GASTBEITRAG: Wie mir der Einstieg bei einer US-Investmentbank in Frankfurt gelungen ist

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GASTBEITRAG: Wie mir der Einstieg bei einer US-Investmentbank in Frankfurt gelungen ist

Foto: Getty Images

Wenn Du das hier liest, interessierst Du Dich vermutlich wie viele andere Studenten auch für einen Einstieg ins Investment Banking. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Erfolgsquote bei gerade einmal schätzungsweise 5 Prozent liegt. Ich habe neulich ein Angebot für eine Analystenstelle von einer Tier 1-US-Investmentbank in Frankfurt erhalten und weiß daher, wie unerlässlich eine gezielte Vorbereitung ist.

1. Richtet Euren Lebenslauf von Beginn an auf die Branche aus

Es ist extrem wichtig, so früh wie möglich den Lebenslauf auf das Investment Banking zu trimmen, denn hier ist der Lebenslauf das A und O. Es beginnt schon am Anfang des Studiums mit den Noten. Es mag schwerfallen, sich abends hinzusetzen und zu lernen, wenn die Kommilitonen am Feiern sind, aber Ihr müsst Euch im Klaren darüber sein, dass bei den Tier-1-Investmentbanken ein sehr großer Wert auf gute Noten gelegt wird. Ein 1.0-Schnitt muss es nicht sein, ein guter Einser-Schnitt aber sehr wohl. Nimmt die Universität von Beginn an ernst. Engagiert Euch wenn möglich an studentischen Initiativen, um außercurriculare Aktivitäten vorweisen zu können.

2. Bewirbt Euch für die Spring Weeks

Deutschen Studenten scheinen die Spring Weeks nicht sehr geläufig zu sein, zumindest nicht sehr vielen, wenn man LinkedIn Glauben schenken mag. Spring Weeks sind die einfachste Möglichkeit, in einer Bulge Bracket Bank Fuß zu fassen. Die Bewerbungen sind am Anfang des Studiums, man kommt relativ leicht rein, und man kann schon wertvolle Kontakte knüpfen. Zudem erhalten die meisten Teilnehmer der Spring Week ein Angebot für ein „Summer Internship“ im folgenden Jahr, was schon die halbe Eintrittskarte für eine Analystenposition ist. Das ist wirklich der schnellste und einfachste Weg – unterschätzt das nicht!

3. Absolviert Praktika, Praktika und noch mehr Praktika

Ich habe während den sechs Semestern im Bachelor vier Praktika absolviert, und das ist bei weitem keine Seltenheit. Viele absolvieren sogar fünf oder sechs. Wichtig ist, dass Ihr dabei mit jedem Praktikum ein Schritt nach oben macht. Falls es mit den Spring Weeks nichts wird (oder es bei Dir dafür schon zu spät ist), dann kannst Du Dich bei den Big-4 für ein Audit Praktikum bewerben, um zum einen die „Brand“ mitzunehmen, und zum anderen schon wertvolle Accounting-Kenntnisse aufzubauen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber es gibt Alternativen. Beispielsweise könnte man, falls es mit einem Big-4 Praktikum am Anfang nicht klappen sollte, ins Business Development eines Start-Ups gehen, und danach zu den Big-4, oder zu einer Small-Cap M&A Beratung. Sobald man das erste Praktikum im M&A in der Tasche hat, ist es fast schon ein Selbstläufer. Wichtig ist es aber, hartnäckig zu bleiben. Ich habe bestimmt 30 Absagen kassiert, bis ich mein erstes Praktikum bekommen habe. „It’s a number’s game“, vieles ist Glückssache. Daher darf man nie aufgeben.

4. Betreibt Networking

In Deutschland ist Networking nicht so sehr verbreitet wie in Großbritannien oder den USA, dabei kann es essenziell sein. Scheut Euch nicht davor, Alumni Eurer Hochschule, die bereits im Investment Banking arbeiten, auf LinkedIn anzuschreiben, und zu fragen, ob sie vielleicht Zeit für ein Telefonat oder einen Lunch haben. Nutzt die Chance, kluge (!) und sinnvolle Fragen über die Arbeit zu stellen, wie sie es geschafft haben hineinzukommen und vor allem: Was sie Euch empfehlen würden. Als Student habe ich auf diese Weise einen Mentor gewonnen, der mir auf meinem Karriereweg bis heute stets beratend zur Seite stand und maßgeblich daran beteiligt war, dass ich letzten Endes den Einstieg geschafft habe. Auch können diese Personen Euch später ein Praktikum verschaffen.

5. Setzt Euch mit der Materie auseinander

Das ist ein extrem wichtiger Punkt. Interviews in Frankfurt sind so technisch wie vermutlich nirgendwo anders. Setzt Euch mit den Themenfeldern Accounting, Multiples, DCF, LBOs und Merger Models auseinander. Lernt nichts auswendig, sondern auf Verständnis. Man kann ziemlich leicht herausfinden, ob jemand etwas verstanden hat, oder nur auswendig gelernt hat. Investiert ruhig ein paar Euro in Interview-Guides (beispielsweise von Breaking Into Wallstreet oder Wall Street Oasis). Ladet Euch eine App aufs Handy und übt Kopfrechnen. Setzt euch mit Brainteasern auseinander. Wenn Ihr das alles beherzt, erwarten Euch in den Interviews meist keine bösen Überraschungen

6. Gebt niemals auf

Ich habe das vorhin schon kurz erwähnt, aber das ist in meinen Augen der wichtigste Punkt: Gebt niemals auf, egal wie viele Absagen Ihr bekommt, egal wie viele Interviews Ihr absolviert, ohne ein Angebot zu bekommen. Hartnäckigkeit zahlt sich immer aus. Scheut Euch nicht, andere um Hilfe zu bitten. Wenn auf Bewerbungen direkt Absagen kommen, könnt Ihr Freunde fragen, ob sie nicht kurz Euren Lebenslauf und Euer Anschreiben anschauen, ob alles in Ordnung ist. Wenn Ihr nach Interviews Absagen erhaltet, habt keine Angst davor, die Gesprächspartner direkt anzurufen oder eine kurze Mail mit der Bitte nach persönlichem Feedback zu schreiben. So erfahrt Ihr, was Ihr vielleicht besser machen könnt. Es ist ein Haifischbecken, und alles andere als leicht, den Einstieg zu schaffen.

Beherzt die Tipps, und Ihr seid bestens vorbereitet.

Bei Olaf Schneider handelt es sich um ein Pseudonym. Er hat eine Einstiegsstelle bei einer US-Bank in Frankfurt erhalten.

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