Brexit macht deutschen M&A-Experten in London (noch) keine Angst

eFC logo
Brexit macht deutschen M&A-Experten in London (noch) keine Angst

Foto: Getty Images

Wenn man dem Boris-Getöse Glauben schenkt, dann ist am 31. Oktober Schluss mit der EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs. Während sich so mancher Mitarbeiter aus dem Sales & Trading um seine berufliche Zukunft sorgt, zeigen sich deutsche M&A-Experten in London erstaunlich entspannt.

„Fast alle M&A-Banker fürchten das fast gar nicht, da das Advisory-Business nicht an einen Standort gebunden ist“, berichtet ein junger deutscher Investmentbanker aus London. „Meine Capital Markets-Kollegen sehen das schon eher besorgt.“

„Die Juniors befürchten keine Auswirkungen auf den Arbeitsplatz. Uns wurde von der Bank mitgeteilt, dass in der Investment Banking Division keine Jobauslagerungen stattfinden, eher im Trading, Equity Sales etc.“, erzählt ein anderer deutscher Investment Banking-Junior aus der britischen Hauptstadt.

Dennoch ist auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A), Aktien- und Anleiheemissionen nicht von den negativen Auswirkungen des Brexits gefeit. Vor allem ein Einbruch der Konjunktur auf der Insel könnte zu einem merklichen Abflauen des Geschäftsvolumens führen.

„Generell wollen alle Banker eine starke britische Wirtschaft und ein starkes Pfund“, ergänzt der erste Junior. „Einige glauben, dass Boris dies schaffen kann, andere denken, dass er zu antieuropäische denkt und damit das Risiko auf einen ‚no deal‘ steigt.“ Freilich seien diese Sorgen bei dem Mitarbeitern aus Kontinentaleuropa besonders ausgeprägt. Kein Wunder, bedeutet ein schwaches Pfund doch, dass die hart erarbeiteten Gehälter in Euro weniger wert sind.

Doch auch jenseits des Wechselkurses sollten sich die M&A-Banker in London Sorgen machen. Zwar ist es richtig, dass aufgrund des „EU-Passportings“ zunächst der Handel und Vertrieb von Wertpapieren von London aus in Resteuropa bedroht ist, doch mit einem ungeregelten Brexit wäre auch die Dienstleistungsfreiheit obsolet.

Laut Professor Jan-Christoph Rülke, der an der EBS in Oestrich-Winkel VWL lehrt, falle die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und der EU bei einem ungeregelten Brexit auf das Regelwerk der Welthandelsorganisation WTO zurück, unter das keine Dienstleistungen fallen. Ob Banken und Boutiquen weiterhin M&A-Beratung aus London aus für deutsche, französische und italienische Unternehmen anbieten dürfen, ist dann zumindest fraglich.

Von daher rechnet der erste Junior auch damit, dass die kontinentaleuropäischen M&A-Teams vom Brexit-Szenario profitieren werden. „Bezüglich der Investment Banking Division werden die Teams in Paris und Frankfurt wohl leicht wachsen“, sagt er.

Eine Eintrübung der britische Konjunktur infolge des Brexits dürfte ebenfalls kaum spurlos am Londoner M&A-Geschäft vorübergehen. „Allerdings habe ich mich beispielsweise kürzlich mit einem Managing Director unterhalten, der die Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit unter Boris Johnson recht hoch einschätzt“, erzählt der zweite M&A-Junior.

„Als Konsequenz könnten nun vermehrt Unternehmen aufs europäische Festland switchen bzw. der Handel allgemein merklich zurückgehen, was konsequenterweise zu einem Umsatzrückgang der hiesigen Unternehmen führen kann, was das Budget für M&A-Transaktionen reduziert.“

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

Ähnliche Artikel

Close
Loading...