollkommen ausgeschlossen ist“, meint Bates. „In der Praxis sehen wir, das die Banken von außerhalb der Rest-EU Arrangements aushandeln, wonach die Risiken im Verlauf der Zeit übertragen werden.“ Dabei habe jede Bank ein anderes Arrangement, sagt Bates. „Mittlerweile ist klar, dass die EZB mit den Banken individuell spricht.“

Selbst wenn die Banken möglichst viel Trading nach Kontinentaleuropa verschieben, dürfte das „Back-to-back-trading“ kaum aussterben. Laut Bates handle es sich dabei um eine integrale Praxis des globalen Finanzsystems: „Ein Bann durch die EZB wäre einzigartig.“

Schon aus diesem Grund werden Trader immer auch in London zuhause sein, selbst wenn sie mit kontinentaleuropäischen Wertpapieren handeln. So schnell würde das kaum laufen, meint Reynolds: „Niemand hat in den vergangenen 400 Jahren künstlich ein Finanzzentrum geschaffen.“

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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