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GASTBEITRAG: Wieso ich als habilitierter Mediävist den CFA gemacht habe

CFA

Max Lieberman wurde mit einer Arbeit über den Ritterschlag im Mittelalter habilitiert.

Max Lieberman ist Privadozent für Geschichte des Mittelalters an der Uni Zürich. Nebenbei arbeitet er als „Requests for Proposal“-Writer (RfP) bei der Bank Safra Sarasin. Hier seine Geschichte:

Als „RfP-Writer“ bei der Bank J. Safra Sarasin obliegt es mir, auf Anfragen institutioneller Kunden zu antworten, die vor größeren Anlageentscheidungen stehen und daher ausführliche und verbindliche Informationen zur Bank und dem hauseigenen Fondssortiment wünschen („RfP“ steht für die englische Bezeichnung solcher Kundenanfragen: „Requests for Proposal“). Ausserdem schreibe ich die Standard RfPs, welche für die verschiedenen Anlagestrategien die zuständigen Teams und den jeweiligen Investmentprozess dokumentieren (je nachdem vom Makro-Research über die Generierung von Anlageideen, die Titelselektion und Portfoliokonstruktion bis hin zum Controlling). Angesichts der breiten Palette an Fonds, welche ich kennen muss, bietet der Job inhaltlich reichlich Abwechslung. Ein weiterer Pluspunkt ist der Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen weltweit, von den Produktspezialisten über das Asset Management zu den Client Relationship Managern.

Was dies aber mit Geschichte des Mittelalters zu tun hat, ist vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich. In meinem Fall drängt sich die Frage aber auf, da ich auf diesem Gebiet an der Universität Zürich habilitiert bin, mit einer schriftlichen Arbeit zum Thema Ritterschlag und Adelsideale vom elften zum dreizehnten Jahrhundert, vor allem in England und der Normandie.

Natürlich kann und muss man mit den übertragbaren Fähigkeiten, den „transferable skills“, argumentieren. Ohne Freude am Schreiben würde mein Beruf bei der Bank keinen Spaß machen, ohne Sprachkenntnisse wäre er gar nicht zu bewältigen. Man könnte auch die Fähigkeit anführen, eine große Menge detaillierter Informationen verwalten und überprüfen zu können.

CFA ermöglicht Karriere außerhalb der Geistewissenschaften

Hätte ich aber den Quereinstieg (oder Quantensprung) vom Vollzeit-Historiker in die Bankenwelt auch geschafft, ohne die drei Levels des CFA-Programms bestanden zu haben? Wer weiß? Es hat aber sicher geholfen dabei: Wie Anlageentscheidungen sind auch Personalentscheidungen mit einem gewissen Risiko behaftet – und RfP-Writer brauchen je nach Situation Monate, bis sie ihre Funktion selbständig ausüben können. Ich bin mir sicher, dass mein Erfolg als CFA-Kandidat für alle Beteiligten belegt hat, dass ich ein ausreichendes Fachwissen über (und Interesse an) der Finanzwelt mitbringen würde, um mich speditiv einzuarbeiten – obwohl ich notabene noch nicht die erforderlichen vier Jahre relevante Arbeitserfahrung gesammelt hatte, um den CFA-Titel tragen zu dürfen. Mit absoluter Sicherheit kann ich sagen, dass ich Wissen aus dem CFA-Syllabus bei der täglichen Arbeit anwende (natürlich nicht alles, aber bei der Breite des behandelten Stoffs können das wahrscheinlich auch nicht wirklich viele von sich behaupten). Und zudem: besonders das Thema „Behavioural Finance“ hat mir auch neue Impulse gegeben für die Lehre und Forschung als Historiker, der ich nach wie vor nachgehe.

CFA erschließt neue Wissenswelt

Neben dem beruflichen ist aber auch der persönliche Nutzen hervorzuheben. In der Schule und im Studium habe ich herzlich wenig Wissen über die Finanzwelt erworben. Wie dürftig meine Kenntnisse über Hypotheken, Pensionen, Aktien und Obligationen, geschweige denn über Derivate, Zentralbankenpolitik oder Makroökonomie waren, wurde mir erst wirklich bewusst, als ich Level I in Angriff nahm. Für mich eingefleischten Geisteswissenschaftler war es ein besonderes Erfolgserlebnis, hier messbare Fortschritte zu machen.

Wie mit allem, was wirklich erstrebenswert ist, ist das Erlangen der CFA-Auszeichnung eine Herausforderung. Für mich war der Aufwand sicher größer als für viele. Aber er hat sich schon angefangen zu lohnen, bevor ich die erste Prüfung abgelegt habe, und er lohnt sich weiterhin.

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