GASTBEITRAG: Die Ära der Quants neigt sich ihrem Ende zu

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GASTBEITRAG: Die Ära der Quants neigt sich ihrem Ende zu

Seit über zwei Jahrzehnten arbeite ich beiderseits des Atlantiks als Quant in den Finanzdienstleistungen. Und ich kann es förmlich riechen, wenn der Verwesungsprozess einsetzt.

Wozu Banken Quants einsetzen, hat sich im vergangenen Jahrzehnt gründlich verändert. Vor zehn Jahren heckten sie noch strukturierte Produkte aus. Dafür brauchten Banken Quants mit einem profunden mathematischen Verständnis. Dagegen geht es jetzt weniger innovativ zu. Quants obliegen heute anspruchslosere Aufgaben.

Wer heute mit einem durchschnittlichen Quant in den Finanzdienstleistungen spricht, dann arbeiten sie oder er gerade an einem Bewertungsmodell für das Tradingbuch. Ihr Aufgabe besteht darin, die Zahlen abzusegnen – nicht mehr und nicht weniger. Den meisten Quants kommt kaum mehr als eine Hygienefunktion zu.

Mit dem Siegeszug des Maschinenlernens werden sich die Dinge kaum zum Besseren wenden. Zwar meinen die Leute, dass Künstliche Intelligenz eine neue Ära der Quants einläuten werde, doch Maschinenlernen besteht aus kaum mehr als linearer Algebra, wofür Sie keinen Quant benötigen.

Dies stellt einen Schock für viele Leute dar, die in die Branche einsteigen. Darüber hinaus verdienen Quant-Entwickler (quant dev) spürbar weniger als die traditionellen Quants. Zwar bringen Quant-Entwickler weder Ideen für die Strukturierung mit noch haben Sie Ahnung von Finance wie die traditionellen Quants, aber sie können Modelle programmieren. Zwar arbeiten Quants uns Quant-Entwickler zusammen, doch während Quants immer noch Boni von 100 Prozent ihres Gehalts erhalten können, müssen sich Quant-Entwickler mit einem Bruchteil davon begnügen. Daher sollten Sie niemals den Karriereweg eines Quant-Entwicklers einschlagen.

Ich kann nicht sehen, wie sich die Dinge zum Besseren wenden können. Immer noch herrscht der Trend vor, dass sich die Banken weg von strukturierten und hin zu einfacheren Produkten entwickeln, die weniger Eigenkapital beanspruchen. Damit sinkt auch der Bedarf an wirklich guten Quants. Exzellente Leute werden zwar auch künftig benötigt, jedoch in deutlich geringerer Zahl.

Der Rest muss sich mit den weniger interessanten Bewertungsjobs abfinden. Doch braucht man dazu wirklich eine Promotion? Wer braucht dafür schon statistische Berechnungen?

Auch langfristig dürfte sich die Situation kaum verbessern. Die wirkliche Bedrohung für Quants stellt der Trader von Morgen dar. In der Zukunft werden die Trader anders denken. Die Trader werden selbst deutlich quantitativer ausgerichtet sein als heute und sie werden in Python programmieren können. Dennoch werden die Trader kaum ihre Zeit mit dem Programmieren von Python verschwenden wollen und so wird die neue Mischform eines Quant-Quant-Entwicklers entstehen. Dies läuft auf weniger Mathe, mehr Programmieren und weniger Geld hinaus.

Bei Joshua Gibbons handelt es sich um ein Pseudonym.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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