Wieso ich keinerlei Interesse an GitHub-Sponsoren habe

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Wieso ich keinerlei Interesse an GitHub-Sponsoren habe

Wenn Sie bei einer Bank mit einem großen Firmengeschäft an Open-Source-Projekten arbeiten, dann hört sich das für Programmierer wie ein Traumjob an. Niemand schreibt Ihnen etwas vor, Sie können an dem arbeiten, was Sie wollen, mit wem Sie wollen und wann Sie wollen. Sie können die richtigen Dinge machen und dabei sogar noch in Ihre IT-Kenntnisse investieren. Sie können Ihre Karriere voranbringen, indem Sie diejenigen Kompetenzen, Kenntnisse, Erfahrungen und Förderung erwerben, die Sie nirgendwo anders erhalten. Alles ist einfach ideal – abgesehen von der Bezahlung. Doch vielleicht wird sich das ändern.

GitHub, die meistgenutzte Fundgrube von Open Source-Codes, hat jetzt GitHub-Sponsors angekündigt. Derzeit handelt es sich noch um eine öffentliche Beta-Version. Dabei unterstützen Sponsoren die Entwickler finanziell beim Programmieren von Open Source-Projekten, die für sie interessant sind. Jeder mit einem GitHub-Account kann jemanden mit einem entsprechenden Profil mit einer monatlichen Bezahlung unterstützen. Damit ähnelt das Modell der Patreon-Plattform, die von unabhängigen Medienschaffenden gemeinsam genutzt wird und sich anfänglich auf Open Source-Projekte konzentrierte (Vue.js und Laravel lassen sich das jedes Jahr sechsstellige Beträge kosten.) Doch derzeit ist auf GitHub lediglich Einzelpersonen erlaubt, andere Personen zu unterstützen.

Wenn Sie von Ihrem Programmierjob bei einem Unternehmen die Nase voll haben, dann hört sich das verführerisch an. Doch die Beteiligung an Open Source-Projekten kann schon fordernd sein, wenn Sie ganz nebenbei für ein Unternehmen arbeiten bzw. für eine Familie sorgen müssen. Nach einer Arbeitswoche mit 50 und mehr Stunden, kann es schon schwer fallen, Zeit und mentale Ressourcen zu finden.

Darüber hinaus stellt GitHub so etwas wie ein rechtliches Minenfeld dar, besonders wenn das Projekt mit Ihrem Arbeitgeber zusammenhängt. Wenn ich als Angestellter einer großen Bank beispielweise an der Trading-Algorithmen-Maschine ZipLine arbeiten würde, dann hätte ich ein großes Problem. Geld für ein Projekt anzunehmen, das später erfolgreich wird, würde die Angelegenheit nur noch verschlimmern. Das könnte als Schwarzarbeit begriffen werden, was wenige Arbeitgeber tolerieren. Diese Situation kann sich nur verbessern, wenn auch Unternehmen sponsern dürfen. GitHub könnte ein Modell wie Webpack annehmen, welches Unternehmen Spenden ermöglicht. Doch auch das dürfte von vielen Bank ungern gesehen werden.

Für mich selbst und viele andere, die Entwicklerjobs in Banken haben, beeinträchtigen Sponsoren meine Motivation. Wer an der reinen Idee der Shared Economy festhält, für den scheint die Unterstützung für Open Source-Projekte der falsche Weg zu sein. Ich möchte nicht dem Druck unterliegen, die Sponsoren bei der Stange zu halten. Ich möchte ihre künftigen Anfragen und die Fehlerbekämpfung nicht priorisieren. Die Zeit, die ich auf GitHub verbringe, steigert meine Leidenschaft, ich leiste kostenlose Arbeit und arbeite an Projekten, um ihrer selbst willen und nicht wegen des Geldes. Das soll sich auch nicht ändern.

Bei Ian MacDonald handelt es sich um ein Pseudonym. Er arbeitet als Programmierer für eine Investmentbank.

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