Vergessen Sie Python: Um viel zu verdienen, müssen Sie Clojure, F#, Scala oder Elixir kennen

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Vergessen Sie Python: Um viel zu verdienen, müssen Sie Clojure, F#, Scala oder Elixir kennen

Eine Karriere in IT in Finance kann schon verwirrend sein. Es gibt eine Unzahl von Programmiersprachen, Aufgaben und Unternehmen, unter denen man auswählen muss. Überall wird recht gut bezahlt. Doch was passiert, wenn Sie jenseits Ihrer persönlichen Komfortzone gefordert werden? Sollen Sie sich eine Nische suchen und sich in einer Technologie, Methode oder einem obskuren Job spezialisieren? Die Antwort laut eindeutig: Ja.

Als festangestellter Generalist ist man ein austauschbarer Programmierer. Das stellt kein kluges kaufmännisches Konzept dar. Vielleicht kennen Sie auch noch eine weitere objektorientierte Programmiersprache und Java-Frameworks. Dennoch handelt es sich um eine vergleichsweise ersetzbare Qualifikation und solche werden gerne an günstigere Standorte verlagert. „Ich kann Python und MySQL“, damit konkurrieren Sie mit namenlosen Massen und werden rasch entbehrlich. Wenn Sie jedoch umgekehrt sagen können: „Ich kann fast 100 Prozent Ihrer Performanceprobleme lösen, die Ihnen bei Python/MySQL-basierten Lösungen unterkommen“, dann werden Sie als Problemlöser und als jemand betrachtet, der einen greifbaren Mehrwert besitzt.

Doch wie wird man von einem Generalisten zu jemanden, der einen tatsächlichen Mehrwert bietet?

Kurz, dazu müssen Sie sich spezialisieren. Dabei kann es sich z.B. um testgetriebene Entwicklung, das Coaching agiler Methoden oder am besten Kenntnisse in einem alternativen Programmierumfeld handeln.

Nach der „Stack Overflow 2019“-Entwickler-Studie besteht eine direkte Relation zwischen den am wenigsten beherrschten und den bestbezahlten Programmiersprachen. Bei vier der fünf bestbezahlten Programmiersprachen handelt es sich um die funktionalen Sprachen Clojure, F#, Scala und Elixir. Der gleichen Umfrage zufolge handelt es sich um die Programmiersprachen, die am seltensten beherrscht werden. Ein kurzer Blick auf die auf eFinancialCareers ausgeschriebenen Stellen bestätigt diesen Befund. Allerdings gibt es auch weniger Jobs für funktionale Programmiersprachen. Doch wer so etwas wie Clojure beherrscht, hat mit weniger Konkurrenz zu kämpfen, die Aufgaben sind oft interessant und die Wahrscheinlichkeit auf gute Bezahlung steigt. Schließlich brauchen Sie keine hunderte oder tausende Jobs, sondern bloß einen.

Ein gutes Beispiel für den Einsatz funktionaler Programmiersprachen ist der Quantitative Trading-Fonds Jane Street. Der nutzt die funktionale Sprache OCaml als seine wichtigste Programmiersprache. OCaml stellt eine besonders enge Nische dar. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie viele Leute einstellen, die sie bereits kennen. Doch wie überall gilt: Wer bereits eine funktionale Sprache beherrscht, der lernt eine andere viel schneller. Bei Scala indes handelt es sich um eine relativ verbreitete funktionale Sprache, weil sie mit Java zusammenarbeiten kann. Morgan Stanley setzt sie beispielsweise häufig ein. Ihre Argumentation könnte hier lauten: „Ich coache und helfe Teams, bei der Einführung funktionaler Programmierung, um die Effizienz der Entwickler zu steigern und die Zahl der Runtime-Errors aufgrund des strengen Systems zu verringern.“

Obgleich sich jeder beeilt, Python zu lernen, sollten Sie vielleicht einen anderen Weg einschlagen. Es gibt eine Menge an spezifischen Aufgaben innerhalb der Finance-IT, auf die Sie sich spezialisieren können. Sämtliche Banken führen derzeit Cloud-Lösungen ein. Experten für Cloud-Architektur und Tools wird die Arbeit also nicht ausgehen.

Vielleicht haben Sie aber auch einen Absolventenjob in Market Data Services angenommen und sie entwickeln sich für einen Experten für Marktdatenschnittstellen (APIs). Vielleicht können Sie davon profitieren und freiberuflicher Berater werden.

Dann können Sie sich natürlich auch mit Kenntnissen in Financial Engineering und Modelling von Standardentwicklern absetzen. Ich kenne viele Leute, die ihre gesamte Karriere damit verbracht haben, Experten in einer bestimmten Anlageklasse oder in bestimmten Regulierungsmechanismen zu werden. Alles, was einen speziellen Mehrwert über Ihre Kernkompetenzen hinaus mitbringt, stellt einen Vorteil dar.

Worin auch Ihre Ziele bestehen, sollten Sie stets darüber nachdenken, welche Probleme Sie für Leute lösen und in welcher Nische Sie sich einrichten können. Spezialisierung ist nicht nur etwas für Unternehmer und Freiberufler. Es stellt schon einen Unterschied dar, ob man nur eine Reihe von Jobs oder eine Karriere hat.

Bei Graham Jones handelt es sich um ein Pseudonym eines IT-Experten, der für eine US-Investmentbank in London arbeitet.

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