Fernweh: Wie es Frankfurter Banker nach London, New York oder Hongkong schaffen

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Fernweh: Wie es Frankfurter Banker nach London, New York oder Hongkong schaffen

Foto: Getty Images

Bei Auslandsaufenthalten gibt es große Unterschiede: Während Auslandssemester und -praktika längst selbstverständlich sind, haben nur wenige junge Investmentbanker tatsächlich in London, New York oder Hongkong gearbeitet.

Ein junger Investmentbanker von einer US-Boutique in Frankfurt, der einige Jahre in London gelebt hat, schwört trotz des Brexits auf die britische Hauptstadt. „Ich finde immer noch, dass London total relevant für das Investment Banking ist. Die Branche ist sehr kompetitiv und London (oder New York) im Lebenslauf zu haben, zeigt, dass man noch eine zusätzliche ‚Check the box‘ erfüllt“, meint der Junior. „Viele Leute in der Branche sind beeindruckt, wenn man erzählt, dass man in London war. Das erzeugt interessante Gespräche und man wird im Hinterkopf behalten.“

„Außerdem ist London toll für internationales Networking. Man bekommt ganz andere Insights zu Themen und hat auch viel mehr Berührungspunkte zu den USA, da zwischen London und New York City mehr Interaktionen bestehen als zwischen New York und Frankfurt“, erzählt der Junior. Dazu kennt er eine Anekdote: „Ein Banker hat mal gesagt, wenn man aus New York in Frankfurt anruft, ist das so, als wenn man aus Frankfurt in Indien anruft.“

Doch nicht jeder Auslandsaufenthalt ist gleich viel wert. „Ich weiß gar nicht, wann mir das letzte Mal ein Lebenslauf ohne Auslandsaufenthalt untergekommen ist“, erzählt Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt. „Die meisten fanden allerdings während des Studiums statt.“

Laut Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt setzen viele Investmentbanken in Frankfurt Auslandsaufenthalte bei Neueinstellungen bereits voraus. „Das sind aber meist Auslandssemester oder Praktika. Dagegen kommt es eher selten vor, dass junge Investmentbanker einige Jahre im Ausland gearbeitet haben“, erzählt der Personalberater. „Viele, die dort anfangen, bleiben dann auch länger dort.“

Die Chancen später intern von Frankfurt nach London oder New York zu wechseln, fallen indes gering aus. „Die Banken haben zwei oder drei Jahre in die Ausbildung des Analysten investiert und wollen dann nicht auf diese Arbeitskraft zugunsten von London verzichten“, sagt Graffelder. Verschärft werde die Situation durch den ohnehin bestehen Juniormangel im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, Aktien- und Anleiheemissionen.

„Es handelt sich auch um eine Einbahnstraße. Zwar wollen viele für einige Zeit von Frankfurt nach London oder New York gehen, aber nur wenige von dort nach Frankfurt kommen“, erzählt Tamm. „Frankfurt steht immer noch im Ruf, langweilig zu sein.“ Da es sich somit um eine einseitige Rotation handle, müssten die Frankfurter Teams für die Zeit des Auslandsaufenthaltes auf die Arbeitskraft verzichten. Angesichts der hohen Arbeitsbelastung in der Branche seien nur wenige dazu bereit.

„Einige schaffen es dennoch, ins Ausland geschickt zu werden, wenn sie von Anfang an darauf pochen“, berichtet Tamm. „Gerade bei den US-Banken sehen wir immer wieder Juniors, die es nach London oder New York geschafft haben.“ Denn selbst bei den renommierten US-Banken springe etwa jeder zweite Analyst nach zwei Jahren ab. Die Auslandsaufenthalte seien ein erprobtes Mittel, die jungen Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. „Ansonsten würden noch weniger junge Investmentbanker bleiben“, ist Tamm überzeugt.

Tatsächlich bietet beispielsweise die Boutique des oben genannten Juniors ihren Associates Aufenthalte in der Unternehmenszentrale in einer US-Großstadt an, was gerne angenommen wird.

Doch insgesamt fallen die Chancen auf einen internen Wechsel gering aus. „Es gibt in Frankfurt auf jeden Fall mehr Leute, die ins Ausland wollen, als die wirklich dorthin gelangen“, erzählt Graffelder. Wen es tatsächlich ins Ausland drängt, dem empfiehlt Graffelder eine andere Strategie: „Dann sollten Sie sich direkt nach dem Studium nur in London bewerben oder aber nach den zwei, drei Analystenjahren in Frankfurt sich direkt bei anderen Banken in London bewerben.“

Ob sich der Auslandsaufenthalt als Karriereturbo erweist, hänge unterdessen sehr von den Umständen ab. Eine Station bei einer US-Investmentbank in London oder New York werde bei internationalen Häusern gerne gesehen. Dagegen herrsche bei Teams, die auf mittelständische Unternehmen fokussiert sind, die Skepsis vor, ob sich der Kandidat gut genug mit dem deutschen Markt auskenne.

Meist bringe eine Auslandsstation nur die Karriere voran, wenn sie an einem der großen Investmentbanking-Standorte stattgefunden habe. „Ich hatte schon einen Kandidaten, der einige Zeit bei einer US-Bank in Brasilien gearbeitet hat. Das war gar nicht so leicht, den hier unterzubringen. Viele Arbeitgeber fürchteten, die dortige Ausbildung entspreche nicht dem Frankfurter Niveau“, erinnert sich Graffelder.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

 

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