„Das optimale Alter im Banking ist 28“

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„Das optimale Alter im Banking ist 28“

Wenn die Zeit fürs Toupet gekommen ist.

Als ich 50 wurde, habe ich für eine große Bank in New York gearbeitet. Ich musste an einem telefonischen Pflichttermin zum Thema Diversity teilnehmen, in dem die Personalabteilung alle ihre Initiativen skizzierte. Nachdem ich einer ausführlichen Diskussion über Gender, körperliche Behinderung, Rasse und sexuelle Orientierung gefolgt war, wurde uns die Gelegenheit für Fragen eingeräumt. Ich fragte: ‚Wie sieht das mit Leuten über 40 oder 50 aus? Wie stellen wir sicher, dass unsere Mitarbeiter unserer Gesellschaft entsprechen, damit unsere fähigen, aber älteren Mitarbeiter geschätzt und ebenso behandelt werden wie alle anderen auch?‘“ Die Antwort lautete: „Wir erfassen das Alter nicht wirklich und natürlich sind wir ein inklusiver Arbeitgeber … blablabla.“

Tatsächlich wurde also jede Antwort gescheut. Fünf Jahre später habe ich bei einer anderen internationalen Großbank für jemanden gearbeitet, der nur fünf Jahre jünger als ich war – also ebenfalls über 50. Er trug ein Toupet und verzog keine Miene. Er informierte mich, ihn habe jemand als ein wenig altmodisch bezeichnet. Er betrachtete sich wohl als „jung und dynamisch“ wie sein Toupet.

Der Kollege war offenkundig unsicher über sein Alter bzw. Image und wollte jung erscheinen. Wie es die Ironie will, sind alle Leute, die solche Unternehmen führen, über 40 oder 50 Jahre alt. Der Jugendwahn setzt sich die Hierarchiestufen hinunter fort. Doch wie lautet das magische Alter? 28? Und warum? Schließlich handelt sich beim Banking um keine Sportart wie Fußball oder Baseball. In einem wissensbasierten Geschäft sollten Erfahrung und Weisheit eine Rolle spielen. Auch sollten sich die Banken stattdessen nicht auf Expertise aus zweiter Hand von überbezahlten Consulting-Unternehmen verlassen.

Wer Erfahrung für unwichtig hält, sollte bei seinem nächsten Herzinfarkt bei der Einlieferung ins Krankenhaus nach dem jüngsten Arzt mit einer 20-Stunden-Schicht fragen.

Was den Kostenfaktor betrifft: Hat jemand schon einmal das Durchschnittsalter all der Leute berechnet, die in den Verbriefungsabteilungen gearbeitet haben, die die Banken- in eine Ruinenlandschaft verwandelten, was wiederum in die Finanzkrise mündete? Ähnliches gilt für die Leute, die Währungskurse, den LIBOR oder anderes manipulierten. Ich wette, sie standen ihrem 30 Geburtstag näher als ihrem 50. Ebenfalls wette ich, dass die Einsparungen beim erfahreneren Personal die Krisenkosten kompensieren.

Denn für Erfahrung gibt es keinen Ersatz. Zwar verlieren einige Leute ihren Antrieb, dies gilt aber nicht für alle. Viele von uns haben immer noch Feuer im… Wir scheren uns nicht um die Generation der Millennials und sind in der Lage, in dieser schwierigen Umfeld beständigere Ergebnisse zu erzielen.

Ich selbst habe über viele Jahre rund um die Welt Ergebnisse geliefert und dabei viele strukturelle, regulatorische und andere Veränderung der Märkte miterlebt. Ich bleibe auf dem Laufenden, engagiert und interessiert. Diese Form des Wissens lässt sich nicht mit einem MBA erwerben und kann auch nicht durch die Kombination von IT und jugendlichem Ehrgeiz ersetzt werden.

Die Personalabteilung muss also aufwachen. Sie bekommen, wofür Sie zahlen. Nachdem die Banken Abermillionen für Bußen und Fehler bezahlen mussten, ist es jetzt vielleicht Zeit gekommen, das Schicksal der Banken in sicherere, beständigere und weisere Hände zu legen.

Bei John Smith handelt es sich um ein Pseudonym.

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