GASTBEITRAG: Wieso IT-Absolventen bei Banken statt IT-Firmen anfangen sollten

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GASTBEITRAG: Wieso IT-Absolventen bei Banken statt IT-Firmen anfangen sollten

Als ich in den wilden 90er Jahren als Informatikstudent ein Praktikum absolvierte, zählten Banken und größere Hedgefonds zu den klaren Favoriten, wenn man als Entwickler anständig Geld verdienen und Karriere machen wollte. Doch das ist längst nicht mehr der Fall. Viele Softwarehäuser wie Google, Amazon oder Facebook bieten ebenso viel oder mehr Geld als Banken und sogar etablierte Start-ups können mithalten. Doch abgesehen vom Geld bieten Banken Programmierern m. E. immer noch eine sehr gute, abgerundete erste Berufserfahrung.

Banking-IT-Jobs ermöglichen Erfahrung mit Endnutzern

Einer der zentralen Unterschiede besteht in der Erfahrung im Umgang mit den Nutzern in einer Bank oder einem Hedgefonds. Wer in einem Geschäftsbereich arbeitet, hat gute Chancen, mit Nutzern zusammenzuarbeiten und eine Beziehung zu ihnen aufbauzubauen.

Mit Tradern zurechtzukommen, die durch schlechte Software Geld verlieren können, wirkt Wunder auf Ihre Kommunikationskompetenz. Man bekommt sofort Feedback auf seine Arbeit und sieht den Einfluss, den die IT aufs Geschäft hat. Sicherlich kann man auch im Kernteam landen, wo das nicht der Fall ist, doch diese Teams bringen dafür ihre eigenen Vorteile mit.

Banken-IT-Jobs bringen Ihnen bei, mit überholter IT zurechtzukommen

Bei Ihrer Arbeit als Programmierer werden Sie mit Codes zu tun bekommen, die als veraltet gelten, weil dessen Entwickler nicht mehr hier arbeiten, die Qualität mangelhaft ist oder die Lösung keinen Support mehr erhält. Das Verstehen, die Pflege und die Verbesserung von veraltetem Code stellt eine Kompetenz in sich selbst dar, wobei Banken viel anzubieten haben. Derartige Erfahrung kann man bei keiner Uni oder frischem Start-up erwerben.

Bei Banking-IT-Jobs lernen Sie viele Funktionen und Kollegen kennen

Mal abgesehen von dem branchenüblichen Frauenmangel wird die Banking-IT von sehr unterschiedlichen Leuten bevölkert. Sie werden mit Leuten aus aller Welt zusammenarbeiten, mit unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen. Mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zurechtzukommen, stellt eine wichtige Kompetenz dar. Und das gilt auch für das Geschäft, wo der Frauenmangel nicht ganz so groß ausfällt.

Da Banken für die unterschiedlichsten Bereiche einstellen, fallen die verfügbaren Aufgaben recht vielseitig aus. An welchen Technologien Sie auch immer interessiert sind, stehen die Chancen gut, dass sich ein Team damit beschäftigt. Dabei können Sie leicht intern wechseln. Darüber hinaus bieten viele Programme irgendeine Form von Rotation für Uniabsolventen an.

Banking-IT-Jobs ermöglichen an aufregenden Modernisierungsprojekten mitzuarbeiten

Obgleich Banken durch die funktionale Komplexität stets zurückgehalten werden, bemühen sie sich doch Digitalisierung und Automatisierung voranzutreiben. Dies eröffnet interessante Chancen und Arbeitsweisen, die man normalerweise mit einem solchen Unternehmen nicht in Verbindung bringt.

Die IT-Teams befinden sich heute in deutlich besserem Zustand, als ich begonnen habe. Die Teams verfügen jetzt üblicherweise über einen gut integrierten kontinuierlichen Arbeitsablauf und viele entwickeln mit modernen Technologien wie React und Kotlin. Komplexe Kundenanwendungen werden in .NET gebaut und normalerweise ins Netz hochgeladen. Banken entwickeln sogar ihre eigene Design-Sprachen mit spezialisierten UX-Teams.

Banken verfügen über strukturierte Trainings und Networking-Veranstaltungen

IT-Praktika und Trainee-Programme von Banken sind meist sehr strukturiert mit langen Trainings sowohl in fachlichen Fragen als auch in Softskills. Als ich mein einjähriges Praktikum antrat, mussten wir jeden Monat vor Führungskräften eine Gruppenpräsentation über eine Thema halten, welches uns von der Personalabteilung vorgegeben worden war. Dadurch waren wir am Ende des Jahres in der Lage, überzeugende Präsentationen ohne viel Aufhebens und Übung zu halten.

Bei den IT-Praktikanten und Absolventen handelt es sich meist um eng verbundene Gruppen. Dort finden Sie Freunde fürs Leben und ich habe sogar schon gesehen, wie dort Ehen gestiftet wurden. Diese Leute werden Ihnen auch in Zukunft bei Jobs weiterhelfen, wenn die Leute gehen und sich über die Branche verteilen.

Somit gibt es also immer noch gute Gründe, nach der Uni bei Banken und größeren Fonds anzufangen. Ich würde meine Karriere wieder bei einer Bank beginnen – aufgrund der Fülle an Kompetenzen, die ich dort erworben habe, auch wenn die Mehrzahl nicht technischer Natur waren. Dennoch trifft es zu, dass man unterbezahlt ist, sobald man den Associate-Level erreicht, und dass dann der Punkt zu gehen erreicht ist. Doch auch dagegen scheinen die Banken heute etwas zu unternehmen.

Bei John Ball handelt es sich um ein Pseudonym einer IT-Führungskraft einer US-Bank.

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