GASTBEITRAG: Die Wahrheit über Investmentbanken auf GitHub

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GASTBEITRAG: Die Wahrheit über Investmentbanken auf GitHub

Sieh an. Kürzlich wurde berichtet, mein alter Arbeitgeber Goldman Sachs wolle die API-Schnittstellen für seine Marquee-Plattform auf GitHub veröffentlichen. Bei GitHub handelt es sich um eine Ablage für Open Source-Software, auf der sowohl Personen als auch Unternehmen ihre Programmierungen veröffentlichen können. Jeder kann auf die hochgeladenen Programme zugreifen und auch an ihnen arbeiten, indem er beispielsweise Fehler beseitigt. Endlich mal wieder eine Gelegenheit, kostenlos zu arbeiten.

Bei Marquee handelt es sich um eine internetbasierte Plattform, die auf dem Risiko- und Kursfindungs-Engine von SecDB aufsetzt. Goldman Sachs plant seine API-Schnittstellen (Application Programming Interfaces) für die Marquee-Plattform im Web freizugeben.

Dies ist deswegen so wichtig, weil bislang lediglich die Heilige Dreifaltigkeit der Investmentbanken Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley Konten mit nennenswertem Inhalt auf GitHub besitzen. Andere Banken wie UBS, Credit Suisse, Barclays, Bank of America und Deutsche Bank verfügen entweder über keine GitHub-Accounts oder nur leere. Wenn doch, dann finden sich abgesehen von Quorum von JP Morgan lediglich Projekte außerhalb von Finance. Es handelt sich nur um Instrumente des Software Engineerings. Daher stellt es einen großen Schritt ins 21. Jahrhundert dar, wenn eine Bank die Schnittstellen zu ihren Kursfindungsmaschinen und historischen Daten publiziert. Damit lässt sich auch auf Campus-Events prahlen.

Doch handelt es sich bei Goldmans Schritt tatsächlich um eine große Sache? Kunden haben bereits den Zugang zur Kursfindung bei Banken wie Goldman Sachs über Drittanbieter wie TradeWeb oder über Single Dealer-Plattformen, die oft irgendwelche APIs enthalten. Preisangebote (Requests for Quotes, RFQs) werden oft automatisch über SecDB beantwortet. Allerdings handelt es sich dabei um Black Boxes auf den Plattformen. Für mich klingt es so, als wolle Goldman Sachs Instrumente und Dienstleistungen für Quantitative Researcher und Trader bereitstellen und auf diese Weise Trading-Aufträge erhalten.

Seien wir einmal ehrlich. Es handelt sich um kein Geheimrezept. SecDB und die neuere Marquee-Platform sind nicht der einzige Grund, wieso Goldman Sachs in der Vergangenheit ein solches Trading-Powerhouse darstellte. Bei SecDB handelt es sich um eine Plattform des Risikomanagements. Seine Fähigkeit effizient Derivatkurse zu stellen, generiert noch lange kein Alpha. Es wird erst interessant, wenn zusätzliche Daten wie die Positionen der Trading Desks, die Kundenprofitabilität, Kosten und Kommissionen bereitgestellt werden. Und genau diese Daten werden sicherlich nicht über APIs zur Verfügung gestellt.

Wenn Sie ein Kunde sind, dann wird der Zugang über APIs zu SecDB womöglich Ihre Kosten für die Infrastruktur und die Time-To-Markets-Zeiten verbessern, was jedoch sehr von den angebotenen Dienstleistungen abhängt. Doch gratis gibt es das Ganze nicht: Goldman Sachs weiß, worauf Sie aus sind und wird sich nützlichere Features teuer bezahlen lassen.

Schließlich denke ich, dass Goldman Sachs auf diese Weise mit seiner Plattform Geld verdienen will, wie Amazon das vorgemacht hat. Die Daten, die dabei generiert werden, werden auf lange Sicht von sehr großem Wert sein. Angeblich soll auch JP Morgan nicht weit davon entfernt sein, Teile seiner Athena-Plattform zugänglich zu machen. Doch die GitHub-Initiative von Goldman Sachs spricht dafür, dass die Goldmänner die Nase vorn haben. Noch ein Wort an alle beteiligten Entwickler von Goldman Sachs: Ihr werdet immer noch nicht als Leute betrachtet, die Erträge generieren.

Bei Ian MacDonald handelt es sich um ein Pseudonym. Er arbeitet als IT-Führungskraft bei einer Investmentbank.

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