Wie alt ist zu alt, um mit dem Programmieren anzufangen?

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too old to learn to code

Wir alle kennen die Geschichten von Leuten Mitte 20, die ein Startup gründen und so zu Milliardären werden. Doch die Realitäten sehen anders aus. Laut der Harvard Business Review zählt der durchschnittliche Startup-Gründer bereits 45 Lenze. Wie immer man das auch sieht: Erfahrung ist sicherlich hilfreich, aber das sind nicht die Stories, auf die sich die Medien stürzen.

Meines Erachtens gibt es eine solche Fehlwahrnehmung auch, wenn es um die Frage geht, ob man in den Finanzdienstleistungen mit dem Programmieren anfangen sollte. Schon in der Antwort auf die Frage, was „alt“ bedeutet, scheint sich Finance vom Rest der Gesellschaft zu unterscheiden. Keinesfalls ist es so, dass das Programmieren in einer Bank nur die jüngeren Leute angeht. Wahrscheinlich sind viele Leute in den IT-Abteilungen der Banken sogar älter als die Leute aus dem Trading. Nehmen wir nur Bjarne Stroustrup, den Erfinder der Programmiersprache C++, der heute Managing Director bei Morgan Stanley ist.

Sicherlich habe auch ich bereits als Kind mit dem Programmieren begonnen. Allerdings war mein Code schrecklich und fast unverständlich, so dass ich alle meine Programmiergewohnheiten ablegen musste als ich zur Uni ging. Die Lehre daraus: Schlecht programmieren kann man in jedem Alter.

Viele der Voraussetzungen, um mit dem Programmieren anzufangen, hängen nicht vom Alter ab. Allerdings müssen Sie schon einige Zeit investieren, um Programmieren zu lernen. Wenn Sie wirklich Programmieren lernen wollen, dann werden Sie sich dafür auch genügend Zeit nehmen und mit Rückschlägen zurechtkommen. Programmieren zu lernen, stellt auch keine einmalige Angelegenheit dar, sondern es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess. Sind Sie dazu bereit?

Dabei müssen Sie wissen, dass Programmieren zu lernen, einen iterativen Prozess darstellt. Sie versuchen etwas, schauen was dabei herauskommt und wiederholen es. Dazu bedarf es einiger Geduld. Ich selbst bin heute sicherlich viel geduldiger als noch vor zehn Jahren.

Neben Zeit und Geduld müssen Sie noch etwas anderes mitbringen: Wieso wollen Sie das überhaupt lernen? Denn wenn Sie einmal ein wenig Wissen erworben haben, müssen Sie selbst etwas entwickeln. Wie greifen all die Komponenten ineinander? Was soll dabei herauskommen? Wer wird die Software anwenden und wie?

Falls Sie schon einige Jahre in den Finanzdienstleistungen arbeiten, dann sollten Sie bereits einiges über die Märkte und die Branche wissen. Im Laufe der Zeit stellt dies einen unschätzbaren Vorteil dar und es wird Sie befähigen etwas zu programmieren, was Leute tatsächlich nutzen.

Auch sollten Sie wissen, dass Programmieren ganz unterschiedliches bedeutet. Es stellt schon einen großen Unterschied dar, ob man mit C++ ein superschnelles Handelssystem entwickelt oder mit Python an Programmen arbeitet, die aus bestimmten Daten Prognosen anstellen. Das erste stellt gewissermaßen Hardcore-Entwickeln dar, wozu der Programmierer schon einige Jahre Erfahrung mitbringen sollte. Im zweiten Fall geht es eher darum, die Märke zu verstehen und Python als Instrument einzusetzen. Wenn Sie ein Marktexperte sind und Programmieren lernen wollen, dann scheint Python für Sie die richtige Wahl darzustellen.

Die gute Nachricht dabei: Die Grundlagen von Python lassen sich wahrscheinlich in ein paar Monaten erlernen. Viel schwieriger ist es, die Marktkenntnisse zu erwerben. Doch als Banker sollten Sie genau das mitbringen. Das Programmieren stellt hier den einfacheren Teil dar.

Falls Sie etwas erfahrener sind und in den Finanzdienstleistungen arbeiten, dann ist der Zeitpunkt immer richtig, um mit dem Programmieren zu beginnen. Programmieren macht Spaß und hilft Ihnen dabei, das meiste aus Ihrer Erfahrung herauszuholen. Selbst die Geschäftsführer von Unternehmen lernen heute zu programmieren wie z.B. Société Générale-Chef Frédéric Oudéa. Es gibt also keinen Grund, nicht selbst damit anzufangen. Und schließlich noch die Antwort auf die Frage: Man ist niemals zu alt, um Python zu lernen. Viel Glück!

Saeed Amen ist ein systematischer Devisenhändler, der seit 2013 sein eigenes Handelsbuch in den zehn größten Devisen hat. Amen hat schon Handelssysteme für verschiedene Großbanken wie Lehman Brothers und Nomura entwickelt.

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